Tag Archive for “Freude”

“Kann man immer danach gehen, dass der freudvollere Weg der richtige ist?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Grundsätzlich sind höhere Funktionsebene, höhere Freudenebene und höhere Wahrheitsebene dasselbe. Größere Freude erfahren, höhere Wahrheit entfalten und körperlich und geistig besser funktionieren ist dasselbe.
Als Beispiel: Wenn du mit ordentlichem Werkzeug in einer interessanten Umgebung arbeitest, dann bist du näher an der Vervollkommnung deiner Natur, als wenn du irgendwas tust, was nicht funktioniert mit, Werkzeugen, die nichts taugen usw…

Das Einzige ist: Man muss darauf achten, dass man nicht an die Freude anhaftet und dass man die guten Gefühle weitergibt. Und man muss verstehen, dass bedingte Freuden vergänglich sind.

Man sollte immer versuchen, Freude ohne äußere Ursache zu erleben: Sich die Freude so schnell wie möglich verselbständigen lassen, sich bewusst machen, dass es ein Aspekt des eigenen Geistes ist, der da freigesetzt wird. Dass es ein Moment ohne Vorstellung, ohne Gedanken, ohne Ideen, ohne etwas Blockierendes ist. Einen Moment lang war man nackt und offen und die Freude kam durch. Und dann versucht man, diesen Zustand auch ohne äußere Einflüsse zu erreichen. Das bedeutet dann meditieren. Dann lernst du, dass dein Geist absolut in sich selber und aus sich selber heraus alles finden kann.

“Kann zuviel Freude egoistisch machen?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das kommt darauf an, ob man die Freude teilen kann. Am Anfang ist man vermutlich ein bisschen egoistisch, aber allmählich fängt man zu teilen an. Wenn man völlig von Freude erfüllt ist, dann kann man sie nicht für sich behalten. Ich selber explodiere förmlich vor Freude. So ist es halt nach 25 Jahren Meditation. Und ich denke nicht, dass ich das für mich behalte. Bei meinem ersten Erlebnis mit dem klaren Licht  ist alles explodiert und ich hatte Tränen in den Augen vor Freude.

Hannah kam am nächsten Tag vorbei und als ich ihr von dieser Erfahrung erzählte, meinte sie, ich würde nur noch egoistischer werden. Es ist möglich, dass man die erste Freude nicht so gut mitteilt, aber wenn man es bis ins Mark der Knochen hat, kann man es nicht für sich behalten, es ist einfach nicht möglich. Eine Erleuchtung, bei der man unfroh aussieht, gibt es für mich nicht.