Tag Archive for “Kinder”

“Ich lernte eine wirklich tolle Frau kennen. Sie ist keine Buddhistin und hat sich auch noch nie damit beschäftigt, aber sie ist sehr offen. Nach einer Trennungsphase, in der sie auch mit einem anderen Mann zusammen war, bekam ich die Nachricht, dass sie schwanger ist. Ich war sehr erfreut darüber und auch sie wünschte sich schon seit langer Zeit ein zweites Kind. Wir sind jetzt wieder zusammen. Da meine Freundin momentan vom anderen potentiellen Vater Druck bekommt, ist sie sehr verwirrt und auch verängstigt. Jetzt hat sie sich vorgestern überlegt, das Kind abzutreiben.”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Allen Dank für Dein Mail aber Du kannst ihr im Falle einer Abtreibung nichts versprechen. Es ist meine jahrelange Erfahrung, dass ein abgetriebenes Kind nachher zwischen den Eltern stehen bleibt und dass die Beziehung sicher kaputt gehen. Bei einer (offenen?) Adoption sieht es aber umgekehrt aus. Die Eltern teilen dort sicher etwas Gutes.
Grüße die Dame sehr, und sage ihr dass Kinder einen Geist haben.

“Ich finde es schlimm, was heutzutage für gewalttätige Sendungen im Kinderprogramm laufen. Meinst du nicht, dass das den Kindern schadet?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ausgesprochenen Sadismus würde ich Kinder nicht ansehen lassen. Zum Beispiel, dass jemand wirklich Spaß daran hat, dass andere leiden. Aber dass gekämpft wird und ein paar Monster kommen und gehen, ist wohl nicht so schlimm. Wenn es nicht pervers, sondern nur spannend ist, haben Kinder wohl keine Schwierigkeiten damit. Wenn es sexuell pervers ist, würde ich es Kindern nicht zeigen.

Meine Identifikationsfiguren als Kind waren die Nordländer, die Wikinger. die durch die Welt fuhren und überall alles kurz und klein geschlagen und erobert haben. Ich denke, das war nicht schlimmer als das, was sie heute in Filmen zeigen. Vielleicht haben sie jetzt ein bisschen mehr Farbe.

“Wenn man als Buddhist von Freunden gebeten wird, christlicher Taufpate für ihr Kind zu sein, soll man das machen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich denke, man muss ehrlich sein zu sich, den Freunden und dem Kind. Wenn man bei der Taufe versprechen muss, das Kind zum christlichen Glauben zu führen, dann würde ich persönlich das nicht tun.
Wenn man es aber so sehen kann, dass dieses Versprechen bedeutet, das Beste für das Kind zu wollen und es darin zu unterstützen, dann kann man es schon machen.
Es gibt ja auch verschiedene christliche Kirchen mit verschiedenen Taufritualen. Ihr müsst selbst entscheiden, ob ihr das mitmachen könnt.

“Meine Kinder schlagen sich oft. Dadurch werde ich auch zornig, greife ein und bedaure es dann hinterher.”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn sie nicht gleich groß und stark sind, dann darfst du nicht erlauben, dass eines zum Opfer und eines zum Tyrannen wird. Dann bringst du sie auseinander. Sind sie aber gleich groß und balgen sich gut und fröhlich, dann ist das voll in Ordnung. Aber du darfst nicht erlauben, dass ein Größerer regelmäßig einen Kleineren unterdrückt. Solche Gewohnheiten soll man nicht unterstützen.

Wenn du die beiden trennst, solltest du dabei allerdings nicht zornig werden. Du kannst dich daran erinnern, dass das eine alte Gewohnheit ist und dass sie sich im letzten Leben vermutlich umgekehrt gekloppt haben. Du darfst keine zusätzliche Gewalt reinbringen. Mach deutlich, dass gewalttätiges Verhalten niemals gut ist – und trenn sie in diesen Situationen. Das ist wohl das Beste.

“Seit meine Töchter viel allein rumziehen, mache ich mir oft Sorgen, dass ihnen was passieren könnte. Was würdest du raten, soll man ihnen das verbieten, oder soll man sich darauf verlassen, dass Dharma-Kinder einen besonderen Schutz haben?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das ist schwer zu sagen. Die Zuflucht bedeutet schon einen wirksamen Schutz, aber man hat auch alte Verbindungen von vielen Lebenszeiten. Wenn eine Stelle wirklich gefährlich ist, dann musst du sagen: „Geh nicht da hin“. Dein Kind muss wissen, dass es sonderbare Leute gibt, die junge Mädchen mögen und alles Mögliche mit ihnen machen. Da muss sie schon aufpassen. Du kannst aber nur begrenzt etwas für sie tun. Sie muss selber mitarbeiten, mitdenken und aufpassen. Da hat sie auch eine Verantwortung für sich.

Wenn du ihr gesagt hast „hör mal, pass auf und tu das nicht“. Und sie sagt, „ich hab keine Angst, ich tu das trotzdem“, dann kannst du nicht mehr tun. Du kannst ihr keine Handschellen und keine Videokamera umbinden.

“Ich bin immer wieder unsicher, ob ich meinen Kindern nur meine buddhistische Weltanschauung vermitteln soll oder auch die christliche, und ob sie mehr Probleme kriegen, wenn sie in den Religionsunterricht gehen und vielleicht verwirrt werden, oder wenn sie nicht hingehen und als Außenseiter dastehen. Was meinst du dazu?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das ist schwer zu sagen. Aber wenn man tut, was man selbst für richtig hält, dann ist der Rest das Problem der anderen. So halte ich es immer. Das ist viel leichter.
In Mitteleuropa hat die Kirche viel Macht, aber ich würde mich davon nicht zu sehr beeindrucken lassen.
Besser die Kids schlagen sich ein paar Mal vor der Schule, als dass ihr Kopf so getrimmt wird wie bei all den anderen und sie darunter vielleicht leiden. Vielleicht ist es auch klug den Kindern freizustellen, welchen Weg sie wählen.

“Eigentlich müssten doch gerade Buddhisten in den westlichen Ländern viele Kinder bekommen, weil es doch etwas sehr Gutes ist, einem Bewusstsein eine so aussichtsreiche Wiedergeburt zu ermöglichen?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Abgesehen von den Mönchen und Nonnen, kann man – mit freudvollem Sexualleben – auf zwei Weisen leben. Als Yogi mit mehr Konzentration auf die Entwicklung und die Arbeit oder als Laie mit Kindern. Bei beiden Wegen kann man erleuchtet werden.
Bei den Laien geht es ein bisschen mehr darum, dass man gut funktioniert und in der Weise ein gutes Beispiel gibt. Als Yogi hat man mehr die Funktion, bei den Leuten feste Ideen und Vorstellungen aufzulösen, damit sie eine freie Sicht auf die Welt haben. Welcher Weg der richtige ist, hängt auch davon ab, wie viele karmische Schulden man hat.
Einige Damen werden schon schwanger, wenn sie an einer Herrentoilette vorbeigehen. Das sind diejenigen, die viele karmische Schulden, viele Versprechen haben und vielen Wesen ein Leben schuldig sind.

Mit den Mitteln, die wir haben, kann man beide Wege praktizieren. Ich freue mich über buddhistische Familien, es ist toll, dass es sie gibt. Aber ich bin auch froh über buddhistische Yogis, die mehr Energie für die Praxis haben.
Im tibetischen Buddhismus spielt die Mutter ja auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Mitgefühl. Man fängt an daran zu denken, was die eigene Mutter für einen getan hat, als man klein war. Dann denkt man daran, dass sie nicht nur in einem Leben Mutter gewesen ist, und dann geht man weiter und erkennt, dass alle irgendwann einmal „Mutter“ für mich gewesen sind. Aus dieser Liebe und Dankbarkeit der Mutter gegenüber, entwickelt sich dann das ganze Mitgefühls-Mandala, der ganze Mitgefühls-Palast.

“Warum haben Buddhisten so wenig Kinder?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist schwieriger zu praktizieren mit Kindern. Es ist leicht, Geduld zu entwickeln, aber für die meisten anderen Sachen sind Kinder eine Belastung. Ich verstehe, dass viele gerne Kinder haben wollen und ich bin auch froh, wenn ich sehe, dass Europäer Kinder kriegen, weil ich unsere Kultur für die beste Kultur der Welt halte. Nachdem ich seit vielen Jahren um die Welt reise, kann ich sagen, dass nirgendwo auf der Welt mehr Glück und mehr Sinn für so viele Menschen entsteht wie in Europa. Ich verstehe aber auch, wenn Menschen sagen, ich will mich lieber verwirklichen und praktizieren.

“Sollten Buddhisten kinderlos sein?”

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Ich würde generell sagen, dass das jeder nur für sich bestimmen kann. Es gibt allerdings keinen besseren Weg, Geduld zu entwickeln, als Kinder zu kriegen. Buddhistisch gesehen, ist es eine Frage von karmischen Verbindungen. Wenn man im letzten Leben viele karmische Bindungen hatte, dann kriegt man wohl auch in diesem Leben eine große Familie. Wenn man im letzten Leben eher meditiert hat und mehr alleine war, wird man wohl in diesem Leben auch nicht so viele Kinder bekommen. Das ist je nach Karma verschieden. 

Diese karmischen Verbindungen kann man zum einen daran erkennen, was man für Vorlieben hat. Aber auch daran, wie Menschen oder insbesondere Kinder auf ein Paar reagieren. Es gibt Paare, zu denen sich schnell Kinder hinzugesellen. Bei anderen würde das nicht passen, weil sie die notwendigen Eigenschaften nicht mitbringen. Also, ich finde, Kinder sind toll.