Tag Archive for “Erfahrungsebene checken”

“Woran merkt man, ob man auf dem richtigen Weg ist oder auf dem falschen?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Dafür gibt es innere und äußere Zeichen. Wenn man auf dem falschen Weg ist, zieht man vielleicht immer wieder schwierige Leute an, die dann auch schwer loszuwerden sind. Man hat nach außen hin eine Art „Energiehaken“, die diese Leute anziehen. Es ist möglich, daß man das aus Mitgefühl tut, doch dann sollte es auch bewußt geschehen.
Das innere Zeichen ist, dass störende Gefühle, wie Neid, Mißgunst, Stolz,Verwirrung usw. stärker werden.

Dass man auf dem richtigen Weg ist, spürt man dadurch, daß man auf der äußeren Ebene Angenehmes anzieht.
Und auf der inneren Ebene fallen störende Gefühle weg und es entsteht mehr und mehr Raum und Freiheit.
Aber der Geist ist König und wir haben selbst die Freiheit, zu entscheiden, was geschieht. Sind wir auf einem schwierigen Weg, können wir entscheiden: „Ich bin ein Bodhisattva und helfe allen Wesen, denen es schlecht geht und reinige ihr ganzes Leid.“

Mit dieser Einstellung kommen wir sicher durch alles durch, lassen das schwere Gepäck stehen und kommen dann flott weiter.

“Wie kann man im Alltagsleben checken, dass man die Dinge auf der richtigen Ebene erlebt?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde hier immer überprüfen, ob es eine gebende Einstellung ist, die meinen Handlungen zugrundeliegt. Wenn man wie ein Radarstrahl ständig Liebe, Mitgefühl und gute Wünsche zu den Wesen schickt, also eine aufrichtige Einstellung hat und denkt: „Möge es den Wesen gut gehen!“, dann kann man gar nicht falsch liegen. Erlebt man doch einmal etwas anderes und jemand verhält sich schwierig oder ist sauer auf einen, so kann man diese Einzelfälle herausnehmen und sich fragen: „Was kann ich hier lernen?“.

Es ist sehr wichtig, einerseits die Schönheit der Dinge erfahren zu können, ihre Frische und Möglichkeiten, doch sollte man auch fähig sein auf der bedingten Ebene die richtigen Schlüsse ziehen zu können.

Vom 15. Karmapa wird sogar gesagt, daß er deswegen kein Mönch blieb und mehrere Partnerinnen hatte, weil er dabei war, völlig abzuheben. Um noch in der allgemeinen Welt die Dinge in die Hand nehmen zu können, brauchte er ein paar physische Erfahrungen.

Solange man in einem physischen Körper ist und durch diesen arbeitet, muß man aufpassen, nicht zu sehr abzuheben. Einerseits ist es wichtig, die letztendliche Wahrheit zu kennen: ,,Alles ist ein Traum, alles ist rein.’’. Andererseits muss man auch die bedingte Wahrheit kennen: ,,Wenn du das isst, dann kriegt du Bauchweh.’’…

“Woran kann man feststellen, dass man so weit ist, frei und aus dem Moment heraus zu handeln und sich dabei auch über gängige Wert- und Moralvorstellungen hinwegzusetzen?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
 Indem man feststellt, dass es keine Störgefühle mehr dabei gibt und dass man sich einfach verhält wie ein Arzt, der sagt: ,,Wenn das Bein nicht amputiert wird, dann stirbt der ganze Mann.’’ Wenn man völlig klar und überpersönlich feststellt, wie die Lage ist und dann ohne Störgefühle zum Besten anderer handelt, dann liegt man sicher richtig. Dann ist der Rest das Karma der Leute.

“Wie kann man checken, ob man gerade klar im Geist ist oder auf irgendeinem Trip?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Du kannst laut die Silbe „Pei“ sagen und dann beobachten, wie sich Dein Geist verhält. Ist dann alles, was du im Geist hattest, über mehrere Straßen verteilt, dann ware s wohl eher ein Trip. Entsteht dagegen noch größere Klarheit, siehst Du noch genauer, was geschieht und bist noch mehr in deiner Mitte, so lagst Du wohl richtig. Dies ist die höchste Ebene, etwas zu checken.

Was man auch machen kann, ist zu prüfen wie es sich anfühlen würde, wenn alles plötzlich auf dem Kopf stünde: Wenn die schönen Frauen, an die du denkst, dich plötzlich nicht mehr mögen würden. Was würde Dein Geist dabei erleben, wie würde er reagieren? So kannst Du prüfen, wie viel eigene Projektion in den Dingen ist und ob Du tatsächlich an andere denkst, an ihre Erfüllung oder ob Du in eigenen Wunschträumen unterwegs bist.

Aber tatsächlich ist das Beste, gar nicht so viele Gedanken und  Vorstellungen aufkommen zu lassen.·Aufpassen, dass die Gedankenprozesse als freies Spiel des Geistes erfahren werden, als sein Reichtum und seine Kraft, und nicht zu Fesseln werden, die einem Arme oder Beine binden. Gedanken sind gute Diener,  aber schwierige Herren. Es sind alles Wellen im Meer. Das Meer ist das Wichtige.

Vielleicht kann man sich ab und zu einen Tagtraum erlauben, um etwas Stress abzubauen, solange man weiß, was es ist. Fängt man jedoch an, es sich als wirklich zu wünschen, dann kommen Hoffnung und Furcht dazu, und es ist nicht mehr schön.