Tag Archive for “Buddhismus in den Alltag integrieren”

“Ich habe Familie, Kinder und einen Beruf. Wenn ich abends endlich zur Ruhe komme, dann bin ich viel zu müde zum Meditieren. Wie komme ich trotzdem mit meiner Entwicklung voran?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Du bist in einer Lebenssituation vergleichbar zu der eines allgemeinen tibetischen Laien. Die hatten auch einige Kinder und ständig etwas zu tun. Sie kamen gut weiter, indem sie während des Tages sehr viel Mantras, wie "Karmapa Chenno“, oder "Om Mani Peme Hung" gesprochen haben, sodass die störenden Gefühle keine Grundlage mehr hatten, an der sie haften konnten. Von Zeit zu Zeit haben sie sich dann auch etwas angehört, was mit Dharma zu tun hat und tagsüber darüber nachgedacht. So haben sie sich entwickelt.

Das kann auch heute jeder tun: Mantras sagen als Abstand und Schutz, etwas Wissen, womit man arbeiten kann und wenn einmal kein Kind schreit oder jemand etwas von einem will, kann man sich entspannen und einfach im Geist verweilen. Von Zeit zu Zeit ist es auch sehr gut, ein paar Tage lang einen Kurs zu besuchen und so einen zusätzlichen Schub für die eigene Entwicklung zu bekommen. So kann jeder sich gut entwickeln ohne viel zu meditieren oder lange Zurückziehungen machen zu müssen.

Ich will mein Alltagsleben nach wie vor mit ganzem Engagement und voller Konzentration angehen, aber möglichst gleichzeitig Dharmapraxis machen. Geht das?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist sehr gut, alles was man tut, so gut wie möglich und auf der Grundlage des Dharma zum Besten aller Wesen zu tun. Das Beste ist dabei, den eigenen Geist ständig zu beobachten und sich während der verschiedenen Tätigkeiten des Erlebers, der die Dinge erfährt, bewusst zu sein. Es ist ja das letztendliche Ziel, keine Trennung mehr zu erleben zwischen dem, der etwas tut, dem, was getan wird und der Tat selbst. Wer dies die ganze Zeit über halten kann, ist erleuchtet!

Es gibt ein gutes Mittel, wie man dies üben kann: Man stellt sich vor, dass man selbst oberhalb seines eigenen Kopfes sitzt, und beobachtet sich in allen Tätigkeiten. Dies hilft, die Bewusstheit in allen Situationen üben. Dharma bedeutet immer in allem bewusst sein! Es gibt so viele Augenblicke, die man nutzen kann: Jede kleine Pause kann dazu verwendet werden, Karmapa ins Herz fallen zu lassen, Licht zu den Wesen zu schicken und ihnen von ganzem Herzen alles Beste zu wünschen. Auf der Toilette kann man kurz denken, dass nun alles Negative gereinigt wird. Beim Essen kann man an alle anderen Wesen denken und sie mit Licht ernähren – alles kann Dharma werden.

“Was bedeutet es im Alltag, BuddhistIn zu sein?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Buddhismus im Alltag bedeutet, zu tun, was vor der Nase ist. Dass man das Beste tut, was man kann. Und dass man sich erinnert: ,,Ich habe eine Zuflucht, ich habe etwas, worauf ich bauen kann.’’ Dadurch hat man ein bisschen mehr Mut und Überschuss – und dann versucht man sich, nach Fähigkeit, wie ein Buddha zu benehmen.

Man kann, was jeder kann. Man hebt nicht ab, wird nicht exotisch oder komisch. Man schafft sein Leben und zur selben Zeit meditiert man, damit man nicht nur älter, sondern auch klüger wird. Gleichzeitig versucht man, so viel für andere zu tun, wie man irgendwie kann. Man hält die Sicht, dass alle Buddhas sind, die es nur nicht erkannt haben. Man hält die Erfahrung von Mitgefühl und Weisheit, so gut gemischt wie möglich. Und man hält die Ebene der Tat und versucht, so wenig zu schädigen, wie irgend möglich. Jeden Tag Zuflucht nehmen ist klug.