Fragen an den Lama

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Einträge mit dem Schlagwort »“Grenzerfahrungen”«


Ich habe bisher viel Spaß an riskanten Aktionen gehabt, aber nach mehreren Unfällen bin ich jetzt unsicher, ob ich so weitermachen soll oder mich lieber etwas zurückhalten.

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Im Buddhismus gibt es den Ausdruck "kostbarer Menschenkörper". Ein kostbarer Menschenkörper ist ein Körper, der es uns ermöglicht, uns zu entwickeln, zu lernen und zu erleben.
Ich rate deshalb, zunächst innerhalb der eigenen Grenzen zu bleiben. Dann, wenn der Himmel ganz flott und blau aussieht, kann man zum Beispiel einen Tandemsprung riskieren. Hier hat man den Trainer auf dem Rücken, der für einen die Leine zieht, so dass nichts passiert. Den Adrenalin-Flash dabei darf man sich ab und zu gönnen.


Ab und zu über die Grenzen gehen ist sicher sinnvoll, aber wie vermeidet man, dass man mal wirklich zu weit geht?

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Mein Rat ist, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Schritt für Schritt kann man weiter gehen und dabei immer mehr für die anderen tun. Man sollte bei Gelegenheit immer wieder über die eigenen Grenzen gehen, denn das schafft mehr Raum und ist sehr freudvoll. Dabei sollte man aber die nötige Vorsicht nicht vergessen.


Stimmt es, dass man mehr Kraft bekommt, wenn man immer wieder über seine Grenzen geht?

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ein Bodybuilder würde sagen, dass die gewohnte Anzahl an Klimmzügen dazu dient, die vorhandene Muskelmasse zu erhalten, und dass nur die Klimmzüge, die am Ende des Trainings weh tun und schwer fallen, die Muskeln wachsen lassen.


Wenn man beim Motorradfahren so an die Grenzen geht, kann man das nicht auch mit Leichtsinnigkeit verwechseln?

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist doch so: wenn man aus der Kurve fliegt, war man zu schnell, und wenn man nicht aus der Kurve fliegt, dann war man zu langsam. Es gibt diesen feinen Grat dazwischen, je nach Geschmack und Bereifung. Ist es also ein natürlicher Ausdruck der Ganzheit zwischen Maschine, Straße und Fahrer, dann läuft alles von selbst.
Man sollte aber die Finger davon lassen, wenn man nicht in seiner Mitte ist. Also versucht nicht, hitzköpfig irgend etwas beweisen zu wollen, denn das geht immer schief und ist wirklich leichtsinnig.


Hat du beim Fallschirmspringen überhaupt keine Angst mehr ?

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man die Leerheit des Geistes verstanden hat, so wird man furchtlos. Leerheit und Furchtlosigkeit sind untrennbar. Diese Erfahrung tatsächlich machen und überprüfen zu können, hat mir wirklich gut getan. Sie bestätigt, dass ich nicht nur irgend etwas dahinsage und oberflächlich bleibe. Ich habe es ausprobiert, und es stimmt.
Hat man diese Erfahrung erst einmal gemacht, so kann man sich von einer Menge überflüssiger Dinge trennen, das heißt viele Vorstellungen und Konzepte werden Makulatur, man braucht sie nicht mehr. Das ist das Wichtigste dabei.


Du sagst ja immer ,,der Erleber ist spannender als die spannendsten Erlebnisse”. Wie kommt man dahin, diese Erfahrung selbst zu machen?

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Du machst sie in den Augenblicken, in denen Subjekt, Objekt und Tat eins sind, das heißt, wenn es keine Trennung zwischen dem Erleber, dem, was erlebt wird, und dem Erleben gibt. Einen Geschmack dieser Erfahrung hast Du zum Beispiel, wenn Du beim Orgasmus ganz mit Deinem Partner verschmilzt oder im freien Fall beim Fallschirmspringen. Auch, wenn man ganz in Ruhe sitzt, das Kommen und Gehen der Gedanken beobachtet und dabei den Raum zwischen den Gedanken wahrnimmt. Ihr kennt sicher auch die Situationen, wo man an nichts denkt, weil man vollkommen mit etwas beschäftigt ist, sozusagen ganz in einer Sache drin ist.


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