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Die
Grundübungen
Fragen
und Antworten zu den vorbereitenden Übungen (tib. Ngöndro)
von
Lama Ole Nydahl
Seit vielen Jahren
wird in den Karma-Kagyü-Zentren für die Praxis der »vorbereitenden Übungen«
ein Text des 9. Karmapa Wangtschug Dorje benutzt. Die Erklärungen,
wie die Übungen im Detail zu praktizieren sind, stammen von Kalu Rinpoche.
Ende der 60er Jahre lernten Lama Ole Nydahl und Hannah Nydahl die Praxis bei
ihm in Sonada/Darjeeling und gaben sie später in genau dieser
Weise weiter. In den letzten Jahren – im Zuge der Diskussion um die
Verwestlichung der Lehre – kam immer öfter die Frage auf, welche Teile
dieser Praxis nun die eigentliche Lehre betreffen und welche ausschließlich
Kultur-bedingt sind und damit unter Umständen weggelassen oder in
anderer Form praktiziert werden können.
Jedesmal, wenn
der Buddhismus in eine neue Gesellschaft oder Kultur kam, fand eine
Anpassung der Lehre an neue gesellschaftliche Gegebenheiten und
andere Mentalitäten statt. Man sagt, dass der Buddhismus einem Diamant
gleicht, der in seinem Wesen zwar unveränderlich ist, aber doch
in den Farben des Untergrundes strahlt, auf dem er liegt. Der Prozess
dieser Anpassung nahm oft hunderte von Jahren in Anspruch, und sicher
ist es heute im Westen sinnvoll, hier keine zu radikalen Änderungen
vorzunehmen und nichts zu überstürzen. Es besteht sonst die Gefahr,
das »Kind mit dem Bad auszuschütten«.
Mit diesem Hintergrund
fand im Sommer 1996 ein Treffen zwischen verschiedenen deutschsprachigen
Dharmalehrern und Lama Ole Nydahl statt, um dieses Thema zu diskutieren.
Der Schwerpunkt lag dabei auf der Praxis der »Grundübungen«, da
diese für die meisten Kagyü-Buddhisten in den ersten Jahren die wichtigste
Praxis sind. Lama Ole Nydahl schätzt, dass ca. 5000 Menschen derzeit
im Westen diese Übungen praktizieren.
Ein weiterer
wichtiger Hintergrund dieser Diskussion war, dass Künzig Shamar Rinpoche
in Erwägung gezogen hatte, einen anderen Ritualtext für die Grundübungen
einzuführen, beruhend auf einem Text des 8. Karmapa Mikyö Dorje.
Mittlerweile hat Künzig Shamar Rinpoche jedoch beschlossen,
damit zu warten bzw. die Idee fallenzulassen.
Der folgende
Text ist aus dem Protokoll des Treffens zwischen den Dharmalehrern
und Lama Ole Nydahl entstanden und enthält die Erklärungen, die
Ole Nydahl zu verschiedenen Fragen und Themen gab. Einige Informationen
darin beziehen sich speziell auf Details der Praxis, die für jemanden,
der die Erklärungen dazu noch nicht bekommen hat, nicht leicht nachvollziehbar
sein werden. Lama Ole Nydahls Buch über die Grundübungen, »Ngöndro
– Die Vorbereitungen auf dem Mahamudra-Weg« (Marpa-Verlag, Wien),
mag hier zum Verständnis beitragen.
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oben]
Frage: Es gibt verschiedene Belehrungen zur Verwendung
des zur Zeit verwendeten Ngöndro-Textes. Wieso?
Lama Ole Nydahl: Nachdem der neunte Karmapa am Ende des 16.
Jahrhundert die von uns verwendeten Grundübungen (tib.Ngöndro)
in Osttibet verfasste, entwickelte fast jedes Karma-Kagyü-Kloster
ein eigenes Verständnis davon. Wegen der großen Abstände entstanden
kleinere und größere Unterschiede in der Verwendung des Textes.
Man kann also auch heute in einer Zeit der computergenauen Mitteilungsmöglichkeiten
nur einen »Mittelwert« errechnen, der bestmöglich sowohl zu unseren
Verhältnissen als auch zu unserer Übertragung passt. Kalu Rinpoche
war für uns beim Ngöndro der entscheidende Lehrer und bei ihm fängt
der gesamte Text zum Beispiel erst auf Seite 2b an.
Die vorhergehenden
Anleitungen fürs Klosterleben haben Hannah und ich z.B.1970 niemals
benutzt.
Frage:
Sollte der Text in Tibetisch rezitiert werden oder kann er, zumindest
teilweise, auch in der eigenen Muttersprache verwendet werden?
Lama Ole Nydahl: Buddha hat auf eine Art Sanskrit gelehrt,
das 1500 Jahre danach so schnell wie möglich ins Tibetische übersetzt
wurde. Auch bei uns – nochmals 1000 Jahre später – ist das Verstehen
der Belehrungen das Wichtigste. Deswegen muss nur das bleiben, was
mantrisch wirkt, wo die Zeit für eine gute Übersetzung noch nicht
ausgereicht hat oder westliche Sprachen zu langwierig sind. Das
bedeutet bis jetzt: das lange
und kurze Diamantgeistmantra, die langen und kurzen Mandala-Schenkungsformeln
und die sechs Wünsche an den Lama im Guru Yoga. Alles andere soll
vor allem verstanden werden.
Warum sich aber
freiwillig begrenzen? Manchen tut es gut, mitunter in einer entspannten
Lage das Tibetische zu singen. Viele haben die Sprache auf ihrem
Weg zur Erleuchtung benutzt. Folgt also dem, was natürlich kommt
– es kann nur gut sein!
_____________________________________________[nach
oben]
Frage: Die klassische Form tibetischer Texte ist ziemlich
unhandlich: Es ist eine Sammlung loser Blätter ohne Heftung. Warum
wird die noch immer verwendet?
Lama Ole Nydahl: Heute fehlt vor allem die Zeit für eine
neue Auflage, aber früher behielten wir die Form auch um die Arbeit
zu schützen. Es hing mit unserer politischen Lage zusammen, wir
wollten Traditionalisten keine Angriffsfläche gegen Karmapa Thaye
Dorje bieten. Unser riesiges Wachstum rund um die Welt, die hohe
Selbständigkeit der westlichen Menschen und Zentren sowie Künzig
Shamarpas fortschrittlicher Stil erfreuen nicht jeden. Das macht
unsere Linie ungewöhnlich. Obwohl der Segen ungebrochen vorhanden
ist, wir voll den Wünschen der Karmapas entsprechen und seit über
25 Jahren eine zeitgemäße Form entwickeln, um freie Westler mit
Erfolg meditieren zu lassen, hätten die im Sold der Rotchinesen
stehenden Kritiker auf diesem Gebiet eine Angriffsfläche, die wir
ihnen erst später bieten möchten.
Die meisten
sehen nur das Äußere und obwohl der volle Sinn der Belehrungen befolgt
wird und diese ehrlich in unsere Länder kommen, mussten wir noch
aufpassen, äußerlich nicht zu weit weg vom Althergekommenen zu geraten.
An einigen Stellen werden wir auch wegen der Verwendung der tibetischen
Sprache als kulturerhaltend anerkannt und anderswo wegen der noch
nicht ausgebügelten Unverständlichkeiten in der Lehre als Religion
gesehen. Wir dürfen uns dieser Vorteile nicht verschließen.
Auch ist die
deutsche Wortwahl noch nicht voll verankert und deswegen müssen
wir zur Sicherheit die Quellen beibehalten. Es dauerte dreihundert
Jahre, bevor die Lehre ganz in Tibet angekommen war, und die genaue
zeitgemäße Übersetzung ist jedesmal ein wichtiger Teil der Übertragung.
_____________________________________________[nach
oben]
Frage: Welche Teile des Textes haben Mantrakraft und arbeiten
in Körper, Rede und Geist vor allem auf Schwingungsebene statt über
das intellektuelle Verständnis und sollten daher nicht übersetzt
werden?
Lama Ole Nydahl: Im Ngöndrotext sind eigentlich nur die lange
wie kurze Diamantgeist-Anrufung sowie das Karmapa Chenno mantrisch.
Sie wirken durch die Schwingung unmittelbar auf die Kraftströme
und Räder im Körper ein. Alles andere soll den Geist verstandesmäßig
auf die Erleuchtungsschübe einstellen und diese befestigen.
Bei der Zuflucht,
den Widmungswünschen und den vier grundlegenden Gedanken ist es
wichtig, sie öfter in der eigenen Sprache zu lesen. Sie enthalten
wichtige Lehren Buddhas, und ich habe ihren Wortlaut in den Meditationsheftchen
so umgestaltet, dass ihre zeitlosen Wahrheiten einem modernen Menschen
nicht peinlich werden. Befreit von »Henkern und Henkersmahlzeiten«
(Wortwahl im Ngöndrotext) kann jeder diese Wahrheiten vorlesen,
ohne sich dabei komisch zu fühlen. So entwickeln sich auf Dauer
befreiende Gewohnheiten im Geist.
Übrigens: Bitte
sagt beim langen Diamantgeist-Mantra nicht »suto kayo mäh bawa«,
was an das Blöken von Schafen erinnert. Die Betonung liegt am Ende
der Zeile auf »suto kayo me bawah.«
Frage:
Soll man weiterhin, wenn man nach den Verbeugungen das Bodhisattvagelübde
rezitiert, die traditionelle kniende Körperhaltung einnehmen?
Lama Ole Nydahl: Die halbkniende Körperstellung, die wir
früher beim Bodhisattvagelübde eingenommen haben, sowie die völlig
zerknirschte Haltung, bei der man in Hockstellung auf die eigenen
Zehen treten soll, sind zwei von mehreren, die in Asien verwendet
werden. Sie sind kulturell bestimmt, nicht sinnträchtig. Deshalb
brauchen wir sie nicht zu verwenden, solange es kein Lehrer aus
dem Osten ausdrücklich wünscht. Die Handflächen bei Wünschen vor
der Brust aneinander zu halten, wird von älteren tibetischen Lamas
gerne gesehen. Das ist nützlich, um den Kraftkreis durch das Herz
zu stärken. Die rechte Hand im Schoß auf der linken ruhen zu lassen,
scheint aber dasselbe zu bewirken. Man sollte hier seinem Gespür
treu bleiben, nur dürfen sich die Schüler einer Verwirklicher-Linie
wie die Kagyüs auf keinen Fall wie in einer Kirche fühlen. Wir sollten
kein sektenähnliches Verhalten erzeugen. Die Kraft der Einstellung,
freiwillig zum Besten aller Wesen arbeiten zu wollen, ist entscheidend.
Sie alleine ergreift die selbständigen Menschen.
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oben]
Frage: Manche Gebete werden traditionell dreimal wiederholt.
Macht das heutzutage im Westen noch Sinn?
Lama Ole Nydahl: Wird in der eigenen Sprache meditiert, braucht
man die drei Wiederholungen nicht, weder bei Zuflucht, den Gelübden
oder Widmungen. Es ist mechanisch und befremdend für Westler. Sie
verstehen es schon beim ersten Mal. Tibetisch gesungen lauten die
Wiederholungen aber gut, und hier ist es nicht unsere Aufgabe, an
der Überlieferung etwas zu verändern.
Frage:
Wenn der Text auf Tibetisch verwendet wird, gibt es verschiedene
Melodien, um ihn zu singen. Welche ist hier angebracht?
Lama Ole Nydahl: Es gibt zwei Weisen, die Ngöndro-Puja zu
singen. Beide sind in Ordnung. Für Schwarzen Mantel, Milarepa und
den 2. und 8. Karmapa sollten wir die Melodie verwenden, die alle
Karmapas bis jetzt benutzt haben.
Frage:
Können sich Leute, die Lama Ole als ihren Wurzellama sehen, Lama
Ole in der Mitte des Zufluchtsbaumes visualisieren? Könnte das nicht
zu persönlich sein?
Lama Ole Nydahl: Als Vertreter der Linie ist das möglich.
Ich rate aber immer, nach Fähigkeit den Karmapa zu nehmen, durch
ihn kommt ja alles. Aber viele Leute kannten weder den 16., noch
haben sie den 17. Karmapa erlebt. Sie sehen statt dessen oft den
Lama, mit dem sie die stärkste Verbindung haben. In den Grundübungen
ist niemand bestimmtes angegeben, sondern es heißt: In der Mitte
sitzt der Wurzellama als Diamanthalter. Wenn den Schülern seine
blaue Lichtform zu abstrakt ist und sie dann anstelle davon Karmapa,
Künzig Shamarpa, Lopön Tsechu Rinpoche oder vielleicht mich sehen,
ist das in Ordnung. Man muss ihnen dann nur die Übertragung deutlich
aufzeigen. Der gleiche Strom geht von allen Buddhas durch die Karmapas
zu uns.
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oben]
Frage: Stellt man sich in diesem Fall vor, dass der Lehrer
dann die Schwarze Krone Karmapas über seinem Kopf hat?
Lama Ole Nydahl: Nein, die Krone gehört zu den Karmapas und
sollte bei ihnen bleiben. Man wäre dann in der Stellung von Diamanthalter
(tib. Dorje Chang), ruhig mit westlicher Kleidung. So würden
sich die Teile in der Muttersprache natürlich anfühlen; auf der
anderen Seite wären vor einem Lama in Jeans die tibetischen und
Sanskrit-Wiederholungen noch fremdartiger. Bei denen könnte man
dann denken, dass auch der eigene Lehrer so geübt hat oder die Übersetzungen
auf einem Papier vor sich liegen haben. Das Beste ist natürlich,
sich nicht von der Sprache ablenken zu lassen, sondern schnellstmöglich
in die jenseits-begriffliche Erfahrung einzutauchen.
Der 9. Karmapa
hielt diesen Punkt bewusst offen, weil er wusste, dass man Schülern
nicht aufdrücken kann, bei wem sie die stärkste Erfahrung haben
sollen. Nur müsste der Herr im Baum auf einer überpersönlichen Ebene
sein, sonst wird die Hingabe seiner Schüler ihm die Kraft abziehen.
Bei vielen geht es aber um das Prinzip des Lehrers; kein besonderer
Vertreter dieser Gattung hat sie richtig berührt. Diese Leute sollten
einfach dem Text folgen und auf Diamanthalter meditieren.
Nur der Lehrer,
der sein Ganzes gibt und so lebensnah ist, dass der Schüler sich
in seiner Haut erleben kann, wird sowieso in Träumen und Meditationen
als wirklich bedeutend und schützend erfahren werden und diese letztendliche
Sicherheit vermitteln nur wenige. Ein Grund, warum ich übrigens
so lange nach seinem Tod möglichst alle auf den 16. Karmapa ausgerichtet
habe, war der Anspruch von Kalu Rinpoches Schülern. Sie hatten schon
frisch dessen Lama Norbu in unsere Übertragungslinie hineingefügt
und hätten zusätzlich gerne auch östlich des Rheins Kalu Rinpoche
in die Mitte des Zufluchtsbaums gesetzt. Deshalb haben wir auch
bei Leuten, die ihn nicht kannten, alle Kräfte stur auf Karmapa
als gemeinsames Ziel gebündelt. Wenn jetzt aber in der Vertiefung
der Segen von einem der erwähnten Lamas unserer Linie erfahren wird,
der die Last tragen kann, ist das voll in Ordnung.
Wenn sonst die
Entwicklung rund läuft, sollte man die Leute in ihren Erfahrungen
bestätigen. Wenn mein Gesicht unverhofft sonst sittllichen Menschen
erscheinen sollte, könnte man zum Beispiel sagen: »Lama Ole selbst
sieht sich als Ausdruck von dem Schutz der Linie; von ihm aus ist
das nicht persönlich.«
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oben]
Frage: Was versteht man eigentlich unter einem »Wurzellama«?
Lama Ole Nydahl: Man muss den »Wurzellama« zunächst vom »Linienlama«
unterscheiden. Der Letztere hielt seit Buddhas Zeiten dessen Mittel
und seinen Erfahrungsstrom zusammen und ist bei uns immer Karmapa.
Einem näher
im täglichen Leben sind die Wurzellamas. Sie entwickeln die Wesen
durch ganzheitliche Mittel und sind also keine bloßen Wissensvermittler.
Durch die Erfahrung, die sie übertragen, werden sie die Wurzeln
für die Verwirklichung weiterer Bewusstseinsbereiche. Man hat zum
Beispiel einen Wurzellama für die Zuflucht, für die Grundübungen,
für die Karmapa-Meditationen, einen für das Bewusste Sterben usw.
Zusätzlich gibt es einen ganz besonderen Wurzellama, der uns »Das
Große Siegel der Gewissheit« schenkt. Durch irgend etwas, seien es
seine Worte, sein Verhalten oder eine Aufgabe, die er einem stellt,
fallen karmische Schleier der Schüler weg. Sein Segen begeistert
sie und die Gewissheit entsteht, dass der Geist unzerstörbares klares
Licht ist. Wer so den Zugang zum Mahamudra schenkt, was ja das letztendliche
Ziel ist, ist der Wurzellama. Hier muss jeder spüren, wer ihm am
ehesten diese Erfahrung von Raum, Klarheit und Unbegrenztheit schenkt
und mit Mut, Freude und sinnvoller Liebe auffüllt. Diese Sicht bei
den Schülern zu entwickeln, ist die wichtigste Arbeit des Wurzellamas.
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oben]
Frage:
Wäre Karmapa als der Wurzellama zu verstehen?
Lama Ole Nydahl: Unter allen Umständen ist er bei den Karma-Kagyüs
der Linienlama. Jeder, der die Erfahrung des »Großen Siegels« (Mahamudra)
hat und die Erlaubnis besitzt, sie zu vermitteln, kann der Wurzellama
sein. Auch die Karmapas sowie die noch früheren Halter der Linie
haben Wurzellamas gehabt. Es waren oft sehr urige, unbürgerliche
Typen, die ihnen die gewohnten Vorstellungswelten zertrümmerten.
Wie wichtig
das Halten der Bände zum Lama ist, war übrigens niemals deutlicher
als heute. Dass die Linie so auseinanderfallen konnte, dass ein Großteil
unserer Rinpoches jetzt nach der Pfeife der kommunistischen Chinesen
tanzt, wird damit erklärt, dass sie mehrmals nicht taten, worum der
16. Karmapa sie gebeten hatte. So kamen sie in die Lage, ein gestörtes
Kind als 17. Karmapa anzuerkennen, was noch mit zehn Jahren völlig
überfordert auf seinem Thron hin und her rutscht. Wenn so berühmten
Lehrern das geschehen konnte, müssen wir auf dieser Ebene sehr bewusst
bleiben.
Tatsächlich
ist das offene Gefühl in den Zentren der beste Schutz gegen komisches
Verhalten, Gefühlsduselei und gebrochene Bände. Ein modernes breitflächiges
Mahamudra verstehe ich so: Mit wachen, selbständigen Schülern bewusst
über die Stimmung in den Gruppen zu arbeiten. So setzt man allen
Erfahrungen das große Siegel der Erleuchtung auf. Alles muss dort
frisch und frei und bei bester Laune durchsichtig bleiben. Deshalb
sollte man auch – wertungsfrei, aber bestimmt – unzufriedenen oder
zu heiligen Leuten andere Wege empfehlen, die ihnen besser entsprechen.
Alles in allem: Mit so wirksamen Mitteln wie den Grundübungen und
der Sicht des Großen Siegels wird sich jeder entwickeln. Im Buddhismus
bleibt robuste gesunde Vernunft König und Selbständigkeit ist für
jeden das Ziel. Mit dem Aufbau von Mitgefühl, Kraft und Einsicht,
die aus den Meditationen entstehen, wird ein riesiger Weg in grenzenlose
Bewusstseinsebenen frei und man wird viel Sinnvolles für die Wesen
tun können.
Aus:
Kagyü Life Nr. 24, 9. Jahrgang (Januar 1998)
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oben]
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