Tag Archive for “Allgemein”

“Wenn man alle Wesen als Buddhas sieht und von seiner Liebe niemand ausschließt, dann kann man doch überhaupt keine intensive Liebesbeziehung zu einer bestimmten Person mehr haben, oder?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Auch wenn in einem große Freude und große Strahlkraft entsteht, wenn man allen Menschen alles Gute wünscht, so gibt es doch Menschen, zu denen man eine nähere Verbindung hat. Mit denen hat man z. B. in früheren Leben starke Wünsche gemacht, zusammen etwas Gutes zu vollbringen. Also auch wenn man allen alles Gute wünscht und alles tut, was man kann und immer Freude und Überschuss für andere fühlt, so kann man einigen Wesen helfen, anderen nicht. Das ist wie Ring und Haken, wenn da kein Ring ist, kann der Haken nicht greifen.

Dann begegnet man Menschen, zu denen man eine nahe Verbindung hat und arbeitet weiter, wie ich und meine Frau, und Caty und viele meiner Schüler und Freunde. Obwohl man also stetig mehr Freude erlebt, erlebt man, dass man zu einigen einen engeren Bezug als zu anderen hat.
Anders gesagt: Dass du Allen alles Gute wünschst, bedeutet nicht, dass du nicht dem Wesen, das dir nahe ist, alles alles Gute wünschst. So erlebe ich es selber.

“Was ist die richtige Einstellung für Liebe und Partnerschaft, so dass die Beziehung glücklich wird und beide Partner sich optimal entwickeln können?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde sagen, in der Liebe ist die richtige Einstellung, immer mehr ans Geben zu denken, zu wünschen, dass andere glücklich sind und zu versuchen, das zu geben, was nützlich ist. Nicht zu viel Anhaftung, sondern auf freundliche, leichte Weise teilen und nicht zu eng sein. Man hält den Partner immer im Geist. Es wird dadurch weniger eng und dafür spaßvoller. Das ist ein langer Weg und braucht einige Zeit. Es ist eine Phase, in der Menschen die meisten Gefühle haben. Wenn man jetzt als Mensch geboren wurde, bedeutet das, dass Verlangen das stärkste Gefühl war.

Daher, gerade, wenn man Macht über Menschen hat und sobald man klarer im Kopf wird, dann soll man darauf achten, ob man Nützliches für andere Menschen tut. Tut man das nicht, sollte man überlegen, was man mit ihnen teilen kann und  was nicht. Was ist momentan gut, was wird später gut sein. Viele verschiedene Dinge muss man berücksichtigen. Manchmal muss man auch Dinge tun, die etwas merkwürdig erscheinen.

Hier eine Geschichte von Drugpa Künleg:
Eines Tages lief er die Straßen von Bhutan entlang und eine junge Dame kam vorbei. Da sagte er: „ Wir müssen unbedingt miteinander schlafen, komm gleich mit.’’. Sie sah ihn an, unrasiert und langhaarig wie er war, und sagte: „Oh.“ Sie ging zum nächsten Haus und sagte: „ Hört mal, dort unten war ein furchtbarer Mann mit ganz viel Haar und Bart, der mit mir schlafen wollte.“ Man sagte ihr: „ Du bist das dümmste Mädchen der Stadt, das war der beste Yogi, den wir haben, das war Drugpa Künleg. Das wäre bestimmt absolut fantastisch gewesen .”. Und sie sagte wieder : „Oh.“ und ging zurück und sagte zu ihm: „Ok, ich habe noch mal darüber nachgedacht.“ Woraufhin er sagte, dass es ihm leid täte. er nun aber keine Zeit mehr habe. „In dem Moment, in dem ich es dir anbot kam ein hohes Bewusstsein vorbei und ich hätte dir ein wunderbares Kind geben können, aber nun – tut mir leid, ein andermal.“
Wenn man über das Persönliche hinausschaut, dann sieht man, dass die Dinge nicht einfach gut oder schlecht sind, sondern je nach Art der Umstände Glück oder Leid bringen können.
In manchen Fällen ist es Sexualität: wenn Menschen das entsprechende Karma haben, so wird es freudvoll für sie sein. In anderen Fällen macht den Menschen ihre Sexualität nur Probleme. Probleme in der ersten Beziehung, in der zweiten, in der dritten und so weiter.

Das Beste, was man tun kann, wenn man nah mit jemandem verbunden ist, körperlich nah, ist ihm oder ihr Freiheit zu lassen, so gut man kann. Das ist das wahre Geschenk der Liebe: Den Leuten ihre Schönheit und ihre Möglichkeiten zu zeigen und sie dann frei sein zu lassen.
Prüfe das, denke an die anderen, nicht an dich. Das ist das wichtige.

Wenn wir z. B. die Liebe anschauen, so gibt es zwei Arten: Eine, die gibt, die reich macht, die wächst und wunderbar ist. Und da ist eine, die einschränkt, die erwartet, die stoppt und immer an der Vergangenheit oder Zukunft anhaftet. Die schlechte Art, die einschränkende Form der Liebe ist die, wo man versucht sich gegenseitig in Schubladen zu stecken. Wo man sagt: „ Nun hast du mich geheiratet, nun kannst du nicht mit dem reden und du musst dies und das tun und ich erwarte dies und tu das nicht.“
Oder wenn Menschen sich aneinander binden in einer so engen Beziehung, dass sie sich völlig von der Kommunikation mit der Außenwelt abschließen. Das ist ein Zeichen von Schwäche, das ist nicht gut, weil jeder arm wird.

Die andere Art der Liebe, die freigiebig und großzügig ist, die den Geschmack der Freiheit und des Wachstums hat, die findet man in den Beziehungen, in denen man gemeinsam lernen und wachsen will, wo man möchte, dass der andere sich entwickelt. Das ist, wenn der Mann die Frau ansieht und sagt: „Ich mache eine Königin aus ihr“. Und wo die Frau den Mann ansieht und sagt:“ Ich mache einen Prinzen aus ihm.“ Wo man den anderen nicht kontrollieren oder einschränken möchte, wo man dem anderen seine Qualitäten, seine Kraft; Schönheit und Möglichkeit zeigen möchte. Diese Art ist die richtige Art der Liebe.

“Zwischen Männern und Frauen gibt es ja nicht nur Liebesbeziehungen, sondern auch andere. Kannst du dazu etwas sagen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man Menschen genau beobachtet, kann man oft sehen, was für eine Verbindung man mit ihnen eingehen kann: Ob dabei Anhaftung entsteht und welcher Art die Verbindung sein kann – mehr sexuell oder emotional, oder so.
Es gibt vier Dinge, die eine Frau für einen Mann sein kann und vier Dinge, die ein Mann für eine Frau sein kann.
Eine Frau kann eine Mutter sein, die versucht, einen zu erziehen. Wenn man nur Spaß miteinander hat, ist sie eher eine Schwester. Wenn man sie beschützt, ist sie eher wie eine Tochter. Wenn man sie körperlich attraktiv findet, ist sie eher eine Geliebte.

Auf die gleiche Weise kann die Frau den Mann sehen: Als Vater, wenn er eher wie ein Beschützer ist, Sicherheit gibt. Wenn es Spaß ist, mit ihm zusammenzusein, ohne zuviel Gefühl, dann ist er wie ein Bruder. Wenn es jemand ist, den man beschützen, groß ziehen muss, ist er wie ein Sohn. Wie ein Geliebter ist er, wenn er körperlich attraktiv ist und die Beziehung läuft.

Natürlich möchte jeder der oder die Geliebte sein  – es ist aufregender und spezieller, aber ich kann euch sagen, dass ich die Erfahrung gemacht habe, durch den Segen aller Buddhas, dass es zehn Jahre später nicht mehr wichtig ist, ob jemand wie meine Schwester, Tochter oder Geliebte war. Egal wie nah. Für Beziehungen, die lange andauern, ist es nicht wichtig. Natürlich gibt man immer mehr, ist offener gegenüber der Person mit der man schläft, da das eine nahe Beziehung ist.

Aber es sind die bleibenden Qualitäten, die Qualitäten des Dharma, die Qualität des Vertrauens, die viel wichtiger sind. Wichtig ist es, dass wir wachsen, uns entwickeln, zusammen arbeiten.
Da ist ein großer Segen im Zusammensein, doch wenn da zuviel Anhaftung ist, dann ist da auch Leiden und viele schwierige Dinge etc. Das wichtigste ist, das man den Dharma teilt, die Entwicklung und das Wachstum.

“Kannst du etwas über Ehe und Elternschaft in der modernen Welt sagen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
In einer Ehe ist es wie in anderen Lebensbereichen auch: Die Ehepartner möchten Glück erlangen und Leid vermeiden. soweit unterscheidet sich die Ehe nicht von jeder anderen Beziehung zwischen Mann und Frau – mit oder ohne Trauschein.

Grundsätzlich sind sie also immer frei. Das verändert sich aber, sobald Kinder zur Welt kommen. Denn die Kinder sind abhängig von ihren Eltern. Daher sollte man unter diesen Umständen versuchen, zusammen zu bleiben, auch wenn es manchmal schwierig ist, eine gemeinsame Sprache zu finden. In diesem Fall wäre es für die Kinder besser, wenn sie manchmal mehr Zeit mit der Mutter, manchmal mehr mit dem Vater verbringen, wie sie möchten. Wichtig ist dabei unsere Einstellung: Wir sollten den anderen bei seinem Wachstum und seiner Entwicklung unterstützen, also geben und nicht nehmen, nicht ausnutzen. Dafür müssen wir den Partner grundsätzlich als etwas sehr Wertvolles sehen, als jemanden, der sich entwickeln kann.