Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Der Geist ist wie ein Riesenpudding: Wenn man auf die eine Seite des Puddings schlägt, dauert es eine Weile, bis die andere Seiten zu wackeln anfängt. Die Eindrücke, die man im Geist speichert, brauchen einige Zeit, bis sie wieder herauskommen. Aber man kann von Anfang an diese Vorgänge beobachten und dabei die Einstellung üben, mit der eigenen Weisheit den anderen Wesen nutzen und helfen zu wollen. Und man kann den anderen helfen, während man sich selber hilft.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich arbeite auch die ganze Zeit bis an meine Grenzen. Oft komme ich an einem Ort an, sehe alle meine Freunde und will wahnsinnig gerne mit ihnen reden, aber ich weiß, wenn ich mich nicht erst eine Stunde hinlege, dann wird es sehr langweilig, weil ich vor Müdigkeit immer wieder dasselbe erzähle.
Aber es gibt die Möglichkeit, den Schmerz als Energiequelle zu nutzen. Ich habe schon mehrmals einen Vortrag oder etwas anderes nur durchgestanden, weil ich den Schmerz als Antriebskraft hatte. Ich erinnere mich, dass ich einmal einen Vortrag lang ausgedehnt habe, weil die Polizei draußen stand und mit mir über das Auto reden wollte, mit dem ich gekommen war.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wir sind alle Laien und Yogis geworden, weil wir wissen, dass die Störgefühle eigentlich der Rohstoff zur Erleuchtung sind. Das unterscheidet uns von der Hinayana- oder Theravada-Ebene der Mönchen und Nonnen.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Denke immer, dass alles, was du auch erfährst, zum Besten aller Wesen ist. Dann ist es auch auf jeden Fall nützlich. Es gibt Leute, die haben dreimal so viele Gedanken wie du. Indem du aber lernst, wie der Verkehr läuft, kannst du ihnen helfen. Als mein Schüler kannst du dir immer sagen: „Alles Angenehme ist ein Segen! Alles Schwierige ist eine Reinigung und Befreiung und hilft mir, anderen zu helfen!“ Damit liegst Du immer richtig. Mach dir auch klar, dass das Problem früher nicht da war, dass es sich jetzt ständig verändert und dass es sich später wieder auflösen wird. Dann kannst Du es mit Abstand betrachten und Mitgefühl für diejenigen entwickeln, die so etwas ernst nehmen.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn Zorn das größte Problem ist, sollten wir uns wirklich immer wieder zwingen, allen Wesen alles Gute zu wünschen und Mitgefühl zu entwickeln. Wenn Begierde am stärksten ist, sollten wir immer wieder darüber nachdenken, dass alles vergänglich ist, dass wir nichts mitnehmen können, und dass wir statt dessen alle Wesen an der Freude teilhaben lassen sollten, die wir selbst erleben. Und wenn die Verwirrung am stärksten ist, dann sollten wir in dem ruhen, was ist, und jenseits von Begriffen in die Mitte hineingehen. Wenn Stolz am stärksten ist, dann sollten wir wirklich sehen, wie alles bedingt ist und wieder auseinander fällt. Und ist Eifersucht am stärksten, dann sollten wir die Erfahrung wirklich durchziehen und sehen, dass es tatsächlich wie ein Strom von Bewusstsein ist, wie ein Strom Wasser im Meer.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Dazu fallen mir immer wieder neue Ideen ein. Momentan erscheint es mir am sinnvollsten, die Störgefühle als halbfertige Produkte zu betrachten. Was noch brennt oder noch schmutzig ist oder daneben gegangen ist, das holt man nicht aus dem Ofen, sondern wartet auf das fertig geschliffene und verchromte Produkt.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Darin, dass man cool bleibt. Man ruht in seiner Mitte und sieht, wie die Welten entstehen und sich wieder auflösen. „Fool on the hill“, wie Paul McCartney das gesungen hat. Man weiß, dass man sich nicht einzumischen braucht: Die Dinge kommen und die Dinge gehen, früher gab es sie nicht, und später wird es sie auch nicht mehr geben. Aber zur selben Zeit ist man völlig klar und bewusst und weiß, was abgeht. Und man ist natürlich bereit, seine Erfahrung mit anderen zu teilen und sie weiterzugeben. Für die spiegelähnliche Weisheit gilt heute vor allem: Cool sein.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es kommt bei der Betrachtung der Störgefühle sehr stark auf die Sichtweise an. Aus der Perspektive des Adlers ist alles Weisheit, aus der Perspektive des Maulwurfs ist alles Störgefühl. Da nur wenige die Adlerperspektive nutzen, erleben sie Zorn, Eifersucht usw. Aber wenn man nicht auf diese Gefühle eingeht, wenn man sie im Geist entstehen und sich dort auch wieder auflösen lässt, dann entsteht eine ganz neue Dimension, eine ganz neue Erfahrung, so wie Kohlestaub zu Diamanten umgewandelt werden kann.
Die Antwort von Lama Ole Nydahl:
Im Christentum sind Störgefühle Sünde und in anderen Religionen werden sie auch negativ bewertet. Im Diamantweg-Buddhismus geht man aber davon aus, dass die Störgefühle auf dem Weg zu Befreiung und Erleuchtung Rohstoff sind.