Tag Archive for “Drogen”

“Wie kann man Freunden helfen, die angefangen haben, Drogen zu nehmen und dabei ziemlich überheblich und ausgrenzend geworden sind?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Leuten, die Drogen nehmen, sollte man einfach erklären, dass sie sich zwar subjektiv besser fühlen, aber objektiv schlechter funktionieren. Durch die Wirkung von Drogen lässt die Fähigkeit nach, kritisch zu denken.
Während objektiv ihre Fähigkeiten immer weiter heruntergehen und sie immer weniger schaffen in Schule, Arbeit und Leben, geht ihre Fähigkeit, kritisch zu denken, so schnell runter, dass sie glauben, sie seien gut und würden immer besser.

Das Ego vermeidet Situationen, wo es sich hätte entwickeln können. Man kann immer ganz klar auf die Tatsachen zeigen: Prüfung nicht bestanden, Arbeit nicht geschafft, mit persönlichen Sachen nicht zurechtgekommen.
Man fühlt sich vielleicht gut, aber man ist in einem eigenen Traum drin. Objektiv gesehen geht es demjenigen im Leben nicht besonders gut. Man kann Leuten, die Drogen nehmen, eigentlich erst helfen, wenn sie schon entdeckt haben, dass ihnen die Felle davonschwimmen.

Der Grund, warum wir Leute mit Alkohol und auf Drogen in unseren Zentren nicht nehmen, ist ganz einfach, weil es verschwendete Zeit ist. Denn man redet ja nicht mit den Leuten, man redet mit der Droge.
Kommt einer auf Heroin herein, ist er sentimental. Kommt einer auf Kokain herein, ist er kaltnasig, will alles checken. Kommt einer auf Ecstasy herein, kann er nichts verstehen. Kommt einer auf Amphetaminen rein, dann läuft er dreimal um den Tisch und dann wieder raus. Kommt einer auf Lachkraut herein, sitzt er da und hat viele Gefühle – aber am nächsten Morgen erinnert er sich sowieso an nichts.

Und weil unser Leben so kurz ist und die Zeit so knapp, werden wir sagen, danke, dass du gekommen bist und danke, dass du wieder gehst, und morgen, wenn du verstehen kannst, was wir sagen, dann komme wieder.

“Wie kann man einem Freund helfen, der dabei ist, sich massiv in Schwierigkeiten zu bringen? Er ist sich dessen aber nicht bewusst und lehnt alle guten Ratschläge ab.”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Da gibt es die unmittelbare und die mittelbare Art zu arbeiten. Unmittelbar sagen wir den Leuten: "Hör mal, weißt du, was du mit dir selber machst?" Wir setzen uns ein, so gut es möglich ist. Ansonsten machen wir Wünsche an die Buddhas und sagen: ,,Bitte, bevor er sein ganzes Kapital verbraucht hat, gebt ihm eins auf die Nase, schnell und hart, damit er wieder entdeckt, dass das keine gute Idee war und sich loslösen kann." Wir haben da gute Erfahrungen mit der Tara, dem weiblichen Buddha-Prinzip. Sie kann in einer mütterlichen Weise helfen.

Mahakala ist da vielleicht ein bisschen grob, aber ihn können wir auch nehmen. Ich würde also Wünsche machen, dass sie schnell in Schwierigkeiten kommen mögen, damit sie schnell aufhören können, anstatt sich lange dahinzuquälen. Denn je länger sie dabei sind, desto mehr Masse verlieren sie, und desto tiefer kommen sie in Schwierigkeiten. Wenn die Leute mit dem Kopf gegen  die Wand laufen wollen, dann wäre es wichtig, dass diejenigen, die ihnen normalerweise ein Kissen hinhalten, es ab und an mal wegziehen und "Olé!" sagen. Denn wenn es weh tut, fangen die Leute vielleicht mal an nachzudenken. Sie sollten schon mit ihrem Tun konfrontiert werden.

Mein Bruder hat mit Menschen, die auf Entzug waren, gearbeitet. Er ist sie knallhart angegangen und hat ihren Stolz provoziert. Er hat sie wirklich wie Dreck behandelt, ihnen nur immer ihre Lage voll gezeigt: ,,Schau, was du jetzt bist, schau, was du aus dir gemacht hast". Und bei ganz vielen von ihnen hat er schließlich ein ganz klein bisschen Stolz finden können, und dann konnte er sagen: "Komm, zeig mir, wie du es anders machen kannst." So hat er sie wieder rausgeholt. Aber es ist  schwierig. Schlechte Gesellschaft ist wie Honig. Du kriegst ihn kaum von den Fingern runter.

“Wie soll man mit Leuten umgehen, die neu ins Zentrum kommen und Probleme mit Alkohol oder Drogen haben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde keine große Diskussion darum im Zentrum machen. Die Leute können nur kommen, wenn sie sauber sind und dann kriegen sie, was sie wollen.
Du kannst einen ganzen Abend mit jemandem mit einem dicken Alkohol-, oder Drogenproblem reden, er versteht alles ganz tief und am nächsten Morgen, wenn die Droge nicht mehr wirkt, kann er sich nicht mehr daran erinnern.
Wir bezahlen Steuern für Institutionen, die extra für Leute mit Problemen da sind. Wer zu uns kommt, soll fähig sein zu meditieren und soll den Wunsch danach haben.

Wir sind keine sozialen Einrichtungen. Wenn wir das wären, würden wir uns aufreiben  und könnten den Leuten mit Überschuss nichts bieten.
So, wenn einer einmal besoffen ist, nimmt man das hin, er ist ein Freund, hat er Lachkraut geraucht, auch in Ordnung, solange man Freund ist. Aber Leute mit Dauerproblemen, die gehören nicht ins Zentrum.

“Wie wirken sich Drogen auf den Geist aus?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Drogen, außer LSD, Psilocybin und Mescalin und ein paar ähnliche Drogen vom Amazonas, wirken entgegengesetzt zur Meditation.
Drogen zeigen Dir die Erlebnisse im Geist – Meditation zeigt Dir den Geist selber.
Drogen zerstreuen den Geist – Meditation sammelt ihn. Drogen nehmen und meditieren geht nicht zusammen.

Tatsächlich ist Alkohol, wie verdummend, ungeistig und phantasielos er auch ist, tatsächlich besser, weil man dabei nicht glatt wird. Man benimmt sich einfach dumm, dass weiß man dann auch und  entschuldigt sich, die Leute verstehen und dann ist es vorbei.

Aber mit Hasch ist es anders. Da wird man aalglatt, man verdreht die Sachen, so wie es für einen passt. Man wird älter und nicht klüger. Ich habe selbst sehr viel geraucht, ungefähr neun Jahre meines Lebens wohl fast jeden Tag. Wir haben in den 60er Jahren geglaubt, dass das nützen könnte. Wir dachten das wirklich. Wir hatten ja Leary und Alpert und Huxley und all die wirklich besten Hirne mit uns, die das gesagt haben.

Aber meine Erfahrung mit Drogen-Leuten ist, dass ich unruhig werde, wenn ich mit ihnen zusammen bin. Ich fühle nicht, dass das ankommt, was ich tue. Wenn ich mit Leuten zusammen bin, die trinken, versuche ich, ihnen etwas zu sagen. Aber bin ich mit Leuten zusammen, die Hasch rauchen, schaue ich eher in die Zeitung, denn ich habe das Gefühl, was ich auch sage, es kommt nicht richtig an. Ich würde also raten, wer richtig meditieren will, der sollte aufhören Haschisch zu rauchen. Meditieren lernen ist auch billiger! Und nach einiger Zeit ist es wenigstens ebenso angenehm. Aber es ist halt schwieriger. Du musst es durch eigene Kraft aufbauen. Auf der anderen Seite, was Du dann selbst aufgebaut hast, darauf  kannst Du auch stehen!

“Denkst du, dass Leute wie Aldous Huxley, die sich viele philosophische Gedanken gemacht haben, viel ausprobiert haben und auch mit Drogen experimentiert haben, ihren eigenen Weg zur Erleuchtung finden können?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Aldous Huxley hatte tatsächlich zwei Seiten zur selben Zeit. Er war extrem  hochbegabt. Er war aber auch auf einigen Ebenen ziemlich unreif.  Die ganze Huxley Familie war genial. Es ist so schade, dass ihre Gene ausgestorben sind, weil sie wie so viele andere kluge Leute vergaßen, sich zu vermehren.
Aldous Huxley war einerseits Humanist und hatte andererseits aber auch ein Verständnis von der Wahrnehmung. In seinen Büchern ist viel Weisheit.

Auch was seine  Frau Laura Huxley von seinem Tod erzählt hat, dass  sie gespürt hat,  wie seine Stimme,  als er im Sterben lag, immer weiter in den Raum hinaus hallte, ist  sehr gut  Er ist wenigstens auf eine sehr hohe Bewusstseinsebene gekommen. Wenn aber kein Haken für den Ring da war, ist es unsicher, ob er in ein Reines Land gegangen ist. Es ist eher wahrscheinlich, dass er in einen Götterbereich kam
Aus eigener Kraft in ein Reines Land zu gehen ist schwierig. Man braucht Zuflucht und eine Verbindung zu einem Buddha.

“Wenn man in Verwirrungszustände fällt, nachdem man Drogen genommen hat, liegt das dann nur an den Drogen, oder muss man selbst auch eine Veranlagung dazu haben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es muss schon ein Ring und ein Haken da sein. Ich bin ja aus den 60er Jahren und sehr erfahren mit Drogen. Ich habe meine Examen an der Uni in Kopenhagen geschrieben und war sehr interessiert an allen Möglichkeiten der Geistesentfaltung, bevor ich zum Buddhismus kam.

Also das klare Licht, was man auf LSD sieht, oder den Körper verlassen zu können und das alles, ist völlig toll. Aber nach und nach entdeckt man, dass es gar nicht die Drogen sind, die einen froh machen. Man erlebt die Freuden, die man sonst vielleicht während einem halben Jahr erlebt hätte auf acht Stunden zusammengepresst. Wenn man sich das ein paar Mal geleistet hat, kommen irgendwann die roten Briefe aus der Bank „überzogen!“ „überzogen!“ und dann ist es nicht mehr Freude und Sinn. Dann kann es zu Angst und Verwirrung führen.

Hat man Drogen genommen, ist das der Hintergrund, auf dem man arbeiten kann. Man arbeitet damit und entwickelt sich weiter durch Meditation, wo man ein Fundament legt für alles Weitere. Aber hat man keine Drogen genommen, braucht man das auch nicht nachzuholen.

Ich sage nicht, LSD sollte nicht verwendet werden. Es sollte von Psychologen verwendbar sein in Fällen von extremer Todesangst. Da können tatsächlich Minidosen von 25 Mikrogramm diesen kleinen Klick machen, sodass diese Angst verschwindet. Ich denke LSD sollte in den Händen von guten Psychologen als Werkzeug vorhanden sein, vielleicht auch von Lamas wenn sie Zeit haben. Als Arznei. Aber es sollte nicht freigegeben werden, so dass jeder sich die Birne damit voll haut. Das ist nicht gut. Und schafft man die Entwicklung ohne Drogen, schafft man es durch eigene Kraft und durch Meditation, ist es viel wirksamer. Man schafft etwas Bleibendes. Nimmt man Drogen, ist man oben und landet dann wieder und hat eine Menge Jojo – Erfahrungen, über die man dann klug schwätzen kann hinterher. Aber man hat keine Dauererfahrung. Beim Meditieren legt man einen Stein auf den anderen. Wo man ist, da ist man dann auch wirklich.

“Wie hört man am Besten mit dem Haschisch-Rauchen auf?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Was man wohl feststellt, wenn man mit Hasch aufhört, ist, dass man  vor allem vom Tabak abhängig war. Wenn man fröhlich Tabak weiterraucht, also sich selber gesteht, dass die primäre Anhaftung der Tabak war und nicht das Hasch, dann macht man es sich am leichtesten.

“Wie wirken Drogen aus buddhistischer Sicht? Sind die Zustände, die man erlebt wirklich?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Drogen im Ganzen sind nicht zu befürworten. Der Grund, dass sie starke Erlebnisse bieten, kommt nicht von den Drogen. Grund ist der Geist. Die Erlebnisse entstehen aus unserem Geist heraus. Es gibt nicht eine Droge, die Glück bringen kann. Das einzige, was eine Droge tun kann, ist das Glück, was wir sonst in langer Zeit gehabt hätten, in ganz kurze Zeit zu packen. Dann hat man irgendwann nichts mehr und die schlechten Erlebnisse kommen.

Ich rate dagegen. Auch Haschisch, das mildeste von allen, würde ich nicht nehmen. Zuviel Alkohol auch nicht. Das Beste, was man hat, sind ein klarer Verstand und die inneren Fähigkeiten des Geistes, da würde ich ansetzen. Das ist die beste Droge. Die beste Droge ist eine schöne Frau! Oder die starken Männer. Die beste Droge ist die Liebe.
Wir waren 1963 in Kopenhagen vielleicht 20, 30 Leute. Heute sind 5 übrig geblieben und 2 oder 3 von ihnen haben den Kopf unterm Arm. Von denen, die wirklich durchgekommen sind funktionieren heute 2 oder 3 normal. Der Verlust ist zu groß.

Ich rate wirklich dagegen.

“Kannst du etwas zu deinen Erfahrungen mit Drogen sagen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
In meiner Zeit hatten Drogen eine andere Funktion als heute.  Der geistige Horizont  lag zwei Zentimeter oberhalb des höchsten Turmes in Kopenhagen und nicht mehr als das. Wir hatten vollkommen viereckige Köpfe. Wir wären noch materialistischer geworden als unsere Eltern.  Wir haben viel getrunken und hatten jede Woche drei, vier Schlägereien, weil der Druck so groß war. Es gab keine Vision für unser Leben. Es gab keine Sichtweise.

Die Drogen machten uns menschlicher. Aber  vielleicht 80 oder 90 Prozent von Hannahs und meinen Freunden aus den damaligen Tagen sind heute tot. Wir haben einen hohen Preis gezahlt. Aber so ist es mit den Frontkämpfern. Die fliegen weg. Dann kommen andere Leute nach und besetzen das Land, das die ersten Leute erobert haben.
Es gibt gar keinen Zweifel, dass unser ganzes geistiges Umfeld, unsere Offenheit heute viel größer ist, weil die mutigen Leute in den sechziger Jahren  die gängigen Konzepte durchbrochen haben. Weil sie genug Vertrauen hatten in den Raum des Geistes um durchzubrechen. Heute aber sind Drogen ein alter Hut. Sie sind vollkommen lächerlich.
Als wir Drogen nahmen, waren wir die Avantgarde, die Besten der Gesellschaft, die das nahmen um neue Welten zu erschließen. Heute nehmen es kaputte Kinder, als einen langsamen Selbstmord.  Heute sind Drogen out.

 Es scheint, jede Droge hat eine Zeit, in der sie viele Karmas auslöst. Wenn man z.B. alte Quellen untersucht aus der Zeit, als der Tabak in den Westen kam mit der Eroberung Amerikas, dann war das zu der Zeit ein Halluzinogen. Die Leute, die Tabak geraucht haben wurden oft kotzend dargestellt. Man sieht über ihren Köpfen kleine Sprechblasen, wo alles mögliche Komische drin geschieht. Diese Leute haben voll halluziniert. Und jetzt ist Tabak nur noch schlecht für die Lunge.

Und das heißt: Drogen weg. Die taugen nicht mehr. Meine Generation hat sich umgebracht damit. Das ist auch der Grund, warum heute die Japaner die Halbleiter zusammensetzen und nicht wir oder die Amerikaner. Eine ganze Generation bei uns und in Amerika, die das hätten tun sollen, ist weg . Deshalb ist Ostasien nach vorne gekommen. Sie haben das Drogennehmen unterdrückt, sie haben ihren jungen Leuten diese Freiheit nicht erlaubt.