“Du hast gesagt, man soll Ideen und Vorstellungen bewusst vermeiden, bzw. sie nur als Werkzeug betrachten. Wie meinst du das?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde sie nicht vermeiden, denn ich finde, sie sind praktisch und nützlich.Auf der anderen Seite würde ich mir aber immer sagen, dass es tatsächlich nur ein Traum ist. Es war gestern nicht da und ist morgen auch wieder weg, also wissen wir, dass es Bilder im Spiegel sind, aber nicht der Spiegel selbst. Es gibt eine tiefe und bedeutende Wahrheit und Weisheit des Raumes; in der Schwingung jedes Atom, wahrer als all unsere Vorstellungen, Ideen und Gedanken, und in diesem Raum sind wir enthalten.

Wir können eigentlich viel besser handeln, wenn wir nicht andauernd "Warum" und "Weswegen" und so weiter fragen. Tatsächlich ist ganz viel von unseren alltäglichen, geistigen Vorgängen wie ein Putsch in einer Bananenrepublik: Da versuchen zwei, drei verschiedene Seiten vom strahlenden Juwel unseres Geistes alles zu beherrschen. Die Fähigkeit, Mathematik zu verstehen, die Fähigkeit zur Poesie, die Begabung zu vielem anderen, wird plötzlich von der Ratio, vom Stolz, von Erwartungen und Befürchtungen usw. beherrscht.

Das aufzulösen, sodass diese Fähigkeiten entstehen können, wenn sie gebraucht werden und davongehen dürfen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, ist nützlich. Das hat tiefen Sinn. Für die Arbeit sind die einen oder anderen Eigenschaften sehr nützlich und wenn sie nicht mehr gebraucht werden, kann man etwas anders tun, sich vielleicht verlieben, in die Natur schauen oder entdecken, wie spannend alles hier und jetzt ist. Hängt man allem jedoch ständig nach und ist niemals im Augenblick, dann ist man neurotisch!

Es ist dieser „Sowohl-Als-Auch-Zustand“ nachdem wir streben sollten. Zu jeder Zeit das tun, was vor der Nase liegt und dabei nicht abgelenkt zu sein, darum geht es. Das ist richtige Freiheit.

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