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Wie steht der Buddhimus zur Abtreibung?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Völlig dagegen, denn da ist ein lebendes Wesen mit einem Bewusstsein . Das zu töten ist nicht gut. Für das Kind ist es wirklich hart, denn es hat sich neue Eltern gefunden und plötzlich ist es wieder draußen und wird sieben Wochen lang hin – und hergezogen. Wenn man abgetrieben wird, geht man nochmal durch den ganzen Bardo durch. Schon schmerzhaft. Natürlich kann man den Geist nicht töten, aber man fügt ihm viel Leid zu.

Und dann will ich euch auch sagen: Die Länder von Nordeuropa und Nordamerika unterstützen einen Großteil der armen Ländern auf der Welt. Einmal haben wir ihnen die Rohstoffe abgenommen, heute sieht es umgekehrt aus. Heute bringen wir ihnen Hilfe und geben ihnen, was fehlt. Deutschland, das so viel in die Welt gibt, das ein so gutes Bildungsystem hat und wo die Leute sehr produktiv sind, verliert Menschen. Dänemark, was auch ganz viel in die Welt verschenkt, verliert auch Menschen.

Abtreiben ist out, abgeben ist in. Wir brauchen die Kinder. Man trägt das Kind neun Monate im Bauch und dann gibt man es an eine Familie, die ein Kind haben möchte. Wir haben inzwischen ganz viele Familien, die Kinder haben wollen.

Ich weiß, viele Frauen denken, wie kann ich das tun, mein Kind in fremde Hände zu geben. Aber es ist überhaupt nicht eures. Ihr habt die Erbmasse zusammengerührt, hoffentlich in einer fröhlichen Viertelstunde, aber das Bewusstsein habt ihr nicht geschaffen. Das Bewusstsein ist ins befruchtete Ei eingetreten und ist nicht euer Produkt.
Es ist ein Wesen, mit dem euch irgendetwas Positives oder Negatives verbindet. Aus diesem Grund ist es eine edle buddhistische Handlung, das Kind einem Paar zu schenken, das sich ein Kind wünscht, aber selbst keins bekommen kann.

Welche karmischen Folgen hat eine Abtreibung?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Für die Mutter ? Damit der karmische Eindruck einer Tötung total ist, müssen vier Bedingungen zusammenkommen. Man muss wissen, es ist ein Mensch. Man muss wünschen, ihn umzubringen. Man muss es tun oder tun lassen und man muss hinterher zufrieden damit sein.
Wenn diese vier Sachen zusammenkommen, dann werden starke Eindrücke gespeichert, die später Schwierigkeiten bringen werden. Aber ganz so ist es bei einer Abtreibung ja nicht.
Erst hat man nur diesen kleinen Klumpen im Bauch und man kann sich nicht gar vorstellen, dass das ein Mensch ist. Meistens wünscht man ja auch nicht, es zu tun, man glaubt gezwungen zu sein. Man tut es halt, aber hinterher fühlt man sich schlecht. Von den vier Bedingungen, die zusammen ein voller Mord wären, hat man vielleicht anderthalb. Und das bedeutet, dass der Eindruck nicht so stark ist.
Aber es ist immer noch etwa, was man wirklich vermeiden sollte. Buddhistische Frauen, die abtreiben, kriegen meistens langwierige Entzündungen hinterher.Andere Frauen kriegen Depressionen und andere Schwierigkeiten. Und sehr oft zerbricht die Beziehung an einer Abtreibung, weil man zusammen etwas Negatives gemacht hat.
Für das abgetriebene Kind ist es hart, denn der Zwischenzustand zwischen einem Leben und dem nächsten ist nicht angenehm. Dann muss es sich wieder Eltern finden und kommt dann wieder. Auf der anderen Seite: Wer abgetrieben wird, hat natürlich auch sein eigenes Karma dazu. Wer andere umgebracht hat, der kann z.B. mehrere sehr kurze Leben hintereinander haben. Es ist ein schwieriges Karma. Es ist besser, man kriegt das Kind und verschenkt es. Das ist wirklich besser, das ist eine sehr gute Tat!

Bei einer Abtreibung beeinflusst ja oft auch der Mann die Entscheidung. Wie sind denn die karmischen Folgen für ihn?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das haben wir früher in Dänemark wirklich gemacht. Wir haben einfach gesagt: Du bist krank, geh mal zum Arzt. Und ich kann dir sagen: Man kriegt kein gutes Karma davon.
Als ich dabei war, mein Ngöndro zu machen, wurde ich total empfindlich Kinderstimmen gegenüber. Jedesmal wenn ich Kinderstimmen hörte, hat mich das total gestört bei der Meditation. Andere Geräusche nicht, aber Kinderstimmen sehr. Und dann bin ich zu Yogi Chen, einem guten Yogi gefahren und ich habe ihn gefragt, woher das kommt. Und er hat dann gefragt: Hast du viel mit Abtreibungen zu tun gehabt? Ich habe gesagt: Ja, schon. Ständig wurde eine Freundin ,,krank”. In den 60er Jahren in Kopenhagen war das normal.
Dann hat er gesagt: Dann sollst du vielleicht nach Hause gehen und das bereuen!
Und ich saß da und habe versucht, zu bereuen, aber es gelang mir nur so halb. Denn ich dachte, es wäre auch schwierig gewesen mit den ganzen Kindern. Und dann kam ein Franzose die Treppen hochgelaufen und hat geschrien : Sie töten ein Schwein!
Da kroch ein total betrunkener Nepalese in einem Schweinestall rum, mit einem langen Speer mit Eisenspitze. Und er hat immer wieder versucht, das Herz eines kleinen Schweines zu treffen. Das Tier war schon total in Panik. Gerade als ich in den Stall reinkam, hat er das Herz getroffen und das Schwein fiel um.
Ich habe es gesegnet, um ihm wenigstens einen ruhigen Tod zu geben. Aber es ist mir nicht gelungen, es war so aufgeregt.
Dabei habe ich wirklich ein Gefühl davon bekommen, was es bedeutet, jemand umzubringen. Und da habe ich zwei Tage lang bestimmt 5 Liter Wasser aus den Augen geheult. Ich bin überall dagegen gelaufen, weil ich kaum mehr sehen konnte.
Aber ich wusste, das ist jetzt eine besondere Öffnung. Jetzt wirst du Ballast los. Und dann habe ich ganz intensiv mit den Abtreibungen gearbeitet. Das ging ganz tief und tat weh!
Ich würde keine Frau dahin bringen, dass sie das tut. Aber ich würde ihr schon sagen, dass sie das Kind zur Adoption freigeben soll, wenn man nicht zusammenleben will und sie das Kind auch nicht alleine aufziehen will.

Wenn man schwanger ist und es wird festgestellt, dass das Kind schwere Erbschäden hat und behindert zur Welt kommen wird: Soll man dann abtreiben oder nicht?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das ist eine Frage, die ich nicht allzu gern beantworte, denn die meisten Leute werden meine Antwort für verrückt halten. Die meisten Leute wären für eine Abtreibung. Diese Menschen sehen allerdings nicht, dass derjenige, der da stirbt, im nächsten Leben mit ähnlichen Schwierigkeiten wiederkommen wird, weil er seine karmischen Schwierigkeiten nicht abgearbeitet hat. Ich würde eher vorschlagen, das Kind zu bekommen, sich darum zu kümmern, so gut es geht und sich auch auf Institutionen zu stützen, die dafür da sind.
Das Kind lebt dann solange, bis es das Karma ausgetragen hat und wird das nächste Mal ganz normal wiedergeboren. Man muss nicht denken, dass man mit der Verantwortung ganz alleine da steht. Schafft man es nicht, es zuhause zu betreuen, dann gibt es sehr gute Institutionen dafür, zumindest in Deutschland und in Dänemark und anderen westlichen Ländern.

Ich verstehe die Leute, die abtreiben, sehr gut. Ich kann auch verstehen, dass Menschen aus Mitleid töten, doch sobald man die Lehren über Karma verstanden hat, kann man keinen Vorteil im Töten mehr sehen. Denn die Ursachen, die jetzt dazu führen, dass man mit einem schlechten Körper ankommt, blieben solange aktiv, bis man es ausgetragen hat.

Aber wenn du schon eine andere Überzeugung hast, dann behalte die und handele demgemäß. Ich sage nicht: Das darfst du nicht. Wenn du Angst hast, dass du das nicht schafft oder dass es dich, deine Aktivität, dein Leben total blockieren wird, dann kannst du auch einfach den Arzt fragen.
Frag den Arzt, was er denkt, was für eine Lebensqualität das Kind haben wird und was er rät. Die Ärzte sind in unserer Kultur die Experten für Leben und Tod, deshalb kannst du auch ein gutes Gewissen haben, wenn du ihrem Rat folgst.

Ich bin therapeutischer Ratgeber und es kommen auch Frauen zu mir, die abtreiben wollen. Ich würde sie gern davon abbringen, aber manche sind fest entschlossen. Was soll ich da machen?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde einfach schauen, wie die Leute sind. Wenn sie ein bisschen Mitgefühl haben und du meinst, sie können verstehen, dass es eine ehrliche Sache ist, eine tolle Sache ist, ein Leben zu retten und es weiterzugeben dahin wo es weiterleben kann, dann würde ich sagen, versuch das.
Auf der anderen Seite, wenn die Leute es absolut tun wollen, dann ist es besser, fröhlich und ein bisschen auf Abstand zu bleiben und einfach das Gesetz zu erklären. Denn wenn man ihnen noch ein schlechtes Gewissen oben drauf gibt, dann verstärkt man nur die schlechten Eindrücke. Da solltest du dich raushalten.
Wenn die Leute verstehen können, was Du sagst, dann kannst du mehr mit ihnen tun, als wenn sie mit fester Meinung zu dir kommen, nur weil sie ein Papier brauchen. Aber du kannst es immer versuchen, wenn du siehst, es sind Leute, da hätte das Kind gute Möglichkeiten, es sind begabte Eltern, und das Kind könnte ein gutes Leben haben.

Ich habe im Sommer ein Kind abgetrieben, und habe jetzt ein ganz schlechtes Gefühl dazu. Was kann ich tun?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das geht fast allen Frauen so, die das tun. Da bleibt etwas, was wehtut. Was du machen kannst, ist zuerst entscheiden, dass du es nicht wieder tust. Und dann kannst du unser kleines Büchlein mit der Diamantgeistmeditation kaufen und mit dem 100-silbigen Mantra anfangen. Du kannst dir das im Zentrum oder bei einem Kurs erklären lassen. Dann fang an zu meditieren und reinige das raus.
Irgendwann kommen dann genau die Bilder aus deinem Speicherbewusstsein hoch, die damit verbunden sind, dann löst sich der Knoten und innerhalb kurzer Zeit hast du die ganze Last aus dem Geist raus. Das würde ich tun.

Wie erklärst du Karma oder ,,Ursache und Wirkung” ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Karma ist, wie du sagtest, nicht Schicksal, sondern Ursache und Wirkung: Wenn du Weizen säst, kriegst du Weizen, wenn du Roggen säst, dann kriegst du Roggen.
Jede Sache, die man tut, denkt oder sagt, hat einen gewissen Gefühlsgehalt und einen gewissen Erfahrungsgehalt. Während man lebt, füllt man so das Speicherbewusstsein im Geist mit Eindrücken auf. Wenn man dann stirbt und die Sinneseindrücke von außen wegfallen, dann kommen die unterbewussten Eindrücke hoch und führen zu verschiedenen Ergebnissen. Außer, und das ist ja der Grund, warum Buddha Karma erklärt, wenn wir die karmischen Samen ändern oder entfernen, bevor sie reifen.     

Es gibt folgende Ergebnisse:
Direkt nach dem Tod gibt es einen Zustand, in dem man Glück oder Leid erlebt, je nachdem, was im Geist ist. Die alten Filme, die man selbst reinprojiziert hat, kommen dann wieder hoch. Was man gegen andere getan hat, erlebt man so, als ob es mit einem selber geschieht.
Wenn sich dann das Bewußtsein wieder an einen festen Körper, also an ein befruchtetes Ei bindet und man wieder als Mensch dasteht, dann hat man drei weitere Ergebnisse:
Was für einen Körper man bekommt: Einen glück- oder einen leidbringenden.
In was für ein Land man geboren wird: In ein furchtbares, wie es viele gibt in der dritten Welt, Afrika, Teilen von Asien, usw. oder in ein angenehmes wie in Nordeuropa oder Nordamerika.
Und das letzte ist dann, welche Tendenzen man im Geist hat: Ob man natürlicherweise wünscht, anderen etwas Gutes zu tun, oder ob man Spaß daran hat, ihnen Leid zuzufügen.
 
Erlebt man die Auswirkungen vom eigenen schlechtem Karma, dann hat man längst vergessen, dass man die Kakteen selbst gepflanzt hat, in denen man jetzt sitzt. Man gibt den Anderen die Schuld, reagiert und pflanzt neue schlechte Eindrücke in den Geist. Wenn man stirbt, dann kommen diese Eindrücke wieder hoch.

So, in der Weise geht man von einem Leben zum nächsten Leben die ganze Zeit. Das ist Samsara, die bedingte Welt. Erst wenn wir entdecken, dass es gar nicht um die Bilder geht, sondern um den Spiegel,  nicht um die Erlebnisse, sondern um den Erleber, wenn das verstanden worden ist, dann ist man frei und kann fröhlich weiter gehen.

Wie funktioniert Karma genau ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man es sich genau anschaut, dann unterscheidet man drei Gruppen mit je vier Stufen: Die erste Gruppe ist, wie Karma aufgebaut wird. Die nächste Gruppe ist, wie es erlebt wird. Und die dritte Gruppe ist, wie man es entfernt.

So baut man Karma auf:
Man versteht die Situation.  
Man wünscht, etwas zu tun.
Man tut es oder lässt es tun.
Und hinterher ist man zufrieden damit.
Wenn diese vier Bedingungen zusammenkommen, dann, ob es was Positives oder was Negatives ist, werden die stärksten Samen gelegt und später die stärksten Resultate erlebt. Und das Resultat kommt meistens nicht in diesem Leben, weil wir in diesem Leben immer wieder neue Eindrücke im Geist ansammeln. Sondern wenn die Sinneseindrücke aufhören, nach dem Tod: Dann kommen die Eindrücke hoch.

Und was kommt dann hoch?
Erstens, das was geschieht, wenn wir sterben. Ob schöne oder unschöne Bilder auf die Leinwand kommen.  
Und wenn wir dann wieder Menschen werden, dann entscheidet unser Karma,  welchen Körper wir kriegen: einen gesunden und angenehmen oder einen kranken und unangenehmen. Welche Umgebung kriegen wir: ein schönes und friedliches Land oder ein armes Land mit viel Krieg. Und schließlich welche Tendenzen haben wir: Wünschen wir ganz natürlich, etwas Positives zu tun, oder fühlen wir Freude daran, andere zu unterdrücken oder zu schädigen.

Wenn man das stoppen will, weil man wieder selbst bestimmen will, was geschieht, dann gibt es vier Stufen, um schlechtes Karma loszuwerden:
Erstens muss man den Wunsch haben, den Geist zu reinigen.
Zweitens muss man Mittel verwenden, die das Speicherbewusstsein reinigen.
Drittens muss man sich entscheiden, die Dinge nicht wieder zu tun, die immer zu Leid führen. Das Leben ist zu kurz, um immer wieder dieselben Fehler zu machen
Und viertens muss man versuchen, das Gegenteil zu tun. Hat man z.B. oft Krankheiten, dann ist das, weil man viele Wesen umgebracht hat. Dann hilft es, wenn man Leben rettet: Man nimmt ab und zu einen kleinen Wurm, der auf die Straße gekommen ist und setzt ihn wieder ins Gras. Oder man macht ein Fenster auf, um eine Fliege rauszulassen, anstatt sie zu erschlagen.
Wenn man das alles tut, dann wird man restlos jeden Samen los, der zu Leid geführt hätte.

Muss man an Karma oder die Wiedergeburt glauben, wenn man Buddhist sein will?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Nein, wir haben da kein Dogma. Wenn man ein großes Fragezeichen am Anfang und am Ende des Lebens machen will, ist das völlig in Ordnung.
Du kannst natürlich Karma nicht letztendlich akzeptieren ohne den Gedanken an die Wiedergeburt. Es ist logisch nicht möglich. Warum wird einer in Afrika geboren und leidet die ganze Zeit und warum wird ein anderer in Deutschland oder Dänemark geboren, es geht ihm oder ihr nur gut. Das ist unerklärbar, wenn man nicht versteht, dass die Leute etwas getan haben in früheren Lebenszeiten, das zu diesem Glück oder Leid geführt hat. Aber es ist ok, wenn man denkt: Fragezeichen, ich kann nichts beweisen, ich kann mich nicht erinnern.

Der Grund, dass ich mit so viel Überzeugung davon rede, ist dass ich mich erinnere und dass ich an mehreren Stellen war, wo ich auch in früheren Lebenszeiten gekämpft habe,  und dass Karmapas Worte und eigene Träume und eigene Erfahrung bei Reisen in Tibet und Bhutan alle übereinstimmten. Deswegen bin ich davon überzeugt, aber wer nicht so überzeugt ist, kann ebensogut ein Buddhist sein,
Man fängt an, mit dem was man kann, und dann lässt man das Vertrauen allmählich wachsen und sich steigern. Ich würde mit einem offenem Vertrauen anfangen. Dass man sagst: "Ok, alles was ich bisher checken konnte beim Buddhismus war in Ordnung." Und dann versucht man, nicht zu allem sofort Stellung zu nehmen. Man sagt nicht sofort "Richtig!" oder "Verkehrt!", denn das kann man meistens nicht. Sondern man erlaubt sich eine Grauzone. Eine Grauzone für Information, die nicht sofort gecheckt wird, die nicht abgestempelt wird, sondern nur aufgehoben wird.
Und irgendwann kommen dann vielleicht neue Informationen dazu, die die alten bestätigen. Und plötzlich hat man dann eine Erfahrung, die genau dazu passt.  Und wenn man dann sein Wissen als Werkzeug einsetzt und sieht, dass es wirkt, dann weiß man, jetzt ist es rund, das passt.
Aber schnell geht es nicht. Ok, ich hatte das Glück, ich habe vom ersten Augenblick an volles Vertrauen gehabt, aber das war auch, weil ich dem Karmapa begegnet bin. Und der strahlt wie tausend Sonnen, er ist wie 10.000 Volt. Jeder, der ihn sah, war berührt.
Wenn man natürlich mit kleineren Lichtern zu tun hat, so wie mit mir….
dann muss man den stufenweisen Weg nehmen und viel checken und nacheinander aufbauen. Aber allmählich sieht man dann schon, dass es dicht ist und dass es funktioniert.
Man soll keinen Druck machen und man soll sich nicht zwingen. Man braucht im Buddhismus nichts zu glauben – wir haben keine schwangeren Jungfrauen.  Es gibt letztendlich nichts, was man glauben muss.
Auch deine kritischen Prozesse kommen aus deiner Buddhanatur. Auch deine Zweifel sind ein Schritt auf deinem Weg. Nur versuche so schlau zu sein, dass du nicht immer dasselbe anzweifelst, das ist wichtig. Wenn du einen Zweifel nach dem anderen auflöst, dann kommst du zur Erleuchtung.
Man soll nicht zu dogmatisch werden. Das Ziel von Allem, was Buddha lehrte – und das dürfen wir niemals vergessen -, ist der spontane, mühelose Geist. Nicht der zwanghafte Geist, nicht der eingeengte Geist, nicht der gezwungene gläubige Geist, nicht der gezwungene moralische Geist, nicht der beurteilende Geist, nichts davon.
Der spontane, mühelose Geist, der in dem ruht, was ist, ohne Trennungen zu machen zwischen Subjekt, Objekt und Tat.
Der Buddha verlangt keinen Glauben von uns, und er ist auch kein schöpfender, strafender oder richtender Gott, er will keine Schafherde haben. Er wünscht sich Kollegen.

Ist Karma Schicksal?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Nein. Es gibt manchmal Karma, dagegen kann man nichts tun. Aber es gibt auch diese Fälle, wo man daran arbeiten und etwas ändern kann.
Alles, was bis jetzt nicht geschehen ist, kann geändert werden. Ein Beispiel: Wenn dein Karma ist, nur sechzig Jahre alt zu werden und du änderst mit vierzig deine Kost, isst meinetwegen weniger Fleisch und mehr Vitamine, dann kannst du, weil das Lebenskarma von sechzig Jahren noch nicht abgeschlossen ist, weiterleben, bis du z.B. siebzig Jahre wirst.
Karma ist nicht Schicksal. Karma sind Tendenzen, und wenn man diese Tendenzen ändert, dann wird es zur Basis für etwas Anderes. Man kann die Sachen ständig ändern. Man ist nicht fest an etwas gebunden und kann nur so handeln. Es gibt Ursache und Wirkung, und man kann damit arbeiten.

Gibt’s im Buddhismus auch eine Art Teufel, also etwas absolut Böses ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wir haben im Buddhismus kein Prinzip des letztendlich Bösen wie diesen Herrn, der nach Schwefel riecht und Hufe hat und mit Hörnern herumläuft. Wir sind uns sicher, dass etwas völlig Negatives sich selbst zerstören müsste, da die Energie, die man rausschickt irgendwann immer auf einen selbst zurückfällt.

Die Zweiheit, die Dualität im Buddhismus liegt nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Klug und Dumm. Alle Wesen wollen Glück haben und Leid vermeiden, aber der Dumme greift in die Nesseln oder die fleischfressenden Pflanzen, und der Kluge greift in die schönen Blumen und nimmt die mit.
Weil diese Sichtweise das ganze Drama rausnimmt und weil Buddha kein strafender, richtender, urteilender oder schöpfender Gott ist, ist der Buddhismus sehr entspannt auf der Ebene der Ethik.
Buddha sagt uns, was sich lohnt und was sich nicht lohnt und wir bestimmen dann selbst, ob wir dem folgen wollen oder nicht. Und wenn wir es nicht wollen, dann denkt er nicht, dass es ist, weil wir böse sind, sondern weil wir verwirrt sind oder in unseren Gewohnheiten gefangen. Wenn wir dann ein paarmal den Kopf gegen die Wand geknallt haben und entdeckt haben, dass sich sowas nicht lohnt, dann denken wir „Hör mal, was hat Buddha nochmal gesagt?“ und wir kommen zurück und er lehrt er uns wieder mit genau derselben guten Laune.
Das ganze Enge, der Druck, die Sünden, das gibt’s bei uns gar nicht. Es geht bei uns nicht um Götter und Teufel, für uns ist das alles Disneyland. Wir sind interessiert an dem Raum, in dem sie entstehen, in dem sie spielen, erkannt werden und wo sie sich auch wieder auflösen.
Wir raten, Dinge zu tun, denken und sagen, die den Wesen nutzen und wir raten, mit dem aufzuhören, was den Wesen Leid bringt.

Wenn es im Buddhismus keinen Teufel gibt, was ist dann die Ursache des Leidens?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Die Ursache zu allem Leid ist das Gefühl von Trennung zwischen uns und den anderen.
Wenn der Geist nicht bewusst ist, dann arbeitet er wie ein Auge: Er sieht alles draussen, aber sich selbst sieht er nicht.
Dann halten wir die Raumnatur des Geistes für das ,,Ich”, und die Klarheitsnatur des Geistes – also alles was im Raum geschieht – für ein ,,Du”. Aus dieser Trennung heraus entsteht Anhaftung und  Abneigung und alle anderen Störgefühe.

Und wenn diese Gefühle da sind, dann sind wir leider nicht so klug, dass wir sie sehen können wie ein magisches Theater oder wie einen schlechten Film, sondern wir denken, die Sachen sind wirklich. Dann tun, denken und sagen wir etwas Negatives, dadurch  legen wir negative Samen in unseren Geist und erleben irgendwann schlechte Ergebnisse. Wenn die kommen, vergessen wir, dass wir selbst die Ursachen dazu gelegt haben. Wir denken, die anderen sind schuld und handeln wieder entsprechend.
 
Diese vier Schleier bedecken uns immer: Der Schleier der Unwissenheit, der Schleier der Störgefühle, der Schleier der klotzigen Worte und Taten und der Schleier der schlechten Erfahrungen und Gewohnheiten.

In diesem Kreislauf drehen wir uns ständig. Das heißt Samsara oder ,,die bedingte Welt“.
Es ist wichtig, dass man das wirklich versteht und hier irgendwo durchschneidet. Dann durchtrennt man die Kette,  die einen bindet.

Und da trennen einige auf der Ebene der Weisheit. Sie sagen: Es gibt ja gar keinen richtigen Unterschied zwischen uns! Wir wollen beide Glück haben und Leid vermeiden. Hört das Gefühl von Trennung zwischen uns auf, ist sofort auch das Störgefühl weg.
Dann trennen einige auf der Ebene der Einstellung. Sie versuchen, Mitgefühl zu entwickeln und die Störgefühle zu bekämpfen.
Andere wiederum trennen auf der Ebene der Tat. Sie vermeiden, zu töten und zu stehlen usw.  
Es gibt ganz unterschiedliche Wege, diese Kette zu durchbrechen.