“Für mich entsteht oft der Konflikt, dass ich für meine Familie einen Vorteil rausholen könnte, was aber gleichzeitig für jemand anders einen Nachteil bringen würde. Wie soll ich mich da verhalten?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Was der Welt vor allem fehlt, sei es in großen oder kleinen Problemen, ist die Vorausschau. Man ist wie ein Politiker, der in zwei Jahren die Wahl gewinnen muss und nicht wie ein Staatsmann, der auch an die nächste Generation denkt.
Es stimmt, dass wir hier und jetzt und nicht morgen und woanders leben, aber im Handeln, da sollte man wenigstens fünfzig Jahre in die Zukunft schauen. Zwar kann man kurzfristig vielleicht auf Kosten anderer einen Vorteil haben, aber das bedeutet dann, dass man in der Zukunft einen Feind hat, der einen irgendwie blockiert.

Ich würde tatsächlich als Buddhist versuchen, die Welt als reich zu sehen. Jeder sollte in dieser Welt sein Auskommen haben..Man kann sich überlegen, was man für eine Leistung bringt und was sie in diesem Bereich wert ist.  Diesen „Durchschnitt“ erwartet man und kommt noch etwas extra hinzu, so nimmt man es als Segen und gibt vielleicht auch ein wenig an ein Zentrum weiter, sodass das Gute weiterfließt. Ist man dagegen an einer Stelle, wo das Auskommen nicht so üppig ist, muss man entscheiden, ob man weiterhin mitmacht. Ich würde einfach das tun, was passend ist und es gar nicht persönlich nehmen. Es ist gut, immer so zu handeln, wie man denkt und was man sagt, also transparent und aufrichtig zu sein.

Daher ist es gut, offen zu sagen, dass man für eine bestimmte Tätigkeit, dieses oder jenes Gehalt benötigt. Bevor man eine persönliche Verbindung kaputtmacht, sagt man besser: „Du, ich denke wir haben verschiedene Einstellungen zu dieser Sache, bitte mach den Deal mit irgendeinem anderen!“ Handelt man immer aufrichtig, passt auf, dass keine Gier entsteht und dass die Sachen natürlich rollen, dann ist das völlig richtig und in Ordnung.

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