Wie kann man allen Wesen helfen, wenn sie alle ihr eigenes Karma haben?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Man kann helfen, weil Karma kein Gefängnis ist und auch nicht ,,Schicksal” bedeutet. Karma ist Ursache und Wirkung, und solange die Wirkung nicht eingetreten ist, kann man immer noch die Ursache ändern.
 
Wenn die Leute offen sind, dann ist das wie ein Ring, den wir mit unseren Haken fangen können und so etwas bewirken können. Aber wenn kein  Ring da ist, dann können wir nichts machen.

Was mit Karma gemeint ist, ist dass wir unsere Wirklichkeit selbst schaffen, und deshalb kann man auch helfen, wenn Offenheit da ist.
In den meisten Fällen ist es aber nicht so einfach. Man muss die Leute erst ein paar Mal mit dem Kopf gegen die Wand laufen lassen, bevor sie entdecken, dass sie vielleicht etwas lernen sollten. Denn der Stolz der Leute ist sehr stark und die vorgefassten Meinungen auch.
    
Ich gebe euch ein Beispiel: Da ist z.B. jemand, der kommt aus einer Familie, in der alle in den letzten Generationen nur 50 Jahre alt geworden sind. Der Mann wird sicher nicht 100 werden.  Aber wenn er gesund isst und die Flasche stehen lässt, wenigstens teilweise, nicht zuviel raucht, oder am besten gar nicht, dann kann er schon 75 werden. 
So, teilweise haben wir durch die Wahl eines Körpers, durch das Land in dem wir geboren worden sind, durch die Gene, durch die Bildungsstufe und durch die Intelligenz schon einen gewissen Rahmen.
Aber wer irgendwie will und bereit ist, der kann da durchbrechen und auf andere Ebenen gehen. Vielleicht durch die Intelligenz, aber kann man begriffsmäßig nur bis zu einer bestimmten Ebene gehen, dann kann man auf das Künstlerische ausweichen, mit der Intuition arbeiten, man kann meditieren.
Auch wenn man nicht allzuviele Gehirnwindungen hat, wenn man mit seinen Möglichkeiten begabt arbeitet, dann kann man sich schon entwickeln und die Erfahrung haben, dass das Leben reicher und bedeutender wird.
 
Auf der anderen Seite sind die Leute, die wirklich eingreifen in ihr Karma und wirklich etwas ändern, ziemlich selten. Die meisten Leute laufen auf ausgetretenen Spuren durch ihr Leben und schauen weder links, noch rechts. Und es ist ja so, dass man keinem helfen kann, der sich nicht helfen lassen will.
 
Bei Alkoholikern kann die Therapie auch erst dann anfangen, wenn die Leute selbst einsehen, dass sie ein Problem haben. Das bedeutet, dass man ihnen kein Kissen hinhalten soll, wenn sie mit dem Kopf gegen die Wand laufen, denn dann lernen sie schneller, dass das keine gute Idee ist. Sie bauen dann weniger schlechte Gewohnheiten im Geist auf und es ist leichter, ihnen zu helfen.
Ich bin schon ein mitfühlender Mensch, aber es ist so.

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