Tag Archive for “Toeten von Tieren”

,,Wenn ich ein schwer verletztes Tier irgendwo finde, sollte ich es dann nicht besser töten, damit es nicht länger leidet?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Der Rat Buddhas ist: Du machst die besten Wünsche für es, aber du bringst es nicht um. So sind die Belehrungen, obwohl das nicht ganz so unserem Empfinden entspricht. Aber all die Schwierigkeiten, die man in diesem Leben nicht bekommt, bekommt man dann im nächsten. Es lohnt sich, das alte Karma loszuwerden.

Aber wenn du ihm Schmerzmittel geben kannst, ihm Sicherheit geben, wenn du irgendwie was tun kannst, um zu helfen, dann tue das.

Ich bin selbst einmal in einen Schweinestall gesprungen in den Ost-Himalayas, weil ein betrunkener Mann mit einem Speer da herumgekrochen ist und versucht hat, ein Schwein zu erstechen. Und eben als ich ankam, hat er die Herzschlagader erwischt. Da war das Tier schon so außer sich, dass ich nicht mehr helfen konnte. Ich konnte es nicht beruhigen und keinen Kontakt machen.

Aber etwas später, ich denke nur eine Woche danach, da habe ich gesehen, wie ein großer gelber Hund überfahren wurde, der unter einem Jeep gelegen hatte. Als ich dahinkam, da habe ich ihm wirklich helfen können. Das Beste, was man tun kann, ist zu versuchen, das Tier zu beruhigen und Mantras zu sagen. Ich würde nicht das Auto starten und dann noch zweimal drüberrollen. Ich würde mich da nicht einmischen.

Gib die Ruhe und den Segen, wenn du kannst, aber tue nichts anderes.

,,Was ist, wenn das eigene Haustier schwer krank ist ? Soll man es dann einschläfern lassen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Für die Haustiere ist der Tierarzt zuständig. Ich würde ihm die Verantwortung überlassen, denn das ist seine Arbeit.

Wenn Tierärzte mich fragen, was sie machen sollen, wenn sie gebeten werden, ein Tier einzuschläfern, dann sag ich ihnen: ,,Besser du tust es mit Mitgefühl, als irgendeiner tut es mit Zorn oder ungeschickt. Sag auch ein paar Mantras”. Es ist eine Lage, in der man nicht alles richtig machen kann, genau wie mit dem Fleischessen.

 

,,Sollte man als Buddhist nicht ganz aufs Fleischessen verzichten ? ”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Da sage ich immer „Ich esse nur Vegetarier“. Das ist richtig böse! Tut mir leid, aber was soll man sagen?

Wir hatten einen tollen alten Lama, der war einmal in New York bei einem Kongress und aß ein Beefsteak. Alle anderen waren Vegetarier, saßen um ihn herum und tranken nur Tee. Die Leute guckten ihn an und guckten ihn an und plötzlich hat er gesagt, „Oh, all diese Leute, die haben großes Mitgefühl, die essen kein Fleisch!“. Aha, haben die Leute bemerkt, der Barbar hat etwas verstanden. Dann hat er gesagt: „Aber sie trinken Tee!“. Da haben sie geguckt, wieso, was ist mit dem Tee? Und er sagte: ,,Um den Tee zu machen, wurde die Erde gepflügt und all die Tierchen auf der Erde kamen in die Erde und starben, und all die Tierchen in der Erde kamen auf die Erde und starben. Zum Schluss wurde noch alles besprüht und am Ende könnten sie ebenso wohl eine Tasse Blut trinken!“. Und dann saßen die Vegetarier da.

Und tatsächlich ist es wohl nicht möglich, irgendwo zu leben, ohne ganz vielen Tieren das Leben zu nehmen. Jedesmal, wenn man irgendwo hinfährt kann man ein halbes Kilo Insekten von der Frontscheibe kratzen, geht man zu Fuß, tritt man auf sie. Also, was soll man tun?

Der Buddha sagt dazu „Iß, was Du Dir leisten kannst, mache kein Problem daraus, aber erlaube nicht, daß etwas um Deinetwillen getötet wird!“ Und was damit gemeint ist, ist dass wenn das Fleisch da liegt, dann kannst Du es essen, wenn sie aber erst rausgehen wollen, es zu schlachten, dann solltest du sagen, „Verbot vom Arzt, kein Fleisch diese Woche!“ oder etwas Ähnliches. Also nicht die Leute runtermachen, wenn sie das sowieso immer tun. Aber einfach nicht selbst daran teilnehmen. Denn dann wärst du die Ursache.

Und was der Buddha auch dazu sagt, ist, dass die Hauptursache für das Schlachten die schlechte karmische Verbindung zwischen Kalb und Schlachter ist. Die sind sich in unzähligen Leben früher begegnet, jeder war abwechselnd das Kalb und der Schlachter, sie haben sich niemals vergeben und wenn sie sich nicht hier töten würden und ein Kotelett dabei entstünde, dann würden sie sich irgendwo anders töten. Du solltest dich da nicht einmischen.

Ich selbst war dreieinhalb Jahre Vegetarier und war sehr glücklich damit. Ich denke, mein Schlaf war ein bißchen klarer und ich habe weniger Schlaf gebraucht. Aber es war mein eigener Lehrer, der Karmapa, der gesagt hat: „Du mußt wieder Fleisch essen!“ Und der Grund war offenbar, dass ich mit allen Leuten reden können sollte und wenn ich irgendwo ankomme, die Leute nicht nochmal extra für mich kochen müssten.

 Es ist alles eine Frage der Einstellung: Wenn ihr Phowa habt und Fleisch esst, dann könnt ihr den Tieren – wenn sie nicht länger als sieben Wochen tot sind, z.B. bei Tiefkühlfleisch – sicher zu einer besseren Wiedergeburt verhelfen, durch die Kraftkreise, die ihr jetzt habt. Wenn ihr ,Om Ami Dewa Shri’ sagt, dann kann das dem Tier sehr helfen.

Aber wenn man aus Mitgefühl kein Fleisch isst, dann ist das auch sehr gut.

,,Wir haben einen Bauernhof und halten da auch Tiere. Ich liebe die Tiere und gehe sehr gut mit ihnen um. Aber ich muss dann irgendwann die Entscheidung treffen: ,Du wirst jetzt geschlachtet und von mir oder anderen Leuten gegessen.’ Manchmal schlachten wir auch selber. Wie wirkt sich das auf mein Karma aus?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Das ist schon eine schwierige Lage. Wenn Buddha vom Nicht-Töten spricht, dann bedeutet es hauptsächlich, keinen Menschen zu töten. Tatsächlich hatte zu Buddhas Zeit fast jeder einen Hof und die Leute haben natürlich auch geschlachtet.

Es kommen auch Leute zu mir, die haben diese Kakerlaken. Die sind zwar nicht gefährlich, aber schon ein bißchen unangenehm. Und da sage ich auch, das ist eine Ebene, wo man nicht alles richtig machen kann. Aber man kann versuchen, irgendwie das Beste zu machen und was ich immer sage, ist: Laß das professionell erledigen! Tu es nicht selber! Ich sage immer, irgendeiner macht das als Beruf und er hat schon so viele Wesen umgebracht, dass ein paar mehr kaum noch zählen. Sein Karma ändert sich kaum noch dadurch, aber wenn irgendein empfindsamer Buddhist sowas machen soll, steht da mit Blut bis zum Ärmel und die armen Tiere zittern, er sieht sie umkippen und sterben, dann wirkt das viel, viel stärker.

So, ich würde immer sagen, professionell erledigen lassen und dann hinterher Mantras machen, und sich nicht in etwas reinmischen, wo man nicht hingehört!

Ich würde das einem überlassen in der Nähe, der das Wissen hat, welche Kälber oder welche Tiere wann unters Messer kommen sollen und dann hältst Du Dich da heraus. Mache damit so wenig wie möglich, übertrag das an Leute, die das sowieso tun.

Das wäre wirklich mein Rat und das ist weder feige noch falsch, das ist einfach gefühlsökonomisch richtig.

,,Was ist mit Leuten, die zum Spaß angeln oder auf die Jagd gehen und dabei bewusst Tiere töten, wie wirkt sich das karmisch aus? ”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Man kann aus drei Ursachen töten: Aus Dummheit, Begierde oder aus Zorn.

Dummheit, das ist z. B. wie bei den Hindus, die glauben, dass wenn sie eine Menge Tiere töten, dann werden ihre Götter fröhlich und stark und geben ihnen eine Menge Gutes zurück. So ist es bei dem Durgar-Kult im Himalaja, da wird ein paar Mal im Jahr den ganzen Tag und die Nacht hindurch geschlachtet.

Man kann auch aus Begierde töten. Man sieht ein Tier und würde es gerne essen oder die Hörner verkaufen und tötet es deswegen.

Und dann sagte ich, kann man aus Zorn töten. Man denkt, das ist mein Feind, ich hasse es. Oder es hat mich getreten und jetzt bring ich es um.

Aus Zorn töten ist am schlimmsten, aus Begierde am zweitschlimmsten und Dummheit kommt an dritter Stelle.

 

,,Wenn man aus Versehen ein Tier tottritt, ist das dann auch schon Töten?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Es ist eine Frage der Eindrücke, die sich in uns festsetzen. Diese Eindrücke können stärker oder schwächer sein und setzen dann auch stärkere oder schwächere Wirkungen in Gang. Wenn da ein Wesen ist, das dir ähnlich ist, ein großes Tier, und es blutet und zittert und du stichst ein Messer rein, dann erlebst du ein sehr starkes Gefühl dabei und wirst dann auch eine starke karmische Auswirkung haben.

Aber trittst du auf ein kleines Insekt, ohne es zu sehen, du weißt kaum, was es ist und bist schon weiter, dann ist der Eindruck ganz schwach.

In beiden Fällen wird durch unseren Körper etwas getötet, aber die Eindrücke, die gespeichert werden in uns, und die dann später als Erfahrung hochkommen, sind ganz verschieden.

Je größer das Tier, je menschenähnlicher, je länger der Tod, je mehr Blut dabei, je mehr Persönliches dabei war, umso stärker wird das Karma. Und seine eigene Art umzubringen ist natürlich am allerstärksten, weil da die Identifikation am stärksten ist.

,,Wenn man Auto fährt, dann sterben immer viele Insekten auf der Windschutzscheibe. Was kann man da machen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Ich würde von vornherein mein Auto zu einem Reinen Land machen. Du kannst vorne ein kleines Bild von Öpame (Buddha des Grenzenlosen Lichts) hineinstellen. Und dann machst du Wünsche, dass alle Tiere, die von deinem Auto berührt werden, ins Reine Land kommen.

,,Es gibt ja Kampagnen gegen die Malaria und andere Tropenkrankheiten, bei denen in großen Gebieten alle Mücken getötet werden. Was hältst du davon?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Ich würde sagen, dass es gut ist. Die ganzen Tropen der Welt sind ja vom Malaria betroffen. Und jetzt, wo das Klima wärmer wird, da breiten sich die Mücken immer mehr aus, auch in die kälteren Regionen. Das ist sehr gefährlich und ich denke, dass es gut wäre, wenn man diese Krankheit entfernen könnte.

Man kann natürlich sagen, dass wahrscheinlich mehr Mücken dabei getötet werden als Menschenleben gerettet werden. Aber die Erfahrung, die ein Mensch in seinem Leben machen kann, ist um etliches größer als was eine Mücke erleben kann. Ein menschliches Leben ist bestimmt einem Tierleben vorzuziehen, da gibt es keinen Zweifel.

Auf letztendlicher Ebene kann man sagen: Alles was lebt hat die Buddhanatur. Aber auf der relativen Ebene muss man schon sagen, dass der Mensch die bessere Möglichkeit hat, seinen Geist wahrzunehmen.

Wenn es also um Menschenleben geht, dann muss man die Mücke opfern, das ist klar.

,,Ich bin Gärtnerin und mir kommen ständig Regenwürmer oder andere kleine Tiere unter die Hacke. Ich kann das nicht ändern, ich muss ja im Garten arbeiten. Was kann ich da tun? Soll ich Mantras sagen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Es ist besser, du tust es mit Mitgefühl, als irgendein anderer tut es mit Zorn. Du kannst die Mantras „Om Mani Peme Hung“ oder „Om Ami Deva Shri” verwenden, das sind die Mantras von Liebevolle Augen und Buddha des Grenzenlosen Lichts. Auch sehr gut gerade für die Gartenarbeit ist das Mantra des 1000-armigen Liebevollen Augen.
Du sagst das Mantra und pustest dann auf deine Schuhe und auf die schneidenden Seiten von deinem Werkzeug.

Du stellst dir dann vor, dass die Schneide der Hacke oder die Sohle der Schuhen zu Reinen Ländern werden und dass alles, was damit in Verbindung kommt, befreit wird. Mit dieser Einstellung hackst Du dann. Und Du versuchst dann, nicht genau hinzusehen, wenn plötzlich ein Wurm zu zweien wird.

,,Ich hatte eine Zimmerpflanze, die hat Blattläuse bekommen. Ich habe sie dann nach draussen gestellt. Aber wenn mein Hund jetzt Läuse oder Flöhe bekommt, was soll ich dann machen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Bei Haustieren kann man schon etwas sprühen gegen Ungeziefer. Denn Hund oder Katze sind höhere Organismen als Insekten. Dein vierbeiniger Freund ist bestimmt wichtiger als das Kleine, was auf ihm rumklettert.

Aber bei einer Pflanze hätte ich genau dasselbe getan wie du, ich hätte sie auch rausgeschmissen. Ich würde für eine Zierpflanze keine Tiere umbringen. Die Bauern müssen natürlich die ganze Zeit Tiere töten um ihre Pflanzen zu schützen , denn die verkaufen die Pflanzen, das ist ein Teil ihrer Arbeit. Aber in deinem Fall hätte ich es ganz genauso gemacht.

,,Ich kann das nicht ganz akzeptieren, dass man es auf andere abwälzen soll, wenn man Mäuse oder andere Schädlinge loswerden will. Kann man das nicht anders machen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:

Du hast mehrere Möglichkeiten. Die beste Möglichkeit ist, du findest irgendwas, was die Tiere vertreibt. Ich bin davon ausgegangen, dass alle, die fragen, das schon versucht haben. Es gibt Möglichkeiten, diese Tiere zu vertreiben, z.B. durch bestimmte Gerüche oder Geräusche, oder indem man sie an nichts heranlässt, was sie fressen können. Das ist natürlich das Allerbeste.

Das zweitbeste wäre wohl bei Mäusen eine Katze, aber die Katze muss nichts fangen, du kannst ihr ein Glöckchen um den Hals binden und das ist genug. Sie fängt nichts, aber sie hält die Mäuse weg. Die Katze kriegt kein schlechtes Karma, denn die Mäuse laufen sowieso weg.

Es gibt dann auch Produkte, welche die Mäuse steril machen, ohne sie umzubringen.Sie leben normal, sie kriegen nur keinen Nachwuchs. Auch ne gute Sache.
Du kannst Mäuse auch in Fallen fangen, die sie nicht töten, und sie dann in den Wald bringen.
Du kannst alles tun, was nicht direkt umbringen ist. Aber geht’s dahin, dann ist es besser, dass einer es tut, dessen Beruf es ist.

Denn das ist einfach Gefühlsökonomie: Wenn jemand schon viele Wesen umgebracht hat und die Gewohnheit schon ganz stark im Geist hat, dann kommt weniger neues Leid für ihn dazu, wenn er es noch einmal tut.
Lieber soll jemand das machen, der sich diese Arbeit gewählt hat, als einer, der in die Arbeit gezwungen wird.