Tag Archive for “Partnersuche”

“Funktioniert das, wenn sich in einer Partnerschaft einer für eine geistige Entwicklung interessiert, und der andere nicht?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde sagen, es kommt darauf an. Wenn man sich wirklich liebt und wenn man wirklich wünscht, dass es dem anderen gut gehen soll, dann ist es sehr gut möglich, dass sie meditiert und er unterstützt sie, und sie haben beide Vorteile davon. So lange keine Eifersucht entsteht, weil der Mann plötzlich denkt: ,,Sie entwickelt sich schneller als ich’’ oder ,,Sie denkt mehr an den Lama als an mich’’. Oder die Frau denkt: Ich sitz hier zuhause mit den Kindern und er hat woanders großartige geistige Erfahrungen’’. Da muss man wirklich Freunde sein und zusammen stehen.

Und letztendlich macht menschliche Entwicklung auch süchtig, wenn man das erste Mal daran schnuppert. Und anfängt zu spüren, was da an inneren Möglichkeiten liegt und was wir alle an Reichtümern haben. Da wird man süchtig, erleuchtungssüchtig. Ich würde sagen, auf lange Sicht ist es am Besten, wenn man das teilen kann. Aber tut man es nicht, denkt der Eine so und die Andere so: Dann wird man, wenn man sich bloß darüber freut, dass es ihr oder ihm gut geht, die guten Eindrücke auch selbst bekommen. Und irgendwann wird man dann auch selbst einsteigen können.

Bei uns ist es meistens so, dass wenn der Mann zuerst zum Buddhismus kommt, dann kommt die Frau fast immer sofort mit. Aber wenn die Frau den Anfang macht, dann dauert es oft lange, bevor der Mann kommt. In einem Fall 15 Jahre…

Das heißt, wer dann im Dharma ist, muss teilen und sagen: ,,Ich tu es für uns.’’ Und man kann sich den Partner neben sich vorstellen in der Meditation, und ihn mitmachen lassen in den Übungen. Derjenige, der meditiert, darf den anderen nicht ausgrenzen, sondern wo die Entwicklung ist, muss auch der Partner mit einbezogen werden. Aber es ist schon am Besten, wenn man eine ähnliche Sichtweise hat.

Denkst du, dass multikulturelle Liebesbeziehungen gut gehen können?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich kenne kaum eine solche Verbindung, die gut gegangen ist. Es ist besser, wenn man sich ein bisschen ähnlich ist. Die moderne Psychologie sagt uns ja, dass man nur etwa 20% von dem, was man glaubt wahrzunehmen, wirklich wahrnimmt. Und die restlichen 80% werden ergänzt aus dem eigenen Erfahrungshintergrund, aber auch sehr stark aus dem kulturellen Hintergrund. Vermutlich gilt das eher für Nicht-Meditierende, aber dennoch leben wir alle ein Stück weit in einem Film.

Und wenn man dann einen gemeinsamen Hintergrund hat, was Kultur, Geschichte, Religion, Gene, usw. angeht, dann erlebt man in hohem Maße denselben Film. Man erfährt die Sachen gleich, ob es nun richtig oder falsch ist. Und das macht die Beziehung sehr viel einfacher.
Wenn man aber sehr verschieden ist, dann erlebt man dieselben Dinge total verschieden, und wie groß auch die Liebe sein mag, es ist klar, dass das auf die Dauer nicht gut hält.
Und man sieht ja auch an Amerika, dass die gemischt-kulturelle Gesellschaft nicht wirklich funktioniert. Denn jeder will bei seiner Gruppe sein. In Nepal leben 13 Stämme seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden nebeneinander, auch die mischen sich nicht.
Da ist keine Wertschätzung drin, aber wenn man ungefähr dasselbe erlebt, dann hat man auch etwas, was verbindet.
Aber schau vor allem, wie dein Umfeld reagiert, wenn ihr zusammen kommt: Ob sie sich spontan für dich freuen, oder ob sie erst kritisch schauen und dann höflich lächeln.

“In meinem Leben gibt es gerade zwei Frauen, und ich muss mich jetzt entscheiden. Gibt es eine Methode, um vorauszusehen, welche Beziehung langfristig glücklicher werden wird?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Versuch zu sehen, aus welcher Beziehung etwas Gutes entsteht. Sind deine Freunde froh, wenn sie Euch zusammen sehen? Kommt ihr zusammen ganz natürlich auf Ideen, die irgendwie nützlich sind für andere? Wenn es sich natürlich und entspannt anfühlt, dann versuch, den Weg zu gehen. Wenn die Dinge zu kompliziert sind und wenn man merkt, dass das Umfeld auf die Verbindung angespannt reagiert, da ist man vielleicht wie einer, der an einer Droge hängt.
Es kann zwar sein, dass die Anziehungskraft stärker ist, wenn man sehr verschieden ist. Aber auf lange Sicht kommt nichts Gutes dabei heraus. Es ist schon besser, wenn man eine gemeinsame Basis hat.

“Es gibt ja die Aussage, man solle sich solange wie ein Buddha verhalten, bis man einer geworden ist. Kann man das auch auf die Partnersuche übertragen? D.h. wenn man beim anderen Geschlecht nicht so gut ankommt, soll man sich so verhalten wie der Typ, der man gerne wäre, und irgendwann wird man es?”

Ja, wenn du den Hasen lang genug brüllen lehrst, dann kommt er irgendwann mal als Löwe vorbei. Man muss sich nicht selber begrenzen. Wer immer wieder sagt: "Ich kann nur dies, und das kann ich nicht. Hier ist meine Grenze!", der blockiert sich selbst. Auch wenn man etwas nicht hundertprozentig machen kann, dann behält man den Draufgängergeist und sagt sich: ,,Was ich heute nicht wage, wage ich halt morgen". Das arbeitet auf unterbewussten Ebenen und eines Tages, wenn die Sache reif ist, hat man sie voll in den Händen!

Viele unserer Leute haben sehr große Ansprüche an ihre Partner. Die Frauen wollen z.B. Männer mit einem gewissen Stil, und da gibt’s nicht so viele.
Und wenn man dann aufgibt und sagt, das schaffe ich niemals, und jetzt höre ich auf, mich zu rasieren oder mir neue Klamotten zu kaufen, dann findet man niemals denjenigen. Aber wenn man sein Bestes tut, auch wenn nicht sofort alles klappt, dann sind irgendwann die karmischen Verbindungen da und alles passt. Es geht darum, dass der Geist frisch bleibt!

Wenn die Leute sich selbst begrenzen und klein machen, dann schneiden sie sich von ihrer Buddhanatur und einer Menge Möglichkeiten und Kraft ab. Das bedeutet, dass man immer 80% seiner Energie in die Probleme steckt und höchstens 20 % für die Lösungen übrig hat. Wenn man aber denkt: ,,Klar, hier gibt’s ein paar Schwierigkeiten, aber ich habe ein Ziel und ich komme da hin", der hat 80% bei dem was er erreichen will und nur 20% bei den Problemen, und der kommt dann auch an.

“Wenn man entschlossen ist, sein Single-Dasein jetzt sofort zu beenden und anfängt, die Partnersuche zu forcieren, was passiert dann?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Dann geht man in die Kneipe und begegnet vielleicht einem guten, vielleicht einem zweifelhaften Freund. Es kommt darauf an, ob das Karma passend ist dafür, etwas Beständiges und Dauerhaftes zu finden. Wenn es nicht so ist, dann macht man sich nur Schwierigkeiten, wenn man nach Beziehungen sucht. Es ist wirklich Karma. Es gibt Frauen, die sind vielleicht nicht die schönsten, aber sie haben einen Haufen Männer um sich die ganze Zeit. Und es gibt andere, die sind wahnsinnig schön, aber die werden echt nicht bemerkt. Das wird sehr stark vom Karma bestimmt.

“Ich sehne mich schon lange nach einer Beziehung, aber irgendwie finde ich keinen Partner. Kannst du mir einen Rat geben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist tatsächlich so wie in einem Film, den wir vorgestern sahen: Nichts macht so sexy wie Erfolg. Wenn man dagegen zu offensichtlich unter Erfolgsdruck steht, dann spüren das die Leute. Dann denken sie, ich bin eine Nacht mit ihm zusammen und die nächsten fünf Wochen habe ich ihn dann vielleicht am Telefon und kriege ihn nicht mehr los. Es ist besser, wenn man unkompliziert rüberkommt und so wirkt, als hätte man sowieso genug gute Angebote.

Es muss damit anfangen, dass man erst mal selber Spaß hat, und dann teilt man. Man kann nicht mit all seinen uneingelösten Forderungen an irgendjemand herantreten und vermitteln:"Jetzt brauche ich endlich das und das". Man muss zeigen, dass man selber gut drauf ist und auch anderen Freude bringen kann. Mein Rat ist: Entspann Dich, tu was vor der Nase liegt. Geh ein bisschen in die Disco, schau Dich um, check die Leute‚ aber bleib entspannt. Das ist wichtig.