Tag Archive for “Selbstdisziplin”

Wie macht man aus Anstrengung freudige Anstrengung?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Am Anfang arbeitet man in hohem Maße mit dem Entschluss, die Anstrengung freudvoll zu erleben!

Mich selber habe ich so niemals therapieren müssen. Ich fand immer: je toller, je schneller, je spaßvoller, desto besser! Aber bei anderen, die das nicht so erleben, kann ich mir schon vorstellen, dass es hilft, wenn man sich zum Beispiel sagt "Wow! Ordentlich was los! Frau frohgemacht! Wow! Sie liegt da, schau, wie sie strahlt, wie gut es ihr geht!". Oder "Wow! Die Kurve schneller genommen!". Oder "Vierzehn Stunden gearbeitet, immer noch frisch für ein Bier!". Man tut immer sowohl als auch und entwickelt dabei die Einstellung, dass es total toll und spannend ist, was da alles läuft! So zieht man sich wie Baron von Münchhausen selber an den Haaren aus dem Sumpf und macht sich selbst aus eigenem Willen und eigener Kraft heraus reich.
Ihr ändert eure Sichtweise: Wenn ihr durch die schwarze Brille seht, ist es eine Hölle und wenn ihr durch die rosa Brille schaut, ist es ein Himmel. Und wenn ihr ohne Brille schaut, dann ist es tatsächlich, was anliegt. Und das ist noch schöner und spannender als jeder Himmel. Aber an diesen Zustand kommt ihr nur aus dem Himmel ran, nicht aus der Hölle! Deshalb muss man mit den guten Projektionen und Erfahrungen anfangen und dann von da aus weitergehen.

Mir geht es oft so, dass ich lange auf etwas hinarbeite, und wenn ich kurz vor dem Ziel bin, breche ich es ab, weil ich merke, es ist doch nicht das Richtige für mich. Aber allmählich frustriert es mich auch, dass ich nie was fertig kriege.

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Keiner hat einen Vorteil davon, wenn du dich schlecht fühlst. Deshalb solltest du denken, dass deine Entscheidung letztendlich zum besten aller Wesen ist. Aber du musst dir auch sicher sein, dass du nicht vor irgendetwas wegläufst.

Die einzigen Sünden, die man sich nicht vergibt, sind die, die man nicht begangen hat: Der Junge, den man nicht mit nach Hause nahm oder der Apfel, den man nicht geklaut hat. Man muss immer darauf achten, dass man nichts aus Lebensflucht oder Ängstlichkeit unterlässt. Man muss immer an sich selber arbeiten und sollte nicht aus Schwäche heraus handeln. Wenn die Familie z.B. jahrelang Unterstützung vom Sozialamt bekommen hat. Dann bekommt man die Chance, die Situation durch das Bestehen irgendeiner Prüfung zu verbessern. Und dann plötzlich denkt man, dass man es nicht kann. Das ist dann feige. Das ist schlecht. Das ist charakterzerstörend. Man muss da einfach durch, auch wenn man auf die Nase fällt. Das ist wie beim Bungee-Springen: Wenn man hochgestiegen ist, muss man auch springen, sonst kann man hinterher nicht in den Spiegel schauen. Es gibt Situationen, da muss man einfach tun, was anliegt.
Aber es gibt auch andere Situationen. Da ändert man seine Meinung nicht aus Angst oder Schwäche, sondern merkt einfach, dass man auf dem falschen Dampfer war. Und dann tut man irgendetwas anderes.  Das ist dann voll in Ordnung.
Aber das Beste ist schon, man macht das eine fertig und dann das nächste. Das ist flott! Und die Zeit wird einem auch immer geschenkt. So geht es tatsächlich: man kann immer die früheren Erfahrung mit in die nächsten Situation nehmen und davon profitieren.