Tag Archive for “Blockaden”

“Ich habe Probleme mit meiner Weiblichkeit, irgendwie habe ich da Defizite und Blockaden. Kannst du mir einen Rat geben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es kann passieren, dass man den Zugang zu seiner Weiblichkeit verliert, weil einem eingeredet wurde, sie sei schlecht. Das ist ein entscheidender Fehler. Bei uns in Dänemark sagt man, es gibt keine frigiden Frauen, sondern nur ungeschickte Männer. Das Abwerten der Weiblichkeit kann durch Männern und Frauen geschehen sein. Manchmal war es ein negatives Erlebnis aus der Kindheit.

Dann muss man seine Weiblichkeit wieder finden. Das geht durch Meditation. Denn das Meditieren bringt viel: Der Geist ist wie ein strahlendes Juwel und wenn man es mit Meditation reinigt, erhält man etwas Gutes. Man kann sich mit einer Tara, einer Befreierin identifizieren oder, wenn man ein spritziger Typ ist, mit einer roten weiblichen Energieform. Wenn man sich wirklich völlig damit identifiziert, dann lösen sich alle Fehler auf und zerstörte Weiblichkeit wird wieder ganz. So wie bei Männern die Meditation auf den Schützer die Kraft gibt, die man früher nicht hatte. Bei Mönchen und Nonnen ist es umgekehrt, Männer meditieren auf weibliche Aspekte, weil ihnen die fehlen, und Frauen meditieren auf männliche Aspekte, weil ihnen wiederum diese fehlen. Auf diese Weise kriegt man den Ausgleich.

Grundlegend ist, dass man wirklich versteht, dass der Geist der Buddhageist ist und alle Schleier und Störungen nebensächlich sind, dass sie nur Staub auf dem Juwel sind. Das Juwel selbst ist das Wirkliche.

“Was kann man tun, wenn man sich aus Angst vor Enttäuschungen nicht mehr öffnen kann?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das ist ganz leicht. Man denkt an die anderen, daran, was man für sie tun kann und wie man ihnen Freude bringen kann. Der Rest passt dann von selbst.
Man denkt nicht an sich, sondern denkt: „Hier ist einer, der liebt mich, der braucht mich.“ Und dann versucht man zu geben. Und während man an die andere Person denkt, bekommt man die eigene Bestätigung und Freude sozusagen rückwirkend. Denkt man aber nur daran, was man erleben kann oder wo man verwundbar ist, dann ist das so, als würde man mit Blei im Kofferraum fahren: Man kommt nicht weit und man fährt nicht gut. Der, der sich voll in die Aufgaben stürzt und dann mit Vertrauen mit den Sachen arbeitet, so wie sie sind, der ist im Vorteil.

Ich denke, die Leute lieben zu wenig. Sie wollen es viel zu angenehm und gehen nicht an ihre Grenzen. Man sollte sich in die Liebe reinstürzen und etwas erleben – das ist wertvoll für die eigene Entwicklung.
Als Beispiel erzähle ich euch die Geschichte vom kleinen Bärenkind, das sehr philosophisch war. Als die Zeit gekommen war, da es laufen lernen sollte, da überlegte es hin und her, welche Pfote nun zuerst und welche dann. Da kam seine Mutter vorbei. Sie fand, dass das Bärenkind zu lange herumstand, schubste es ordentlich an, so dass es weit flog und dann vollkommen laufen konnte. Das Bärenkind hat niemals gewusst, was es zuerst bewegt hat. So ist das auch mit der Liebe, man tut einfach sein Bestes und denkt daran, anderen Glück und Sinn zu geben.

“Was würdest du raten, wenn man sich eigentlich eine Partnerschaft wünscht, aber gleichzeitig Angst vor zuviel Nähe hat?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Man sollte untersuchen, was für eine Angst es ist. Ob es eine körperliche Angst ist, d.h. ob man ungern einen anderen Körper anfasst oder ob es eine geistige Angst ist, d.h. ob man sich ungern öffnet.
Sich zu fragen, ob man die Zahnbürste des anderen benutzen würde, ist eine gute Methode, um herauszufinden, ob man eine grundlegende körperliche Offenheit hat. Findet man den anderen anziehend, berührt ihn gerne, sieht ihm gerne nach, dann sollte man versuchen herauszufinden, wie man die Hindernisse entfernen kann.

Man sollte dann da ansetzen, wo die Kraft ist – also, wenn man ihn vor allem wegen des Körpers mag, dann sollte man da ansetzen und schauen, ob man das auch auf den Geist ausdehnen kann. Mag man den anderen wegen des Geistes, so sollte man schauen, ob man das auf den Körper ausdehnen kann. Immer „die Kunst des Möglichen“, d. h. immer mit dem anfangen, was anliegt und von da aus schauen, was möglich ist. Es ist auch wichtig,  auf die eigene Einstellung zu schauen. Wenn man mit der Einstellung „was kann ich geben“ herangeht, dann wird das Verhältnis sicher gut.

Wenn man mit der Einstellung „was kann ich kriegen“ herangeht, dann wird es sicher nicht gut. Daher muss man sich selbst stärken und sich bewusst machen, dass man geben kann. Man soll sich selbst als mächtig und fähig sehen und denken, dass man den Partner Gutes gibt. Dann soll man offen sein für das Gute, das man bekommt. Man soll sich nicht kleiner machen, nicht denken „wer möchte mich kleines Ich mit nach Hause nehmen“, sondern sich selbst groß machen und in die Welt hinausgehen.