“Ist man noch in der Lage, praktische Entscheidungen zu treffen, wenn man durch die Meditationspraxis auf eine Ebene kommt, wo man nicht mehr so stark wertet und nicht mehr in Begriffen wie ,,Gut“ und ,,Böse“ denkt?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich rede nicht davon, dass man die Leiden und Schwierigkeiten der Welt nicht mehr sehen soll.. Es geht darum, davon nicht selbst gefangen zu sein. Wenn der Bart nicht mehr im Briefkasten steckt, wenn man von seinen Störgefühlen nicht mehr gebunden ist und man die Möglichkeiten der Wesen sieht, dann kann man aus Überschuss und Kraft heraus handeln.

Es geht darum, dass du selbst eine Ebene erreichst, wo du nicht verwundbar bist. So wirst du fähig, für andere zu arbeiten. Bist du selbst nicht mehr von eigenen Schwierigkeiten gefangen, kannst du die Schwierigkeiten der anderen sehen und das tun, was ihnen auf lange Sicht hilft. Nicht so wie Politiker, die nur zwei Jahre bis zur nächsten Wahl vorausdenken. Man ist eher wie ein Staatsmann, der schaut, wie es in 100 Jahren in Deutschland, Dänemark oder Europa aussieht. Man hat Weitblick. Man wird sich um das wirklich Wichtige, um das Langfristige kümmern. Ob die Leute jetzt gerade fünf Cent mehr in die Lohntüte kriegen, ist nicht ganz so bedeutend. Das Wichtige sind Dinge wie Freiheit, Entwicklung, die Stellung der Frau und dass die Leute hell im Kopf bleiben.

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