Tag Archive for “Trennung”

“Warum sind Trennungen eigentlich so schmerzhaft?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Meistens denken wir an Raum als etwas, was uns trennt, als Abstand, ein riesiges Nichts, das zwischen uns ist. Und dann wird Trennung natürlich zu etwas sehr Unangenehmen, denn zwischen uns ist dieses Nichts.

Mein Ratschlag an Euch ist, dass Ihr Eure Empfindung und die Erfahrung von Raum ändert. Buddhisten sehen den Raum als einen Behälter.

Dazu gibt es ein einfaches Experiment: Stellt Euch vor, Ihr hättet die Augen nicht vorne, sondern hinten. Dann würdet Ihr sehen, dass immer viel mehr Raum hinter Euch ist als zwischen Euch. Um Euch herum breitet sich Raum über Lichtjahre hinweg unendlich in alle Richtungen aus. Und wenn Du nicht nur den Raum zwischen Euch siehst, sondern auch den Raum um Dich herum wahrnimmst, so gibt es keine Trennung zwischen Euch. Der Raum ist ein Behälter, in dem Ihr Euch beide befindet.

Ich arbeite selbst auf diese Weise mit meinen Schülern, Zentren und allem, wozu ich Verbindung habe. Ab und zu, wenn ich Zeit habe, dann sehe ich Landschaften und Städte wie auf einer Landkarten vor mir. Ich spüre die Orte um mich herum. Ich kann nicht genau sehen, was die Menschen dort im einzelnen tun, aber ich spüre die Schwingungen und weiß, was sie erleben. So verwende ich Raum.
Raum verbindet. Raum ist Information.

“Wie soll man entscheiden, bei wem die Kinder bleiben, wenn man sich trennt?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Bei der Wiedergeburt als Mensch wird man weiblich, wenn man die stärkere karmische Verbindung zum Vater hat, und männlich, wenn man die stärkste Verbindung zur Mutter hat. Das heißt, grundlegend fühlen sich Mädchen zum Vater und Jungen zur Mutter hingezogen.

Dies kann sich im Laufe des Lebens aufgrund anderer Karmas, die sich entwickelt haben, ändern. Ich halte es für das Einfachste, wenn die Kinder zu dem Elternteil gehen, der einen neuen Partner gefunden hat, der eine gute Verbindung zum Kind hat, besonders dann, wenn einer der Eltern keinen neuen Partner findet. Familie ist sicher besser als ein alleinerziehender Elternteil, außer die Verbindung zu diesem Elternteil ist besonders stark.

In den meisten Fällen rate ich zu der Großfamilie, wie die Nepalesen sie uns vorleben. Das heißt, die ehemaligen Partner schaffen es zusammen mit ihren neuen Partnern, dass aus einer Familie zwei Familien entstehen, mit denen die Kinder eine gute Verbindung halten können. Wichtig dabei ist, dass die ehemaligen Partner einander gegenüber keinen Zorn empfinden oder Wut, weil sie verlassen wurden. Beide müssen zufrieden sein, wenn sie auseinander gehen.

“Was kann man tun, wenn man sich im Guten trennen will, aber der Partner klammert sich an einen und will nicht loslassen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das Beste, was Du tun kannst, ist den Partner zur Meditation hinzuführen. Du erklärst ihm das Folgende: Alles was Du bei mir siehst, ist nichts anderes als Dein eigener Reichtum. Du kannst nur gute Eigenschaften bei mir finden, weil Du sie schon in dir hast, und jetzt zeige ich Dir, wie Du Dir diesen ganzen Reichtum holen kannst, ohne die Schwierigkeiten mit mir ertragen zu müssen. Dann zeigst Du ihm die 3-Lichter-Meditation und empfiehlst ihm, ins Zentrum zu gehen. All das hilft ihm, selbständig zu werden, und dann kannst Du Dich langsam von ihm lösen, ohne dass es ihm weh tut.

Ist der jeweilige Partner nicht an Meditation interessiert, dann rate ich meistens zu schauen, ob im näheren Umfeld nicht vielleicht der eine oder andere Mann oder die eine oder andere geeignete Frau ist, die sich für den Partner interessiert. Kann man das tun und funktioniert es, dann ist das sehr hilfreich. Ich habe fast immer für meine früheren Freundinnen einen Nachfolger gesucht, der dafür sorgen kann, dass alles gut ging und sie glücklich wurden.

Ein Lehrer kann das natürlich leichter tun, aber man kann es in allen Fällen versuchen. Die Partner sollen sich so gut fühlen wie nur möglich, dafür trägt man die Verantwortung.

Manchmal ist es nötig, dem anderen zu sagen, dass er sich wie ein Kind benimmt und man den Respekt vor ihm verliert, weshalb es besser ist, die Beziehung zu beenden, damit man den anderen und die Beziehung in guter Erinnerung behalten kann. Dies muss man dann aber auch ehrlich meinen. Anschließend kann man dem anderen empfehlen, selbständig zu werden und zu lernen, auf den eigenen Beinen zu stehen, und lässt vielleicht die Möglichkeit offen, die Beziehung danach wieder aufzunehmen.

Wird der Partner zornig und verliert die Beherrschung, dann ist es besser, wegzugehen und sich nicht auf diese Ebene zu begeben. Es ist wie beim Diskutieren. Wenn der eine schreit und Du schreist mit, dann bist Du in jedem Fall der Verlierer. Rede im Gegenteil ganz leise, so dass der andere aufhören muss zu schreien, um zu verstehen, was Du sagst. Schreien ist in jedem Falle dumm.

Wird der andere sogar gewalttätig, dann rufst Du die Polizei. Wir haben einen riesigen Sozialapparat, der sich solcher Sachen annimmt. 50% Deiner Steuern gehen da hinein, und Du kannst das ruhigen Gewissens in Anspruch nehmen.

“Wenn man früher mal eine Beziehung hatte, in der viel ungute Sachen passiert sind und die im Streit auseinandergegangen ist, kann man da im Nachhinein noch was tun, um die schlechte karmische Verbindung aufzulösen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich kenne nur eine gute Weise, eine Beziehung aufzulösen, nämlich wenn beide reich davongehen. Ist irgendwo ein Minus dabei, dann wird keiner frei. Man muss sich also von vornherein daran gewöhnen, dem früheren Partner bzw. der früheren Partnerin die ganze Zeit alles Gute zu wünschen. Macht einfach aus Prinzip gute Wünsche, gebt alles Gute und seid beim Teilen von Hab und Gut wirklich großzügig. Ausnahme ist natürlich, wenn das vom anderen ausgenutzt wird, denn da fördert Ihr schlechte Eigenschaften beim anderen, und da sollte man durchschneiden.

Aber wenn zwei moderne, humanistisch eingestellte und begabte Menschen sich trennen, weil die guten Karmas verbraucht sind und man eine Durststrecke hat, oder wenn die guten Karmas sich noch nicht neu geschaffen haben, dann würde ich empfehlen, Euch so zu trennen, dass Ihr beide gewinnt. Euch beiden sollte es hinterher gut gehen und Ihr solltet Freunde bleiben. Gefühle von Verlust und Einengung sollten nicht damit verbunden sein, denn dann trägt man all das Schwierige, das man erlebt hat, weiter mit sich.
Ist es länger her, dann wünscht man dem anderen einfach auf Abstand das Beste.

“Wie geht man am besten mit einer Trennung um?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ganz wichtig ist zu verstehen, dass man bei einer Trennung die gemeinsamen Jahre nicht zurück erhält. Man sollte deshalb von vornherein entscheiden, dass sie ein Erfolg waren.

In einer Beziehung gibt es immer Wachstum oder Reinigung. So hat man hat viel Gutes geteilt, wie z.B. Einweihungen, und diese gute Energie zwischen Euch gilt es unbedingt zu behalten, dem anderen das Beste zu wünschen und damit zu arbeiten. Dann sind Scheidungen keine mehr, dann kann die ehemalige Frau zur Schwester, Mutter oder Tochter werden, und der Mann wird statt Liebhaber zum Bruder, Vater oder Kind.

Auch lernt man in einer schwierigen Verbindung viel, was in der Zukunft nicht wiederholt werden muss.

Habt Ihr Schmerzhaftes erlebt, dann denkt daran, dass sich hier gemeinsames Karma auflöst. Vielleicht hat man dem anderen in früheren Leben etwas ähnliches angetan. Das Prinzip von Ursache und Wirkung funktioniert für uns und für die anderen zu jeder Zeit. Vollbringt man eine leidbringende Handlung, so bekommt man hinterher bestimmt Schwierigkeiten.

Und damit nicht neues Leiden entsteht, ist es ganz wichtig, keine neue negative Verbindung zu schaffen, indem man im Zorn auseinander geht. Sonst begegnet Ihr Euch in kommenden Leben immer wieder und wiederholt dieselben Fehler.

Macht bitte immer gute Wünsche für den anderen, denn sie helfen sowohl Euch wie auch dem anderen bei einer Trennung sehr. Wie schlecht man auch behandelt wurde: Der Kluge vergibt und schneidet ab. Dann ist keine Verbindung mehr da. Beide Partner können sich immer dafür entscheiden, sich auf das zu konzentrieren, was gut war, und das hervorzuheben, was sinnvoll war. Man schafft sich den eigenen Himmel und die eigene Hölle.

“Wie kann man herausfinden, ob aus einer eher lockeren Beziehung etwas Dauerhaftes entstehen kann?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Mein erster Rat ist, aufzupassen, nicht schwanger zu werden. Denn dann kann die Beziehung wirklicher und näher werden, als man wünscht.

Der zweite ist dann zu prüfen, welche Art von Verbindung entsteht. Entwickelt sich Zeitloses, das heißt geistige Interessen oder auch der Wunsch, dem anderen oder gemeinsam anderen zu nutzen, also etwas Überpersönliches, so ist es nichts Bedingtes oder eine Verbindung auf Zeit. Eure Beziehung wird Euch und anderen immer nutzen und helfen.

Bleibt es dabei, gemeinsam Fußball zu schauen oder ins Kino und schön essen zu gehen, dann baut Ihr nichts Dauerhaftes auf, und es wird nicht lange halten.

“Was soll ich tun, wenn ich mich von meinem Freund trennen will, da sich die Beziehung über längere Zeit hinweg immer weiter verschlechtert, ich aber weiss, dass ich ihm damit sehr weh tue?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn die Beziehung strukturell oder in der Entwicklungsrichtung nicht stimmt, so möchte ich höchste englische Nachkriegsprosa zitieren: William Somerset Maugham sagt, eine Beziehung ist vorbei "ab dem Zeitpunkt, wo Du nicht mehr ganz natürlich die Zahnbürste des anderen verwenden würdest." Das ist für mich der Knackpunkt in der Liebe. Solange Du das noch tun kannst, ist die Grundlage der Beziehung in Ordnung.

Kannst Du das aber nicht mehr tun, dann ist sie vorbei, und Du ziehst Dich am besten freundlich zurück. Beende das Verhältnis so gut wie möglich, damit man sich auch in künftigen Lebenszeiten als Freunde begegnen kann. Es nutzt weder ihm noch Dir, wenn Du aus mütterlichen oder beschützenden Gefühlen heraus an der Beziehung festhältst. Der Streit, der danach kommt, ist zehnmal schlimmer.

Opfere nicht die schönsten Jahre Deiner Jugend für jemanden, der nicht offen ist oder mit dem Du nichts teilen kannst. Du vertrödelst ein Jahr nach dem anderen und denkst an den schönen Hans, während Du mit Erich im Bett bist. Sei Dir selbst gegenüber ehrlich. Es hilft auch ihm nicht, denn er wird dadurch nicht mit Situationen konfrontiert, in denen er Stellung nehmen muss. Er bekommt dann keine Gelegenheit, ein besserer Mensch zu werden.

“Mein Mann hat sich mit seinen Eltern gegen mich verbündet, und alle nörgeln nur an mir rum. Ich will eigentlich weg, fürchte aber, dass sie die Kinder schon so beeinflusst haben, dass sie nicht mit mir kommen wollen. Kannst du mir einen Rat geben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das, was ich Dir jetzt antworte, klingt vielleicht wild, aber ich möchte gerne ein paar neue Gedanken hineinbringen, sozusagen ein paar Tasten zum Klavier hinzufügen, damit Du über mehr Möglichkeiten verfügst. Vielleicht wählst Du das Übliche, das heißt die Auseinandersetzung mit Deinem Mann und den Schwiegereltern oder was auch immer. Ich möchte Dir jedenfalls ein größeres Spektrum an Gedanken bieten. Du kannst dann entscheiden, was Du tun willst. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man so wenig wie möglich leiden und auch so wenig wie möglich Leiden verursachen sollte.

Ich schlage vor, dass Du Dir Dein eigenes Leben mit Deinen eigenen Freunden einrichtest. Nimm Deinen Mann wie das Wetter, das Du nicht beeinflussen kannst: Wenn es regnet, wächst wenigstens das Korn, und scheint die Sonne, dann ist es schön. Das heißt, genieße das, was Du haben möchtest, und schlucke das hinunter, was Dir nicht gefällt.

Macht er Dich vor anderen schlecht und benimmt er sich unmöglich, dann setz ihn vor die Tür. Jeder Tag ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens. Man sollte sich nicht mit schwierigen Sachen unnötig aufhalten. Kinder sind lieber mit der Mutter alleine, als dass sie hören, dass der Vater ständig von der Mutter schlecht redet.

Wollen die Kinder nicht mit Dir kommen, dann sieh das als Vorteil. Du kannst neu anfangen und Dir ein anderes Leben aufbauen. Die Kinder kommen dann, wenn sie alt genug sind und selbst denken können.

Irgendwann hat Dein Mann etwas vor und kann die Kinder nicht bei den Großeltern lassen. Dann bittet er Dich vielleicht, sie ein Wochenende zu nehmen.

Die Kinder bleiben besser an einem Platz, bis sie selbst denken können. Mit drei, vier Jahren wissen sie schon sehr gut, was sie wollen. Lassen sie sich von den Schwiegereltern kaufen, die viel Geld haben und alles für sie tun können, dann ist das eben ihr Karma, welches möglicherweise stärker ist als mit Dir, und dann bist Du wenigstens sicher, Dein Bestes getan zu haben.

“Kannst Du etwas sagen über Trennungen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es wird gefährlich, wenn in einer Partnerschaft das tiefe nahe Vertrauen fehlt und man nicht mehr die Zahnbürste des anderen benutzen kann. Hier muss man sich selbst gegenüber kritisch sein: Kann man dem anderen nicht mehr in die Augen sehen und findet beim ihm nur Fehler, dann ist es Zeit, sich nach einer Beziehung umzuschauen, in der man sich besser entwickelt.

Aber falls es möglich ist, so sollten wir alles dafür tun, dass keiner allein bleibt und nach einem Nachfolger suchen. Vielleicht interessiert sich irgendein Freund oder eine Freundin für den ehemaligen Partner – in Dänemark machen wir das jedenfalls so. Dies bedeutet, konkrete Verantwortung für den Partner zu übernehmen. Ziel sollte immer sein, dass keiner verliert, was z.B. auch im Rahmen einer Großfamilie denkbar ist.

Bei Trennungen ist es ganz wichtig, als Freunde und mit guten Gefühlen auseinander zu gehen! Der Grund für eine Trennung ist oft, dass man bei dem anderen Fehler findet – dabei hat man selbst ein Problem, das in jeder Beziehung und mit jedem Partner nach einer gewissen Zeit wiederkehrt. In solchen Fällen sollte man sich selbst genau anschauen und prüfen.

Geht man nicht als Freunde, sondern im Zorn auseinander, so verknüpfen sich die Informationen und die Weisheit, die man in der Beziehung entwickelt hat, mit Widerwillen. Dadurch verbaut man sich den Zugang dazu. D.h. viele Jahre der Entwicklung und Erfahrung sind irgendwie im Computer verschwunden und man kommt nicht dran.
Geht man aber als Freunde auseinander, dann hat man immer Zugang zu aller Erfahrung und all dem Gelernten. Es ist dann nicht mehr nötig, dasselbe Spiel mit anderen zu wiederholen.

Auf jeden Fall ist es sehr wichtig, dass Ihr Euch gegenseitig immer das Beste wünscht, wenn Ihr Euch trennt!

“Wenn die Beziehung zerbricht, soll man dann zusammenbleiben wegen der Kinder?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist eine Frage davon, wie gut das Verhältnis der Partner ist.
Eltern mit zerknirschtem Gesicht ohne Freude, die sich als Opfer fühlen, weil sie irgendwann einmal Kinder zusammen bekommen haben – das tut keinem gut. Das ist meiner Meinung nach Lebensflucht. Damit fühlen sich sowohl die Partner wie auch die Kinder nicht gut. Kinder kommen besser mit einem alleinerziehenden Elternteil zurecht als mit Eltern, die sich streiten und vielleicht die Kinder gegeneinander ausspielen. Sie können so wahlweise einmal mit dem einen Elternteil zusammensein und dann mit dem anderen.

Sind die Kinder klein, versucht man am besten, zuerst einmal zusammenzubleiben. Wenn es aber nicht funktioniert, dann geht man besser auseinander und kleistert nicht zusammen, was nicht zusammen gehört. Man darf nie vergessen, gut voneinander zu reden, und dazu ist Abstand nötig.

Manchmal kommen Menschen nur aufgrund gemeinsamer karmischer Schulden zueinander. Sie lieben sich in einer heißen Sommernacht, die Frau wird schwanger und bekommt das Kind, und all das, weil alte karmische Schulden an ein anderes Wesen zu zahlen sind. Dann muss man damit arbeiten, so gut es geht, und deswegen nicht alle, jeden und sich selber unglücklich machen.

Ich würde prüfen, ob der Partner mein Freund ist, ob wir uns zusammen entwickeln und uns Gutes wünschen, oder ob er mich immer nur in einer begrenzten Rolle sieht. Auf dieser Grundlage kann man dann entscheiden, was man tun möchte. Dies ist nur ein Leben unter zahllosen Lebenszeiten. Und weil es das ist, muss man auch über dieses Leben hinaus denken. Was auf lange Sicht hinaus zählt, ist die Entwicklung.

Für die geistige Entwicklung der Partner und der Kinder ist es sicher gut, wenn beide Eltern da sind, um sich die Arbeit zu teilen. Ein Elternteil kann z.B. auf die Kinder aufpassen, während der andere Zeit hat für Meditation. Dadurch muss man überhaupt nicht selbst zurückstecken und kann sich sogar gut entwickeln, was dann wiederum allen nutzt.

“Warum haben wir im Westen so oft Probleme mit unseren Beziehungen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist richtig, dass Beziehungsprobleme häufig sind, und die Scheidungsziffern sind hoch. Die Gründe dafür sind vielfältig. Früher gab es noch keine staatliche Sozialhilfe, deshalb war man auf die Großfamilie angewiesen und musste zusammenhalten. Für Frauen gab es keine Berufsausbildung, und oft war ihnen nicht gestattet, eigenes Vermögen zu besitzen. Eine Frau ohne Familie konnte deshalb nicht alleine leben, und so blieben Menschen zusammen, die sich hassten. Heute springt der Staat ein, die Freiheit ist dadurch größer geworden und die Leute sind nicht mehr wirtschaftlich voneinander abhängig.

Auf der anderen Seite bringt die gewonnene Freiheit auch Nachteile. Wechselt man den Partner, so erlebt man mit dem Neuen meist die selben Schwierigkeiten wie mit dem Vorherigen, denn es sind nur die eigenen Störungen, die jedes Mal hochkommen. Es wäre besser, die Schwierigkeiten gleich beim ersten Mal aufzulösen.
Zudem ist das Verbrauchsdenken heute sehr verbreitet. Autos und Kleider z.B. werden ganz bewusst so gemacht, dass sie schnell aus der Mode kommen und man spätestens in ein paar Jahren etwas anderes haben will. Auch sind die hergestellten Dinge nicht mehr so lange haltbar wie früher, sie gehen schneller kaputt. Und wenn Dinge leicht auszutauschen sind, dann liegt es, denke ich, auch näher, Menschen und Partner oft auszutauschen.

Eine wirkliche Schwäche in den heutigen Beziehungen ist die Erwartungshaltung dem Partner gegenüber und die Einstellung: ,,Was kann ich bekommen?”. Es ist besser zu denken: ,,Was kann ich geben?”. Der Raum ist endlos, und wer immer gibt, der wird immer reicher. Holt man ständig Wasser aus einem Brunnen, so ist das Wasser immer frisch. Wer nimmt und bewahrt, der wird immer ärmer. Schaut der in seinen Brunnen, dann liegen da fünf tote Frösche und sonst nichts. Wenn Ihr sagt, ich muss immer geben, dann sage ich, seid froh, gebt mehr, zeigt Eure Größe, seid unbegrenzt und erwartet nicht irgendetwas zurück. Denn es geht nur darum, spontan und mühelos zu sein. Erleuchtung ist nichts anderes, als aufzuhören, etwas zu hoffen, zu fürchten und zu wollen.

In dem Augenblick, wo der Geist spontan und mühelos ist und ohne jegliche Erwartung und Befürchtung in sich ruht, dann zeigt sich alles. Das ist wie bei einer Tasse Kaffee, in der zunächst alles trüb erscheint; aber wenn die Tasse nicht mehr geschüttelt wird, kann man bis auf den Grund sehen. Der folgende Vergleich bedient ein Klischee – die Damen mögen mir verzeihen -, aber man vergisst ihn deshalb auch nicht: Will man erleuchtet werden, so ist das, als wolle man eine schöne Frau kennen lernen. Läuft man ihr nach, holt sie die Polizei, aber parkt man seinen BMW vor ihrer Tür und legt ein dickes Scheckheft auf das Autodach, dann kommt sie von selber. Und so ist es auch mit der Erleuchtung: läuft man ihr nach, kriegt man sie nicht, aber entspannt man sich im Hier und Jetzt, dann kommen die Sachen von selber.