Tag Archive for “Stolz”

Wie kann man es vermeiden, Stolz zu entwickeln?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Stolz ist für die Entwicklung im Diamantweg sehr wichtig. Es darf aber nicht der ausgrenzende, andere herabsetzende Stolz sein, sondern der einbeziehende: Die Fähigkeit, in allem und jedem das Schöne, Spannende und Phantastische erleben zu können, das ist der positive, nützliche Stolz, genannt:  Vajra-Stolz oder Diamant-Stolz.

Der ausschließende negative Stolz aber, in dem man andere beurteilt, denkt: „ich bin gut, die anderen sind nicht gut“, engt die Situation ein und es kommt zu Schwierigkeiten. Und Schwierigkeiten sind meistens die eigenen Probleme, Probleme die immer wieder auftauchen, weil es die Projektionen des eigenen Geistes sind.
Die Welt ist ein Spiegel für das eigene Gesicht: Kannst du viel Gutes bei den Mitmenschen sehen, ist das ein Zeichen dafür, dass der negative Stolz im Geist weitgehend entfernt ist. Siehst du dagegen eher die Fehler, dann weißt Du, dass du noch einige Arbeit zu erledigen hast. Versuche, alle als Buddhas zu sehen, versuche einfach etwas Gutes zu entdecken, dann gibt es auch gute Rückkoppelungserlebnisse an den eigenen Geist.
Die Entwicklung beginnt, wenn man Menschen begegnet und ihnen etwas geben kann, einen Vorschuss von guten Schwingungen in dem Sinne, dass man Glück, Schönheit und Sinn in die Begegnung gibt. So kommt man auf eine Ebene, auf der eine neue Art von Verbindung beginnt, ein gegenseitiges Lernen. Die Menschen beginnen voneinander zu lernen, sie wachsen, neue Möglichkeiten entwickeln sich, die Schwierigkeiten fallen weg und am Ende ist ein reines Mandala da, auch auf bedingter Ebene.
Es ist so einfach: Wer gibt, ist immer reich, erlebt den Himmel, aber wer alles festhalten muss und nie genug bekommen kann, erlebt die Hölle.

Was kann man gegen das Störgefühl ,,Stolz” tun?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Hier gibt es eigentlich nur einen Weg: Man macht den ausgrenzenden Stolz zu einem umfassenden Stolz, d.h. anstatt zu denken: „Wie toll ich bin“ denkt man „Wie toll sind wir doch alle“.

Das Leben wird völlig kompliziert, wenn man denkt, man ist besser als die anderen. Man fühlt sich immer in schlechter Gesellschaft, verhält sich entsprechend und es wird sehr schwierig. Denkt man aber umgekehrt, dass die Leute, wir alle, toll sind, dann ist man in guter Gesellschaft, kann von allen lernen, mit Vollgas das Beste tun genau da, wo man mit dem Geist, den Gedanken und Handlungen gerade ist.
Und deswegen rate ich sehr, das eigene Umfeld so positiv wie möglich zu gestalten, nicht die Fehler und das Negative in den Vordergrund stellen, sondern nur das Schöne und Interessante wahrnehmen lernen. Mit der Zeit kommen die Erfahrungen, und es wird leicht, positiv interessiert zu denken.
Das Gegenteil dieser geistigen Einstellung, nämlich die perfektionierte Hackordnung-Kultur kann man z. B. in einem chinesischen Kloster erleben. Da gibt es sieben Klassen von Tee: Der in der obersten Schublade ist von garantiert blaugestempelten Jungfern bei Vollmond gepflückt und der in der untersten ist Gras. Und man kommt dann rein, der Mönch schaut einen an und er nimmt die zweite Schublade von unten. Also, ich denke, wenn man sich so ein System aufbaut, dann hat man ein sehr kompliziertes Leben.

Was ist spiritueller Stolz?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Spiritueller Stolz entsteht, wenn man sich den Sachen nicht stellt, sondern immer was Neues anfängt, sobald es in die Tiefe geht und man an sich arbeiten müsste. So entwickelt man sich nicht, glaubt aber, alles besser zu wissen, da man alles schon mal ausprobiert hat.

Ich gebe ein Beispiel, das war in Kopenhagen: Es war das einzige Mal, dass ich in einer Theosophischen Gesellschaft war. Auf dem Weg in die feinen Räume habe ich die Tapete nicht sehen könne, es war alles voller Bücher und fast alle waren geheime Bücher. Ich dachte, wer so viel Geheimes durcheinander liest, der wird bestimmt verwirrt. Und – wer druckt das überhaupt, wenn es so geheim ist?
Ich habe erklärt, was Buddhismus ist, dass wir keine Unterdrückung und Heiligen Kriege wollen, dass wir keinen schöpfenden, strafenden, richtenden Gott haben, sondern dass Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, arbeitet. Dass Buddhismus keine Glaubensreligion ist, dass wir keine Götter haben. Nach dem Vortrag sagte eine Teilnehmerin dann mit Freude und Hingabe: „Ah, da sieht man es wieder, es ist alles von Gott und es ist alles dasselbe“.
Als sie alt wurden und die Zeit zum Sterben kam, kamen ganz viele Theosophen zu mir. Sie waren voll verwirrt. Sie hatten keine Klarheit, alles war durcheinandergemischt und ein bisschen „Zucker“ drauf, damit es sich gut anfühlt. – Ich war sehr froh, dass ich einigen von ihnen helfen konnte.
Ähnlich ist es bei den Hindu-Gruppen, z.B. bei Baghawan, der sich aus allen Winden etwas zusammengesammelt hatte. Auch heute, in der New Age Bewegung z.B. lassen sich die Menschen von Kristallen und solchen Sachen faszinieren, das ist total rührend, aber auch das zeigt nicht auf den eigenen Geist.
Nichts von all dem zeigt auf den eigenen Geist. Verschiedene Fakten werden so gemischt, dass es sich gut anfühlt, aber da ist keine Klarheit, und so hat man am Ende des Lebens nichts in den Händen. Wenn die Menschen krank werden und alt und sterben müssen und nach dauerhaften Werten suchen, haben sie nichts.
Es gibt nur drei Gefühle, die wirklich sind: Furchtlosigkeit, Freude, Liebe, denn sie haben eine Ursache, die sich nicht ändert, nämlich dass der Geist Raum ist. Und der Raum ist leuchtend klar und grenzenlos. Wenn ihr diese Gefühle erfahrt, wenn das in euch wächst, dann nähert ihr euch der Leuchtkraft eures Geistes.Alle anderen Gefühle sind bedingt, zusammengesetzt, vergänglich.