Stimmt es, dass man sein gutes Karma verbraucht, wenn man keine Geduld hat?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Keine Geduld haben, heißt zornig werden. Und zornig werden verbrennt die verschiedenen guten Karmas. Die vielen positiven Eindrücke im Geist brennen ab und verschwinden.

Es gibt sehr viele Wesen auf der Welt, die gute Sachen denken, tun und sagen. Wesen, die viel Positives aufbauen. Aber jedes Mal, wenn sie auf eine Ebene kommen, auf der eine Veränderung, eine neue Dimension von Bewusstheit gefordert wird, bekommt der Geist irgendeine Angst oder Unsicherheit. Dann beginnen die Wesen zornig zu werden und fallen wieder runter. Die alten Gewohnheitsgefühle und Gedanken machen sich wieder breit und dann bauen sie wieder gute Sachen auf, fallen wieder runter, bauen wieder auf, und immer so weiter.

Auf jeden Fall gilt: Vermeidet Zorn so gut ihr könnt! Und wenn ihr von ihm gebissen werdet, dann werdet ihn auch wieder los! Die Entscheidung, Zorn so gut und schnell wie es geht, aus dem Geist zu entfernen ist der theoretische Aspekt des Bodhisattva-Gelübdes. Wenn der Zorn hochkommt, versucht, ein Mantra zu sagen, das ihn auflöst. Lasst den Zorn auf einem Film von Mantra-Öl abfließen, damit er euch nicht wirklich schadet und keine schlechten Gewohnheiten in euren Geist kommen. Das ist ganz wichtig. Denn wenn wir negativen Gedanken erlauben, in unseren Geist zu kommen, fressen sie sich immer tiefer in uns hinein.
Es ist natürlich so, dass kein Schullehrer überleben könnte, wenn er nicht fähig wäre, zornig zu gucken. Man muss fähig sein, die Maske des Zorns aufzusetzen wie Mahakala, denn es gibt Leute, deren Geist so klein ist, dass sie denken, ihr seid schwach nur weil ihr freundlich seid. Zeigt Zorn wie eine Welle, die kommt und geht. Macht auf andere Leute diesen Eindruck, und geht danach weg: Leicht, glücklich und ohne Probleme.

Geduld sollte man nicht mit Schwäche verwechseln. Es gibt Leute, die geduldig sind, weil sie Angst haben. Über diese Art von Geduld rede ich nicht. Wenn man immer ängstlich ist, muss man vielleicht einen Kampf anfangen, um zuerst einmal die Angst loszuwerden. Wenn man dann selbstsicher und stark ist, wenn man sich selbst nichts mehr beweisen muss, kann man geduldig sein. Aber wenn Leute alles mit sich machen lassen, weil sie Angst davor haben, etwas zu tun, dann hat das nichts mit buddhistischer Geduld zu tun. Das ist nicht so nützlich.

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