Wie erklärst du Karma oder ,,Ursache und Wirkung” ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Karma ist, wie du sagtest, nicht Schicksal, sondern Ursache und Wirkung: Wenn du Weizen säst, kriegst du Weizen, wenn du Roggen säst, dann kriegst du Roggen.
Jede Sache, die man tut, denkt oder sagt, hat einen gewissen Gefühlsgehalt und einen gewissen Erfahrungsgehalt. Während man lebt, füllt man so das Speicherbewusstsein im Geist mit Eindrücken auf. Wenn man dann stirbt und die Sinneseindrücke von außen wegfallen, dann kommen die unterbewussten Eindrücke hoch und führen zu verschiedenen Ergebnissen. Außer, und das ist ja der Grund, warum Buddha Karma erklärt, wenn wir die karmischen Samen ändern oder entfernen, bevor sie reifen.     

Es gibt folgende Ergebnisse:
Direkt nach dem Tod gibt es einen Zustand, in dem man Glück oder Leid erlebt, je nachdem, was im Geist ist. Die alten Filme, die man selbst reinprojiziert hat, kommen dann wieder hoch. Was man gegen andere getan hat, erlebt man so, als ob es mit einem selber geschieht.
Wenn sich dann das Bewußtsein wieder an einen festen Körper, also an ein befruchtetes Ei bindet und man wieder als Mensch dasteht, dann hat man drei weitere Ergebnisse:
Was für einen Körper man bekommt: Einen glück- oder einen leidbringenden.
In was für ein Land man geboren wird: In ein furchtbares, wie es viele gibt in der dritten Welt, Afrika, Teilen von Asien, usw. oder in ein angenehmes wie in Nordeuropa oder Nordamerika.
Und das letzte ist dann, welche Tendenzen man im Geist hat: Ob man natürlicherweise wünscht, anderen etwas Gutes zu tun, oder ob man Spaß daran hat, ihnen Leid zuzufügen.
 
Erlebt man die Auswirkungen vom eigenen schlechtem Karma, dann hat man längst vergessen, dass man die Kakteen selbst gepflanzt hat, in denen man jetzt sitzt. Man gibt den Anderen die Schuld, reagiert und pflanzt neue schlechte Eindrücke in den Geist. Wenn man stirbt, dann kommen diese Eindrücke wieder hoch.

So, in der Weise geht man von einem Leben zum nächsten Leben die ganze Zeit. Das ist Samsara, die bedingte Welt. Erst wenn wir entdecken, dass es gar nicht um die Bilder geht, sondern um den Spiegel,  nicht um die Erlebnisse, sondern um den Erleber, wenn das verstanden worden ist, dann ist man frei und kann fröhlich weiter gehen.

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