“Ist das ein Störgefühl, wenn ich zornig werde weil jemand z.B. seinen Hund quält?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Gerechter Zorn, der aufkommt, wenn man sieht, dass jemand einen anderen schlecht behandelt, ist völlig in Ordnung, solange du weißt, dass es derjenige mehr aus Dummheit als aus Bosheit tut und es nichts mit dir persönlich zu tun hat.
Der Buddha hat nicht gesagt, dass man als Schlaffi durch die Welt gehen soll. Man kann schon was sagen. Oder denjenigen gegen das Schienbein treten und dazu sagen: "So fühlt dein Hund auch". Und dann schnell weg, wenn er sehr groß ist…

Wenn du es nicht persönlich nimmst, dann kannst du hingehen und sagen: "Weißt du, ein Hund hat auch  ein Schmerzempfinden, hör auf damit." Wenn du das sagst, aber ohne Zorn gegen ihn, dann wird er das spüren und es wird sich etwas ändern. Ich gehe die Leute auch direkt an, wenn irgendwas ist. Wenn jemand Schutz braucht, dann bin ich da.

Dann gibt es auch Fälle, wo das Karma so dick ist, dass man nichts ändern kann. Ich hatte eine Freundin unten in Griechenland. Ihr Freund hat sie sehr schlecht behandelt, richtig  zusammengeschlagen. Sie kam zu mir  und ich hab gesagt: "Okay, jetzt geh ich hin und sag dem Kerl Bescheid, aber du musst mir versprechen, dass du nicht zu ihm zurückgehst." Und sie hat gesagt: "Das kann ich nicht." Ich habe gesagt: "Dann kann ich nichts machen, denn da wird er nur noch wütender und schlägt dich noch mehr."

Es muss auch die Möglichkeit da sein, etwas zu ändern. Wenn nichts zu ändern ist, was will man da tun.
Man muss verstehen, dass alles Ursache und Wirkung ist. Wer heute jemanden etwas tut, dem ist ganz bestimmt früher vom Anderen etwas Ähnliches getan worden. Es hat nicht mit diesem Leben  angefangen. Wenn man, ohne zu beurteilen, einfach die Bälle liegen lassen kann, einfach entspannen kann, Wissen einbringen kann, gute Gefühle einbringen kann, dann hat man das Beste schon getan. In dem Augenblick wo man zornig wird, hat man sich selbst schon blockiert und begrenzt und sieht die Situation nicht mehr richtig.

Deswegen schon aufpassen und nicht zu viel Moral reinbringen, sondern eher praktisch denken: Wie kann man die Situation beruhigen, was kann man demjenigen beibringen. Meistens ist es sehr gut, ein paar Mantras zwischen sie reinzupusten.

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