Tag Archive for “Abgrenzung von schwierigen Leuten”

“Ich habe einen Freundeskreis, dem ich mich immer eng verbunden gefühlt habe. Jetzt merke ich aber, dass ich da raus muss. Wie kann ich die Verbindung im Guten lösen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Am Besten indem man denkt, dass es so am besten für alle ist.. Man denkt: ,,Wenn sie mich stören, kriegen sie auch schlechtes Karma und erst, wenn ich Abstand gewinne, kann ich ihnen richtig helfen”.  Du brauchst es nur vor dir selber zu rechtfertigen. Ihnen sagst du etwas, was so einigermaßen gefühlsmäßig als Begründung gelten kann und dann haust du fröhlich ab. Und je fadenscheiniger diese Begründung ist, desto mehr werden sie gezwungen, ihre eigene Lage unter die Lupe zu nehmen.

Wenn du mit einer großen breiten Erklärung ankommst, mit Punkten und Unterpunkten und warum und weswegen, dann können sie dem auf der allgemeinen Begriffsebene begegnen.
Das Klügste ist, du sagst so etwas wie: ,,Ich habe oft Kopfweh bekommen, wenn wir zusammen waren". So was ganz Feines, Weibliches. Dann fangen sie an zu fragen: ,,Warum?" Aber du bist plötzlich unauffindbar.
Da bleibt etwas, was nagt. Sie werden sich fragen: ,,Was ist jetzt das? Wieso denn Kopfweh? Wieso kriegt man von uns Kopfweh?" Also etwas hinterlassen, was lange kratzt und gräbt. Dann hast du ein gutes Geschenk hinterlassen. Du hast etwas bei ihnen in Gang gesetzt.

“Zur Zeit ist ja Esoterik modern, und viele Leute springen da voll rein und erzählen plötzlich, sie würden Auren sehen und Engeln begegnen. Was hältst du davon?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wir Dänen sind berühmt dafür, dass wir niemals eine starke Regierung oder große, berühmte Leute gehabt haben, denn jedes Mal wenn einer zu groß wurde, fingen alle an, über ihn zu lachen. Das große breite Lachen macht alles platt und die meisten begabten Leute müssen irgendwann das Land verlassen. Ich rede nicht von mir selbst, ich bin gerne in Dänemark…

Ich habe irgendwann ganz unfeierlich entschieden, dass es zwei Arten von Geistigkeit gibt: Es gibt Leute, die bewältigen ihr Leben, erledigen, was getan werden muss und alles läuft soweit ganz gut. Irgendwann einmal entdecken sie, dass 40 Jahre in der Margarinefabrik zu arbeiten und dann mit einer schönen Rede in den Ruhestand entlassen zu werden, um noch 10 Jahre später mit einer noch schöneren Rede begraben zu werden, nicht alles sein kann, was ein Menschenleben zu bieten hat. Und dann fangen sie an, auf der Grundlage eines praktischen Lebens, weitergehende Fähigkeiten und Eigenschaften zu entwickeln. Was diese Leute erfahren, die ihr Leben im Griff haben, die stark da stehen, die nichts beweisen oder entschuldigen müssen, dazu kann man Vertrauen haben. Denen kann man  glauben, was sie sagen.

Dann gibt es aber auch einen anderen Typ: Immer, wenn sie sich einer Anforderung stellen sollen, ziehen sie den Kopf ein und bringen nichts. Sie schaffen dies nicht, sie können das nicht, sie haben nicht den Mut oder nicht den Biss.
Und dann ziehen sie sich zurück von der Welt und schaffen sich ein eigenes süßliches Universum, was keiner richtig untersuchen kann. Und was sie erleben, dazu habe ich überhaupt kein Vertrauen.
Ich schaue sehr darauf, was die Leute schaffen, wie sie sich halten und ob man auf sie bauen kann. Wenn ich denke, dass sie Respekt vor sich selbst haben, dasselbe tun und sagen und darüber hinweg sind, kindische Spielchen zu spielen, dann vertraue ich dem, was sie sagen.

Aber wenn die Leute vor den Anforderungen der Welt weglaufen, da halte ich mich weg. Wenn etwas vergeistigt und ohne Selbstironie ist, nicht über sich selbst lachen kann und irgendwie unklar und süßlich ist, wenn die Sachen nicht ganz verstanden sind, nicht ordentlich ausgesprochen werden, dann stellen sich mir alle Härchen auf und ich denke: ,,Nichts wie weg.’’. Denn das halte ich für ungesund.

“Wenn im Zentrum ein schwieriger Mensch auftaucht, der ziemliche Störungen reinbringt, was soll man mit dem machen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn jemand wirklich nur stört und nichts lernen will, dann muss man versuchen, ihn loszuwerden. Man kann überlegen, ob’s eine andere Gruppe gibt, in die er besser passen würde und ihn dahin schicken. Wenn das nicht geht, dann muss man ihm trotzdem klarmachen, dass er nicht mehr kommen soll.
Denn die Leute bekommen massiv schlechte Eindrücke im Geist, wenn sie im Zentrum aggressiv auftreten und stören. Was man im Zentrum macht, wirkt viel stärker nach innen und nach außen. Man hat große Möglichkeiten, ganz viel Gutes aufzubauen, aber wenn man schräg drauf ist und nur dagegen geht, dann kann man sich auch viel Negatives aufbauen, was zu weiteren Leiden führt. Also bleibt man in dem Fall besser weg.

Außer man wünscht, etwas zu lernen. Dann kommt man hin, öffnet sich und der Buddha nimmt die Schwierigkeiten weg. Aber der Wunsch, sich zu ändern, muss da sein, sonst geht’s nicht.
Es gibt so viele tüchtige Leute, die dafür ausgebildet sind und bezahlt werden, um sich der schweren Fälle anzunehmen

“Wenn man das Gefühl hat, dass Störenergien oder Geister zu einem kommen, inwieweit kann man diesem Gefühl trauen? Warum kommen sie und was kann man dagegen tun?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn du irgendwo hinkommst und hast ein komisches Gefühl, dann musst du dich zuerst selbst checken. Bist du mit dem falschen Bein aufgestanden heute? Ist der schlechte Trip bei dir? Nur wenn du feststellt, dass du dich selbst ganz gut fühlst, aber an einem bestimmtem Platz immer dasselbe komische Gefühl bekommst, dann kann es schon sein, dass es da irgendwelche Störenergien gibt, für die du offen bist oder mit denen du eine Verbindung hast.
Und das beste Mittel dagegen ist tatsächlich Mitgefühl, denn wenn sie kommen, um dich zu stören und du hast Mitgefühl, dann erleben sie das als einen unguten Geruch. Sie können das nicht aushalten und gehen wieder. Wenn sie aber kommen, weil sie Hilfe brauchen, dann kriegen sie auf diese Art Hilfe.

Gute Wünsche machen ist auch sehr gut. ,,Mögt ihr ganz viel Glück haben und alle Leiden sollen euch verlassen’’ oder so was. Wenn du das tust, kannst du sehr viel Gutes tun. Sie können schon mitkriegen, was du tust und denkst, also kannst du tatsächlich etwas für sie tun, wenn du diese Offenheit für sie hast. Aber du musst  auch wissen, dass du ihnen nicht vertrauen kannst. Die Wesen werden nicht klüger wenn sie tot sind. Du kannst nicht auf sie bauen. Nur Wesen, die die Ich-Vorstellung überwunden haben und mehr an andere denken als an sich selbst, nur denen kannst du vertrauen. Mit den anderen kannst du dir ein echtes Mephisto-Ding einbrocken, wie im Faust. Da kann man richtig in Schwierigkeiten kommen.

Deswegen verwenden wir auch im Buddhismus nur diejenigen, die ein Weisheitsauge in der Stirn haben. Das ist das Zeichen dafür, dass sie Bodhisattvas sind, die nur zum Besten Anderer arbeiten.

Deshalb wünsche ihnen alles Gute, aber lass dich nicht weiter mit ihnen ein und mache auch keine Versprechungen.

“Einerseits mag ich meine Eltern und freu mich auf gegenseitige Besuche. Andererseits enden sie oft im Streit. Wie kann ich das vermeiden?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Fahre nicht so oft hin, aber versuche, immer freundlich zu bleiben, wenn du da bist.. Jede Generation hat ihren Lebensstil und wenn man sich begegnet, dann gibt man sein Bestes, das zu überbrücken. Und wenn’s nicht mehr geht, dann fährt man wieder heim und probiert es später mal übers Telefon.
Ab einem gewissen Alter stehen die Leute sowieso unter Museumsschutz und da muss man sich gut benehmen und darf sie nicht zu hart aufrütteln. Man muss checken, ob sie noch was hinzulernen können oder ob man nur noch das abrunden kann, was schon da ist und ein paar gute Eindrücke fürs nächste Leben mitgeben.

Unsere Eltern haben so viel für uns getan und sie haben Europa wieder aufgebaut nach den Kriegen. Wir sind ihnen also wirklich was schuldig. Wir sollen sehen, wie wir ihnen Glück bringen können und versuchen, sie gut zu behandeln. Und ab und zu bedeutet gut behandeln auch, dass man nicht zu oft hinfährt. Sondern stattdessen anruft. Wenn auch das zu Streit führt, dann schreibt man lieber Postkarten. ,,Mir geht es gut und ich denk´ an euch usw.’’. Und dann macht jede Generation ihr Ding.

“Wenn ich verbal angegriffen werde, dann kriege ich immer diese ohnmächtige Wut. Wie kann ich mich wehren, ohne sauer zu werden?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde die Leute ganz schnell auf Glatteis bringen. Wie beim Aikido: Den Schwung des Angreifers einfach umdrehen und ihn damit umhauen. Du sagst: ,,Wie war das? Du, das habe ich nicht verstanden, sag das noch mal.". Und dann müssen sie es wieder sagen, und dann sagst du: ,,Das kannst du doch nicht so meinen, wie meinst du das denn jetzt?". Dann sagst du: ,,Jetzt holen wir den und den dazu.’’. ,,Hör’ mal, sie sagt das und das, was denkst du davon? Und da kommt der Chef, der muss das echt wissen. Hör’ mal, sie hat das gesagt und ich denke so und so und wer hat jetzt recht?"

Du blähst es auf und dann gehst du selbst auf die Toilette, rauchst eine Zigarette und alle Leute sind dabei zu diskutieren, was sie jetzt gesagt hat und warum. Dann kommst du wieder rein und sagst: "Danke sehr, denke ich auch." Und dann gehst du und machst wieder, was du willst.
Sind die Leute unangenehm, bring sie aufs Glatteis und mache es so groß und so peinlich, bis sie nur noch nette Sachen zu dir sagen oder gar nichts.

Aber ohne Zorn. Von einem geschlagen zu werden, der es ernst nimmt und sich aufregt dabei, da hast du immer noch die Ehre, dass du ernst genommen wurdest. Aber einer, der dich noch anlächelt und dann auf Glatteis bringt und dabei noch kommentiert, was du eben jetzt lernst und verstehst durch die Lage – ich sage dir, bei so einem, da versucht man’s nur einmal und dann nicht wieder.

Es gibt natürlich auch Fälle, wo man weiß, dass man sich selbst dumm verhalten hat. Wenn sich dann jemand deswegen beschwert , dann sagt man: ,,Tut mir leid.". Das ist was anderes. Es geht nicht darum, glatt zu sein und alle Vorwürfe zu vermeiden. Denn dann lernt man nichts. Man soll sich sofort entschuldigen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Aber wenn irgendeiner nur aus Bosheit heraus versucht, Ärger zu machen, dann mach denjenigen so lächerlich, dass er es nicht wieder tut. Das wäre mein Rat. Weil das Leben kurz ist und wir keine Zeit haben für Kindergartenspiele. Die haben wir einfach nicht.

“Wie wird man einen aggressiven Mitmenschen los, der einen einfach nicht in Ruhe lässt?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Du solltest es so sehen, dass aggressive Leute im Grunde in einer schwachen Position sind. Ein Mann, dem es gut geht, der muss keinen stören, denn er hat Kraft und Sicherheit genug in sich.
Der Mann hat also ein Problem und es ist nicht dein Problem. Du hast ihn vielleicht in irgendeinem anderen Leben auf den Schlips getreten, aber für dich ist das vorbei. Jetzt stehst du vor einem Menschen, der eigentlich gestört ist.
Dann bist du der Arzt und musst entscheiden, wie die Behandlung aussehen soll. Er ist mit seinem Problem zu dir gekommen, und du hast jetzt zu entscheiden, wie du ihm helfen willst.

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nur eins geht nicht: Du darfst nicht zornig werden. Wenn du zornig wirst, dann bist du auf derselben Ebene wie er, und dann bist du auch schwach und machst Fehler. Das sollst du nicht tun
Du kannst ganz direkt mit ihm reden und sagen: ,,Hör mal, hast du ein Problem? Kann ich dir irgendwie helfen?“.
Die beste Möglichkeit, ihn loszuwerden, ist wahrscheinlich, immer überfreundlich und psychologisch hilfsbereit zu sein:,, Du hast ja dieses Problem, ich habe alles gehört. Wie können wir dir helfen damit?“.

Du redest solange von seinen Problemen, bis er genug von dir hat und einen anderen findet, den er nerven kann.  Wenn du sagst: ,,Ja, ich habe mit meinem Lama über deine Probleme gesprochen“, dann bist du ihn schnell los.