Wenn es im Buddhismus keinen Teufel gibt, was ist dann die Ursache des Leidens?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Die Ursache zu allem Leid ist das Gefühl von Trennung zwischen uns und den anderen.
Wenn der Geist nicht bewusst ist, dann arbeitet er wie ein Auge: Er sieht alles draussen, aber sich selbst sieht er nicht.
Dann halten wir die Raumnatur des Geistes für das ,,Ich”, und die Klarheitsnatur des Geistes – also alles was im Raum geschieht – für ein ,,Du”. Aus dieser Trennung heraus entsteht Anhaftung und  Abneigung und alle anderen Störgefühe.

Und wenn diese Gefühle da sind, dann sind wir leider nicht so klug, dass wir sie sehen können wie ein magisches Theater oder wie einen schlechten Film, sondern wir denken, die Sachen sind wirklich. Dann tun, denken und sagen wir etwas Negatives, dadurch  legen wir negative Samen in unseren Geist und erleben irgendwann schlechte Ergebnisse. Wenn die kommen, vergessen wir, dass wir selbst die Ursachen dazu gelegt haben. Wir denken, die anderen sind schuld und handeln wieder entsprechend.
 
Diese vier Schleier bedecken uns immer: Der Schleier der Unwissenheit, der Schleier der Störgefühle, der Schleier der klotzigen Worte und Taten und der Schleier der schlechten Erfahrungen und Gewohnheiten.

In diesem Kreislauf drehen wir uns ständig. Das heißt Samsara oder ,,die bedingte Welt“.
Es ist wichtig, dass man das wirklich versteht und hier irgendwo durchschneidet. Dann durchtrennt man die Kette,  die einen bindet.

Und da trennen einige auf der Ebene der Weisheit. Sie sagen: Es gibt ja gar keinen richtigen Unterschied zwischen uns! Wir wollen beide Glück haben und Leid vermeiden. Hört das Gefühl von Trennung zwischen uns auf, ist sofort auch das Störgefühl weg.
Dann trennen einige auf der Ebene der Einstellung. Sie versuchen, Mitgefühl zu entwickeln und die Störgefühle zu bekämpfen.
Andere wiederum trennen auf der Ebene der Tat. Sie vermeiden, zu töten und zu stehlen usw.  
Es gibt ganz unterschiedliche Wege, diese Kette zu durchbrechen.

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