“Wenn man jemand so hasst, dass man ihn umbringen könnte, was soll man da tun?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Was hat Buddha dazu gesagt: Wenn man jemand umbringen will, dann soll man sich überlegen, dass man eigentlich nur eine Leiche umbringen würde. Innerhalb von ganz kurzer Zeit wäre derjenige sowieso gestorben und vielleicht ist er jetzt schon schwer krank. Das lohnt sich also nicht und macht gar keinen Sinn.
Und was würde ich dazu sagen? Ich würde sagen, das Beste, was man machen kann, ist, man vergibt den Leuten. Wenn man den Leuten vergibt, dann muss man sie im nächsten Leben nicht wiedersehen, dann ist das Band weg. Wenn man die Leute hasst, dann tanzen sie ebenso ekelhaft im nächsten Leben wieder an und dann muss man wieder mit ihnen arbeiten.

So, ich denke immer, schnell vergeben, alles Gute wünschen und froh sein, dass man weg kann, das ist mein Ratschlag. Außer die Leute kommen zu einem, dann hat man Verantwortung für sie.
Auch bei Beziehungen rate ich immer, sich im Guten zu trennen. Denn wenn man als Feinde auseinandergeht, dann sind die ganzen Erfahrungen, die man zusammen gemacht hat, wie eingefroren und  man hat keinen Zugang zu ihnen. Dann muss man bei jeder neuen Beziehung genau dieselben Dramen, Tragödien und Trauerspiele wieder durchspielen. Trennt man sich aber als Freunde und wünscht sich gegenseitig alles Gute, dann hat man die Hände frei und kann tun, was man will.

Wenn ich mit Leuten rede, die falsche Ansichten haben, dann kommt bei mir ganz schnell eine gewisse Arroganz auf. Und wenn sie das merken, dann nehmen sie natürlich erst recht nichts mehr an. Soll ich besser gar nichts mehr sagen?

Das hört irgendwann einfach auf. Versuche erst, zu verstehen, dass sie alle Buddhas sind und dass es eigentlich phantastisch ist, dass sie überhaupt denken können und dass Du mit ihnen etwas teilen kannst. Dann versuche, von dieser Ebene her die Sachen aufzubauen.
Man soll versuchen, sich immer auf etwas Schönes an seinem Gegenüber einzustellen. Ist sein Gesicht ein bisschen komisch, dann sind vielleicht seine Hände schön oder der Schlips ist gut, oder seine Automarke oder seine Freundin, irgendwas! Irgendwas interessiert Dich und die Ebene, von der aus Du fühlst, dass es mit ihm leicht ist, die nimmst Du als Begegnungsebene. Dann dehnst Du von diesem Punkt des Reichtums die Verbindung immer mehr aus, bis es ein richtiges Teilen ist.

Und dabei muss man auch verstehen, dass der Grund, dass uns etwas stört bei anderen und dass wir arrogant und stolz werden können, ist, dass wir selbst mit den Sachen ein Problem haben. Das muss man auch wissen, das vergisst man oft. Die Welt ist ja nur ein Spiegel für uns.
Die Probleme mit seiner Umwelt hat man nur, weil man selbst noch ein paar Stacheln in sich hat.
Aber das heißt nicht, dass man solange mit niemand reden soll, bis man erleuchtet ist. Man lernt nur beim Tun!
Wenn du z.B. mit jemand ein Problem zu klären hast, dann fängst du an auf einer Ebene, wo Du Dich gut mit ihm verstehst. Dann sagst du ganz sachlich: ,,Du hör mal, ich habe Dich gestern das und das sagen hören. Hast du das wirklich so gemeint? Ich denke darüber so und so…”.

Erst von einer Ebene des Überschusses anfangen, dann kommt es auch an! Wenn Du die Leute wirklich magst, werden sie Dir alles abnehmen! Das spüren sie. Du bist ja ein junger Bodhisattva, also ist das eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die steife Form weg ist und dann kannst Du voll nach Deinem Herz gehen. Und Du verlierst dabei nicht die Weisheit, Du wirst nicht stumpf oder unklar dabei , Du behältst die Klarheit zur selben Zeit. Du bist frei und hast die Wahl, auf das zu zielen,  was Du willst, und auf verschiedene Weisen den Wesen nutzen.

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