Tag Archive for “Handfestes Eingreifen”

“Soll man eingreifen, wenn man Zeuge einer Schlägerei wird?”

Das kommt darauf an, wie viele es sind, wie ernst es ist und was man selber ausrichten kann.
Man soll aber unter keinen Umständen bei Schlägereien beurteilen, wer die Guten sind und wer die Bösen. Auch wenn ein paar Lümmel mit der Tasche einer alten Dame davonlaufen. Da soll man schon versuchen, die zu stoppen und der Dame die Tasche zurückzugeben. Aber man kann nicht beurteilen, denn die alte Dame hat sicher früher irgendwas mit den Lümmeln gemacht. Alles ist Ursache und Wirkung.

Was man tun kann, ist zu versuchen, die Situation zu beruhigen. Und sich da einbringen, wo man kann. Und da muss man abwägen: Sind es ein paar Betrunkene, die sich schlagen? Ungefähr gleich groß und gleich stark und keiner hat ein Messer? Da muss man sich nicht unbedingt dazwischenwerfen. 

Aber wenn einer deutlich unterlegen ist und der andere brutal ist, oder es sind Waffen mit dabei – dann so schnell wie möglich die Polizei rufen, denn dafür bezahlst du deine Steuern, damit da Hilfe kommt. Wer stark genug ist, kann selber die Leute auseinanderreißen und ein paar Mal gegen die Wand schubsen, bis sie sich beruhigen. Wenn kein Zorn dabei ist, dann werden die Leute wie Wachs in euren Händen. Ihr werdet euch wundern. Sogar der Brutalste gibt nach, wenn man es ohne Zorn tut. Er weiß, das ist höhere Gewalt, und verschwindet.

Man hilft auch durch sein Eingreifen nicht nur dem Schwächeren, denn der andere wird ja auch nicht mehr froh, wenn er den plattgemacht hat..

Übrigens, als Frau kann man sich immer dicht daneben stellen und laut kreischen. Das hilft erstaunlich gut.

“Wenn jemand seiner Umwelt dauernd nur Probleme macht und man denkt, man sollte mal eingreifen: Wie macht man das dann am besten?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es gibt dabei zwei Arten von Menschen, es gibt die Leute, die wissen, dass sie ein Problem haben und die bereit sind, sich zu ändern und dann gibt es die, die man überzeugen muss, dass sie ein Problem haben und denen man Lust machen muss, sich zu ändern. Und wenn die Leute schon entdeckt haben, dass sie charakterlich schwierig sind und dass es ihnen nicht so gut geht, dann arbeitet man mit ihnen. Dann ist man verantwortlich für sie und versucht, sie aus schwierigen Lagen rauszuhalten.

Das sage ich auch immer, wenn jemand mit Beziehungsproblemen kommt und sagt ,,ich gebe die ganze Zeit und ich kriege wenig zurück’’. Meistens sind es Frauen. Ich sage dann  "Schau mal, das Geben können ist toll, aber weiß er, dass er bekommt und wünscht er, auch etwas zu geben?" Und wenn das so ist, dann ist es egal, wie verschlossen der Jüngling auch ist, wenn er lange genug Gutes bekommt, dann wird er auch was weitergeben, denn er ist einfach voll von guten Eindrücken. Wenn man also mit Leuten arbeitet, die offen sind, dann ist es leicht.

Wenn man aber mit Leuten arbeitet, die stören und die nicht zugeben, dass sie stören, dann stoppt man sie erst mal, damit sie sehen, dass die Welt mit ihrem Trip nicht so einverstanden ist. Und wenn sie daraufhin einsichtig werden und was lernen wollen, dann kann man ihnen helfen.
Und wollen sie nichts verstehen und kommt das Ego immer wieder hoch und wird störend, ja, dann stellt man sie nach draußen, dann arbeitet man um sie herum oder an ihnen vorbei und schützt andere gegen sie, bis sie dann irgendwann entdecken, dass es früher besser war, dass sich das Ego vielleicht nicht lohnt und dann sind sie bereit zu lernen.

Solange Du nicht zornig bist, wird das Mittel, das Du wählst, richtig sein. Wenn Deine eigene Einstellung in Ordnung ist, dann ist das, was geschieht, das Karma der anderen. Dann hatten sie halt ein gutes Karma, wenn sie einen an einem einsichtigen Tag getroffen haben und ein schlechtes Karma, wenn sie einen an einem schwierigen Tag getroffen haben. Wer sein Bestes tut die ganze Zeit, der hat keine Schwierigkeiten.

“Man soll ja in den Leuten immer das Beste sehen. Aber wenn sie richtig Ärger machen, was dann?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Dann sollst du daran denken, dass sie Buddhas sind, die es selbst nicht wissen und dann packst du sie dir und stauchst sie zusammen, damit sie besser dazu hinkommen, wo sie auch ihre Buddhanatur erkennen können. Wenn die Leute nicht die Buddhanatur hätten, gäbe es ja gar keinen Grund, mit ihnen zu arbeiten. Aber auch wenn ein Lehrer 30 kleine Genies im Klassenzimmer sitzen hat, dann muss er ja trotzdem auch mal Druck machen und sagen: ,,Bleib auf deinem Stuhl sitzen, kau hier nicht den Bleistift, zieh ihr nicht an den Haaren’’, oder so was. Aber es hat Sinn, weil du siehst,  dass etwas dabei raus kommen kann…

Man muss also einerseits die relative Ebene im Blick behalten, sonst weiß man nicht, was zu tun ist. Aber sieht man nicht die absolute Ebene, die darüber ist, dann macht man Fehler.

“Wie soll man reagieren, wenn andere Leute sich unmöglich verhalten?”

Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das erste, was man checken muss, ist, ob das der eigene Tisch ist oder nicht. Der große Richter heißt bei uns Ursache und Wirkung, man muss sich also als Buddhist nicht um der Moral oder der Gerechtigkeit willen in irgendwas einmischen. Die Leute tun Negatives, wenn sie dumm sind. Und sie werden selbst auch leiden durch das, was sie tun.

Wenn man aber eine Verbindung hat zu demjenigen, der da Ärger macht, und sich für die Situation verantwortlich fühlt, dann kann man schon etwas machen. Man kann sagen: ,,Hör mal, Du Depp, siehst Du, was Du da tust?’’ Es darf aber kein Zorn dabei sein. Ist man zornig, wenn man so was sagt, dann sieht’s immer dumm aus. Die Leute nehmen es persönlich und man macht die guten Verbindungen kaputt.

Stoppst Du einen, der dabei ist, Negatives zu tun, dann ist das gut, aber wenn Störgefühle reinkommen, dann besser aufpassen und sich zurückhalten.
Es ist generell besser, wenn man gute Ratschläge gibt als den Leuten knallhart zu sagen, dass sie dies oder das nicht tun dürfen. Denn wenn sie es weiter tun, dann ist die Verbindung gestört und man kann nicht mehr helfen.

Man lernt auch mit der Zeit, mit solchen Situationen umzugehen. Man wird total unmoralisierend, man versteht, dass es nur um das meistmögliche menschliche Glück geht. Es geht darum, den Wesen so gut wie möglich zu nutzen und zu sehen, dass jeder so gut ist, wie er sein kann.

Man verurteilt nicht, sondern versucht nur zu sehen, ob ein Verhalten in die vorhandene Struktur reinpasst. Und da muss man oft ein paar gebogene Nägel mit reinhämmern und ein Stück Holz, was nicht ganz passt. Das ist halt das Leben. Man muss versuchen, mit den Sachen so umzugehen, dass das, was geschehen ist, kein Leid bringt, und dass das, was in der Zukunft kommt, so wenig Leid wie möglich bringen kann, und dass – wenn möglich – alle aus dem lernen, was geschieht. Alles ist die Kunst des Möglichen, das ist ein Fließen, das ist Offenheit allen Möglichkeiten gegenüber.

Es ist wie ein riesiges Kartenspiel, wie Super-Bridge, die Hälfte der Karten hat man die ganze Zeit im Ärmel, man sieht, was die anderen spielen, man checkt das, reagiert darauf, und der Sinn ist aber, dass die Anderen gewinnen. Das ist ja das besondere Spiel des Lamas, die anderen sollen gewinnen. Und am liebsten sollen sie auch fühlen, dass sie selbst draufgekommen sind, denn sonst werden sie leicht stolz oder sauer.