Muss man an Karma oder die Wiedergeburt glauben, wenn man Buddhist sein will?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Nein, wir haben da kein Dogma. Wenn man ein großes Fragezeichen am Anfang und am Ende des Lebens machen will, ist das völlig in Ordnung.
Du kannst natürlich Karma nicht letztendlich akzeptieren ohne den Gedanken an die Wiedergeburt. Es ist logisch nicht möglich. Warum wird einer in Afrika geboren und leidet die ganze Zeit und warum wird ein anderer in Deutschland oder Dänemark geboren, es geht ihm oder ihr nur gut. Das ist unerklärbar, wenn man nicht versteht, dass die Leute etwas getan haben in früheren Lebenszeiten, das zu diesem Glück oder Leid geführt hat. Aber es ist ok, wenn man denkt: Fragezeichen, ich kann nichts beweisen, ich kann mich nicht erinnern.

Der Grund, dass ich mit so viel Überzeugung davon rede, ist dass ich mich erinnere und dass ich an mehreren Stellen war, wo ich auch in früheren Lebenszeiten gekämpft habe,  und dass Karmapas Worte und eigene Träume und eigene Erfahrung bei Reisen in Tibet und Bhutan alle übereinstimmten. Deswegen bin ich davon überzeugt, aber wer nicht so überzeugt ist, kann ebensogut ein Buddhist sein,
Man fängt an, mit dem was man kann, und dann lässt man das Vertrauen allmählich wachsen und sich steigern. Ich würde mit einem offenem Vertrauen anfangen. Dass man sagst: "Ok, alles was ich bisher checken konnte beim Buddhismus war in Ordnung." Und dann versucht man, nicht zu allem sofort Stellung zu nehmen. Man sagt nicht sofort "Richtig!" oder "Verkehrt!", denn das kann man meistens nicht. Sondern man erlaubt sich eine Grauzone. Eine Grauzone für Information, die nicht sofort gecheckt wird, die nicht abgestempelt wird, sondern nur aufgehoben wird.
Und irgendwann kommen dann vielleicht neue Informationen dazu, die die alten bestätigen. Und plötzlich hat man dann eine Erfahrung, die genau dazu passt.  Und wenn man dann sein Wissen als Werkzeug einsetzt und sieht, dass es wirkt, dann weiß man, jetzt ist es rund, das passt.
Aber schnell geht es nicht. Ok, ich hatte das Glück, ich habe vom ersten Augenblick an volles Vertrauen gehabt, aber das war auch, weil ich dem Karmapa begegnet bin. Und der strahlt wie tausend Sonnen, er ist wie 10.000 Volt. Jeder, der ihn sah, war berührt.
Wenn man natürlich mit kleineren Lichtern zu tun hat, so wie mit mir….
dann muss man den stufenweisen Weg nehmen und viel checken und nacheinander aufbauen. Aber allmählich sieht man dann schon, dass es dicht ist und dass es funktioniert.
Man soll keinen Druck machen und man soll sich nicht zwingen. Man braucht im Buddhismus nichts zu glauben – wir haben keine schwangeren Jungfrauen.  Es gibt letztendlich nichts, was man glauben muss.
Auch deine kritischen Prozesse kommen aus deiner Buddhanatur. Auch deine Zweifel sind ein Schritt auf deinem Weg. Nur versuche so schlau zu sein, dass du nicht immer dasselbe anzweifelst, das ist wichtig. Wenn du einen Zweifel nach dem anderen auflöst, dann kommst du zur Erleuchtung.
Man soll nicht zu dogmatisch werden. Das Ziel von Allem, was Buddha lehrte – und das dürfen wir niemals vergessen -, ist der spontane, mühelose Geist. Nicht der zwanghafte Geist, nicht der eingeengte Geist, nicht der gezwungene gläubige Geist, nicht der gezwungene moralische Geist, nicht der beurteilende Geist, nichts davon.
Der spontane, mühelose Geist, der in dem ruht, was ist, ohne Trennungen zu machen zwischen Subjekt, Objekt und Tat.
Der Buddha verlangt keinen Glauben von uns, und er ist auch kein schöpfender, strafender oder richtender Gott, er will keine Schafherde haben. Er wünscht sich Kollegen.

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