Tag Archive for “Verwirrung”

Ich träume oft lange vor mich hin. Wenn ich das bemerke, dann versuche ich, mich fest auf die Arbeit zu konzentrieren, aber ich habe Schwierigkeiten, so richtig klar im Kopf zu werden. Was bedeutet das?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Für dich ist es sicher gut, viel praktische Arbeit zu tun. Um auf dem Boden zu bleiben und nicht weggezogen zu werden. Du hast durch deine intuitive Weisheit das richtige Mittel gefunden:

Denn dass man sich zwingt, etwas hier und jetzt ganz genau zu tun, ist wohl das beste Mittel gegens Abheben. Vor allem, wenn man sehr verträumt ist. O.k, wenn man frisch verliebt ist, dann ist Träumen schon in Ordnung. Aber fürs allgemeine Leben ist Träumen nicht so sinnvoll, lieber stattdessen ein bisschen zusammenreißen und tun, was vor der Nase liegt. Eines Tages hast du die alte Gewohnheit gebrochen und dann ist es Inspiration, es ist Begeisterung, alles ist interessant.
Das ist auch ein Fall, wo man keine Mantras benutzen sollte. Denn mit Mantras hebt man auch ab, deshalb sind Mantras gut gegen Störgefühle.

Was kann man tun, wenn sich die Gedanken nur so überschlagen?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Im Allgemeinen sind immer Gedanken da. Zuerst entsteht ein Gedanke und wenn man diesen beobachtet, stellt man fest, dass er einfach weiterläuft wie ein Strom, wie Wellen, die kommen und gehen. Es ist spannend, wenn sie da sind, es ist auch gut, wenn sie nicht da sind.

Man sollte Gedanken nicht zu wichtig nehmen. Gedanken, Vorstellungen und Ideen sind nützlich, wenn man etwas lernen und seine Intelligenz einsetzen muss. Wenn man nicht gerade einer Arbeit nachgeht, die volle Konzentration erfordert, sollte man aber den Gedankenstrom vom direkten Tun abkoppeln.
Wenn man z.B. Fahrrad fährt, denkt man nicht: ,,Jetzt muß ich erst den einen Fuß dahin und dann den anderen Fuß dorthin bewegen und gleichzeitig den Lenker festhalten und in den richtigen Gang schalten usw.“ Sondern man setzt sich einfach aufs Rad, vertraut der Weisheit des Körpers und fährt. Wenn man auf diese Weise tut, was vor der Nase liegt und die Gedanken nebenher weiterlaufen, dann werden die Handlungen spontaner, müheloser und richtiger.
Körper, Rede und Geist enthalten riesige spontane intuitive Weisheit und Energie, du bist ein Buddha, du hast alles in dir, du bist mit allem in Verbindung.
Gedanken sind sehr gut, wenn man sie ein- und ausschalten kann, wie man will. Dann denkt man das, was man mag und schaltet wieder ab, wenn man genug gedacht hat – man ist spontan und mühelos.
Die besten Lehrer für das sind die Surfer an den Küsten von Kalifornien, Hawaii, Australien und Neuseeland. Die liegen im Wasser auf ihren Brettern und es kommen ganz lange keine Wellen, dann kommt eine Welle, die einen nur halbwegs bis zur Küste bringen würde, dann kommt eine, die vielleicht das Brett zerbrechen würde und dann kommt die Richtige und der fröhliche Surfer steht auf und fährt rein. Und er hasst nicht die Eine und hat keine Anhaftung an die Andere, sondern er tut, was möglich ist und wenn wir in der Weise leben, dann kommen bei uns die Fähigkeiten und die Kräfte nach vorne. Da lerne ich ganz viel, auch über Geduld.
Leider ist es sehr schwierig, die Gedanken abzuschalten, wenn sie zu viel werden, aber es gibt ein gutes Mittel, ein Geräusch, das jeder verwenden kann, das auch Milarepa schon angewandt hat. Er sagte die Silbe „peji“ und in dem Moment, in dem man laut oder leise „peji“ sagt, zerstreuen sich die Gedanken und sind weg.
Eine andere Möglichkeit, sich von Gedanken zu befreien ist, sich den Lama oberhalb des Kopfes vorzustellen. Der Lama ist wie aus Wasser und dieses Wasser lässt man in sich hineinfließen, wird auf diese Weise selbst zum Lama, der bei uns immer der Karmapa ist und stellt sich vor, selbst der Karmapa zu sein. Diese Vorstellung versucht man zu halten, so gut man kann.
Wenn wichtige Gedanken hochkommen, die von einer konzentrierten Arbeit ablenken, kann man sich die Gedanken auch aufschreiben. Da wir westlichen Menschen sehr stark auf Geschriebenes reagieren, ist es sehr nützlich, sich mit Hilfe von Notizen nicht vom Wesentlichen ablenken zu lassen.

Wie kann man Unentschlossenheit loswerden ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Denke darüber nach, dass alles miteinander verbunden ist, dass du nicht wirklich getrennt bist von den anderen.

Willst du für andere nützlich sein, dann mache den ganz starken Wunsch, wirklich imstande zu sein, anderen geben zu können,  was sie brauchen. Dann wirst du auch spontan und mühelos das Richtige tun, ohne dabei zu denken, dass du jetzt das für den und den tust. Das ist das Ziel.

Ist Trauer auch ein Störgefühl?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Die drei  Grundstörgefühle sind Unwissenheit, Anhaftung und Widerwillen, aus denen heraus die anderen Gefühle entstehen.

Trauer entsteht aus Dummheit, also aus der Unfähigkeit, die Gegenwart in ihrer Frische erleben zu können. Trauer ist ein Ausdruck des Gefangenseins in alten Bildern, aus denen man sich nicht befreien kann.

Was kann man tun, wenn die Trauer um einen Verstorbenen zu lange anhält ?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Du solltest versuchen, so bald wie möglich über die Trauer hinwegzukommen, weil du in der Trauer einfach keinen Überschuss hast. Anstatt um Menschen zu trauern, die tot sind, kannst du ein paar gute Sachen in ihrem Namen tun.

Mach es wie die alten Germanen: Sie kommen drei Tage nach dem Todestag zusammen und trinken ordentlich auf die guten und starken Taten des Verstorbenen. Auf diese Weise lassen sie die Toten los.
Als meine Eltern gestorben sind, konnte ich mithelfen, dass sie in die Reinen Länder kamen, wo sie geschützt sind und wo es ihnen gut geht. Meine Erfahrung dabei ist, dass ich sie immer noch fühle, dass sie da sind und mit dabei sind und Gutes tun. Lass die Trauer los, sie nutzt keinem.