Ist Begierde eine Grundvoraussetzung dafür, als Mensch geboren zu werden? Und wenn man die Begierde nicht transformiert, wird man immer wieder als Mensch geboren?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Im Prinzip ja, wenn man nichts Schlechtes tut. Wenn man viel Negatives tut, sehr geizig ist, dann wird man wohl in Afrika oder Südamerika oder so geboren, wenn man sehr gierig, aber auch großzügig war, kann man vielleicht nach Amerika oder Europa kommen. Aber die guten Orte werden immer weniger und die schlechten Orte immer mehr. Es ist klug zu lernen, wie man weiterkommt. Und das Schöne an den Reinen Ländern ist ja, dass man seine Begierden gar nicht ändern oder kaputt machen muss, man muss sie nur umdrehen.

Man muss nur lernen, all die Energie der Begierde, die sich jetzt auf athletische Partner oder Geld oder Urlaub richtet, umzudrehen und auf Befreiung und Erleuchtung auszurichten. Begierde ist eine sehr gute Kraft, wenn man die bindende, einengende Begierde und befreiende und erleuchtende Begierde umwandelt. Man muss den Tiger nicht einschläfern, man kann ihn reiten. Man bindet den Tiger vor einen Pflug und steuert ihn dahin, wohin man möchte. Man verwendet die Kraft der Gefühle, auch wenn es vielleicht nicht so leicht ist. In einigen Fällen lohnt es sich, sich zu entspannen, also die schwierigsten Zustände zu vermeiden, in denen man sonst an die Decke geht. Es lohnt sich, alle Dinge als traumähnlich zu erleben, zu wissen: „Es war früher nicht da, es wird später weg sein, und wenn ich mich jetzt darum kümmere, kriege ich nur Schwierigkeiten.“ Aber das Wichtigste ist, die Kraft zu nehmen und umzudrehen. Wie ein Kämpfer: Er nimmt die Energie des Gegners und nutzt sie, um ihn weiterzuschicken.

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