Tag Archive for “Schlaf und Traum”

Was bedeuten Träume im Buddhismus?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Als erstes gilt, dass das allgemeine Leben wichtiger ist als die Träume. Denn dieser normale Wachzustand, den wir jetzt erleben, ist ein gemeinsamer Traum. Was in der Nacht geschieht, sind dagegen nur Einzelträume. Außerdem wachen wir jeden Morgen ungefähr in dem selben Traum wieder auf, während nachts die Träume ständig wechseln. Die Träume während der Nacht haben auch meistens nur mit dem Geist zu tun, während der Traum, den wir jetzt gerade erleben Körper und Rede einbeziehen.

Auf der anderen Seite hat man aber in den Träumen besondere Weisheiten, die man hier nicht hat, weil man im Wachzustand mehr an Erfahrung gebunden ist und Anhaftung hat. Man kann tatsächlich auch Dinge aus Träumen herleiten. Dazu muss man die Nacht erst mal in drei Phasen unterteilen: Im ersten Drittel kommen die Eindrücke des Tages ins Speicherbewusstsein, die werden dann in die verschiedenen Schubladen gelegt. Im zweiten Drittel bekommen einige Leute Albträume, fühlen Druck und Schwierigkeiten mitten in der Nacht. Ich kenne das selber nicht, aber wenn es passiert, kann das zwei Ursachen haben: Störenergien von außen, oder zu langsames Atmen, so dass der Körper Angst bekommt zu sterben. Er schüttet dann ganz viel Adrenalin aus, und wenn das Bewusstsein das Adrenalin wahrnimmt, denkt man "He, Gefahr! Feinde!" – aber eigentlich ist es nur der Körper, der sich selbst wieder animiert.
Und der dritte Teil der Nacht ist dann nützlich. Kurz bevor man aufwacht, kann man die unmittelbare Zukunft träumen. Und direkt in dem Moment, in dem man aufwacht, kann man die etwas entferntere Zukunft träumen. Das Speicherbewusstsein versucht so, durch die Wolken von Unwissenheit und Schleiern eine Botschaft in den Augenblick des Bewusstseins zu bringen. Das geschieht in Träumen: Der Geist versucht, sich selbst etwas zu zeigen, hat aber dicke Hindernisse durch Erwartungen, Befürchtungen, Schleier, Morgen und Gestern usw., die das Gezeigte ungenau machen. Allgemein kannst du aber meistens sagen, dass Träume mit Farben wichtiger sind als Träume ohne Farben. Du kannst sagen, dass Träume mit aufwärts gehender Entwicklung ein gutes Zeichen sind und welche mit abwärtsgerichteter Bewegung nicht so gut. Das hat mit Energiebewegungen im Körper zu tun, mit den Ebenen, auf denen man arbeitet. Außer, man entscheidet sich aus viel Mitgefühl heraus, bewusst nach unten zu gehen und den Wesen zu helfen, die dort sind. Der Geist ist der Boss, er kann das umdrehen.
Bei Buddhisten ist natürlich das Beste, man sieht seinen Lama, die Buddhas, bekommt Segnungen oder hört Mantras. Das ist supertoll! Das bedeutet, dass beim Sterben die guten Eindrücke so stark und tief sind, dass sie aus dem Speicherbewusstsein hochkommen werden und einem in eine gute Wiedergeburt helfen.
Allgemein, auch für Leute, die nicht buddhistisch oder irgendwie mit dem Geist arbeiten, ist entscheidend, mit welchem Gefühl man aufwacht. Wenn man z.B. die ganze Nacht Leute umgebracht hat und man wacht auf und fühlt sich wunderbar, dann bedeutet das nicht, dass man sein wahres Wesen gefunden hat (man ist Sadist), sondern man hat Störungen entfernt. Und wenn man die ganze Nacht älteren Damen über die Straße geholfen hat und man wacht auf und fühlt sich mittelprächtig bis schlecht, dann hat man sicher unterbewusst daran gedacht, hinterher im Testament zu erscheinen.
Das Wichtigste beim Träumen ist allerdings, den Träumer zu erfahren. Man versucht zu wissen, wer träumt und was geträumt wird. Am Tage bemüht man sich dann, das Gefühl des Träumens in das Leben reinzubringen — dann bist du Teflon-beschichtet, dann bist du geschützt. Du fällst auf die Störgefühle nicht so stark herein wie sonst.

Gibt es bestimmte Traumtechniken, die man verwenden kann?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wir haben tatsächlich eine Meditation, die es uns erlaubt, den Tiefschlaf zu nutzen. Wir haben auch Meditationen für den Traumzustand. Aber die sind ein bisschen gefährlich, weil sie mit dem Halszentrum arbeiten und im Hals liegen sehr gemischte Energien. Wenn man das verkehrt macht, dann fängt man an, ziemlich scharf und bissig zu reden.

Aber die Tiefschlafmeditation arbeitet mit dem Herzzentrum und damit kann man keine Fehler machen, denn das ist rund und in der Mitte. Es verträgt sehr viel, ist unerschütterlich, richtig solide und stark. Für den Tiefschlaf gibt es eine Meditation, die heißt "Klare Licht Meditation". Allerdings sollte man möglichst Zuflucht haben, bevor man sie macht.
In dieser Meditation lernst du, immer bewusster und fähiger zu werden, das Gefühl von Traum in den Tag mit rüberzunehmen. Das schützt dich sehr sehr gut! Die Übertragung für diese Meditation habe ich selbst vom 16. Karmapa bekommen, sie kommt aber vom 15. Karmapa. Mit dieser Praxis kannst du lernen, während der Nacht im klaren Licht zu verweilen und dich darin Zuhause zu fühlen. Diese Meditation machst du vor dem Einschlafen. Wach zu sein vor dem Einschlafen und wach zu sein beim Liegen, das ist einfach; beides kann man lernen. Aber in dem Augenblick klar zu bleiben, wo das Bewusstsein vom Wachsein in den Schlaf rübergeht, das ist der schwierige Punkt. Aber das brauchst du auch nicht unbedingt.
Wenn du am nächsten Tag allerdings an einer Maschine stehst und du willst gerne alle zehn Finger wieder mit nach Hause nehmen, dann darfst du die „Klare Licht Meditation“ nicht zu oft machen. In Tibet, wo man oft ganz weit durch die Gegend gelaufen ist, mit einem Pferd vor sich, da konnte man sich das eher erlauben. Vielleicht einmal in der Woche: dann völlig im Licht baden – aber sonst schon genau bleiben.

Du hast gesagt, Träume mit abwärtsgehender Wirkung wären schlecht. Was ist daran schlecht?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Es ist ein schlechtes Zeichen für die Entwicklung. Denn in der Traumphase ist die Energie im Zentralkanal – der Energieachse durch den Körper – meistens auf Hals- oder Herzebene. Sinkt die Energie im Körper, dann wird das oft als Enge erlebt. Während wenn die Energie höher steigt, wird man klar.

So eine Einengung ist ein Anzeichen von Energiebewegungen, die manchmal anstehen. Die kann man dann umkehren, indem man sagt: Ich bin ein großer Bodhisattva und helfe den Wesen, indem ich zu ihnen runter gehe. Und nur dieser Gedanke kehrt es dann um und dann ist es völlig toll.

Was bedeuten Träume vom Tod?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das einzige, was sterben kann, sind verschiedene Ego-Hindernisse, Hemmungen und Blockaden. Und wenn du von Leichen usw. träumst, bedeutet das oft, dass du gerade dabei bist, gewisse besondere Fähigkeiten zu verwirklichen.

Was stirbt, sind die Krusten, die festen Vorstellungen und die Gewohnheitsgedanken, die Ego-Trips. Und wo die wegfallen, ist es als wenn du eine Glühbirne oder einen Spiegel putzt: Mehr und mehr von dem Licht und der Kraft, die im Inneren sowieso vorhanden sind, werden sichtbar. Und du fühlst dich nach dem Aufwachen gut und bist ziemlich weise.

Was bedeutet es, wenn man vom Karmapa träumt oder von dir?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man von mir träumt, dann ist die Tugend weg!
Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass der Lehrer der unmittelbare Zugang zu der eigenen Buddhanatur ist. Der Lehrer ist ja der Spiegel, der einem das eigene Gesicht zeigt.

Wenn du also von Buddhaformen träumst, Mantras hörst oder deinen Lama siehst usw., dann bedeutet das tatsächlich, dass du einen unmittelbaren Zugang zu deiner eigenen Buddhanatur hast. Das ist sehr gut! Das bedeutet, dass die Staubschleier auf dem Geist ziemlich dünn sind und die zeitlose Natur des Geistes nahe daran ist, durchzubrechen. Der Vorteil ist auch, dass wenn man zum Beispiel stirbt und hat kein Phowa, dann hat man eine sehr gute Möglichkeit,  kurz nach dem Tod oder im Sterben den Lehrer zu sehen. Das zieht einen dann direkt raus.

Kann es sein, dass man in Träumen auch echte Belehrungen bekommt?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Der Lehrer, den du in deinen Träumen am meisten hörst oder siehst ist sehr, sehr wichtig für dich. Er ist wie dein Wurzellehrer, bei dem du die stärksten Erfahrung und zu dem du die stärkste Verbindung hast. Da ist es durchaus möglich, dass du dich mit seinem Kraftkreis verbindest, Wissen austauschst und tatsächlich etwas lernst.

Wenn du vom Lama träumst und ihr redet über Blumen oder trinkt Tee, kann es eine Art Öffnung des Unterbewussten sein. Und wenn du richtig viel spürst, bricht dann plötzlich eine neue Entwicklungsebene oder eine Aha-Erfahrung durch – das ist dann wirklicher Segen und du kannst Kraft, Energie und Wissen vom Lehrer bekommen.
Aber du darfst niemals nur auf Grundlage des Traumes handeln! Du musst immer zuerst schauen, ob es nicht etwa fett macht, unmoralisch ist oder gegen das Gesetz verstößt…
Du musst also checken, ob es mit der allgemeinen Welt zu vereinbaren ist. Also nicht aus dem Fenster springen ohne Fallschirm oder so etwas. Sondern die Infos schon mit dem gesunden Menschenverstand nachprüfen.

Warum sind Träume eigentlich so schwer zu deuten?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn kein Gefühlsverhältnis dabei ist, dann sind es oft nur alte losgerissene Bilder aus dem Speicherbewusstsein, die wenig mit dir zu tun haben. Erst wenn eine Gefühlsreaktionen dabei ist – man fühlt sich gut oder schlecht – dann bedeutet das eine nahe Verbindung.
Bei Träumen, die als wichtig erlebt werden, will sich der Geist etwas sagen, aber nicht so richtig dazu stehen, also verschlüsselt er die Botschaften des Unterbewussten an das Bewusste. Das Unterbewusste spielt Verstecken. Es lohnt sich, ein bisschen hin zu sehen, denn einige Teile der Träume sind von Bedeutung.

Wie kann man Träume auf dem Weg zur Erleuchtung verwenden?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man den Augenblick, in dem man weiss ,,dies ist ein Traum" festhält und dann immer weiter ausdehnt, dann kann man damit voll erleuchtet werden.

Wir haben Yogis, die sind im Traum und im Tiefschlaf voll erleuchtet worden. Vielleicht nicht sehr viele, aber es ist geschehen. Wenn man den Augenblick des Traumes erkennt und weiterführen kann in den Tag, dann schützt einen das und hält eine Menge Störgefühle weg.

Gibt es eine Methode, die Träume festzuhalten, so dass man sich beim Aufwachen an sie erinnert?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Wenn man sich an Träume erinnert, liegt das daran, dass der Geist das irgendwie für bedeutend hält. Wenn man sich während des Tages auslebt und die Sachen ziemlich rund sind, ist es möglich, dass man sich ganz wenig an die Träume erinnert. Träume sind wohl immer ein Zeichen dafür, das etwas geschieht, brodelt und gärt.

Ist man einigermaßen entspannt, ist wohl weniger los.Wenn man sich in jedem Falle besser erinnern möchte, kann man sich dafür einen Segen geben lassen. Man kann sich vor dem Einschlafen aber auch einfach ganz stark vornehmen, dass man sich an die Träume erinnern will. Morgens sagt man sich das beim Aufwachen auch sofort wieder, dann kommen die Erfahrungen wieder hoch.

Was bedeutet es, wenn man im Traum lacht?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Lachen ist ein Loslösen von Druck. Es hat in verschieden Kulturen unterschiedliche Bedeutung. In einigen Kulturen zeigt man die Zähne beim Lachen, um zu zeigen, dass man nicht gefährlich ist.

Oder man zeigt die Hände, das ist wohl das erste Lächeln. Man zeigt „Ich habe keine Waffen, ich verstecke nichts“ usw. Im Himalaja-Gebiet lacht man, wenn einer fällt. Das ist nicht Schadenfreude, sondern hat die Funktion, dass der Geist sich nicht festhält an dem, was passiert. Man lacht den Trip aus, damit der Betroffene es nicht zu ernst nimmt, was da geschehen ist. Das ist eine nützliche Reaktion, dieses Lachen. Bei uns ist es einfach eine Befreiung. In dem Moment, wo du lachst, gibst du Energie frei. Du fühlst dich gut. Lachen ist gesund und gut, da gibt es keinen Zweifel. Leute, die viel Lachen, kriegen schöne Gesichter.

Ich kenne eine Frau, die öfters von etwas träumt, was später tatsächlich passiert. Leider sind es immer negative Dinge, und sie ist ziemlich verunsichert deswegen.

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Das ist auch schwierig. Diese geistigen Fähigkeiten sind Zeichen dafür, dass bestimmte Stellen im Spiegel des Geistes klar geworden sind. Es kann aber auch bedeuten, dass man eine sehr, sehr hohe Ebene in der beruhigenden Meditation, also Shine oder Shamata, erreicht hat.

Wenn man diese klaren Träume kurz vor dem Aufwachen hat, denn da liegen diese Zukunftsträume, dann ist man in der Kassandra-Rolle, die keiner mag. Kassandra sagte: "Die Griechen kommen nach Troja rein, passt auf mit diesem Pferd". Aber die Trojaner lachten nur. Und dann sind plötzlich Pferd und Griechen in der Stadt. Das ist schon schwierig.
Sie sollte versuchen beim Einschlafen zu denken: "Mag es allen Wesen, von denen ich träume, richtig gut gehen", das dann auch möglichst in den Traumvorgang einbauen und ein paar Mantras sagen. So kann sie vielleicht sogar etwas von ihren Leiden abbauen und irgendetwas Karmisches auflösen. Denn wenn man hingeht und den Leuten sagt: "Pass auf! Mach keinen Autounfall heute!" – nehmen sie die ersten Male vielleicht die Straßenbahn, aber dann hören sie irgendwann gar nicht mehr zu. Es ist kein Segen, das zu können. Vor allem, wenn man ein paar Mal danebenschießt, und das tun sogar die besten Propheten. Und am Ende verwirrt man die Leute nur und sie sind auch noch sauer auf einen. Also, gute Wünsche rein und die Situation damit umkehren. Das wäre mein Rat.

Was hast du denn für Träume?

Antwort von Lama Ole Nydahl:
Da gibt es mehrere Phasen. Als erstes laufen die oft abgebrochenen Eindrücke des Tages noch einmal durch. Alle Sachen werden gecheckt usw. Das sind bei mir sehr oft Schützerzustände: Die Säle, die Erfahrungen des Tages, die alten Schützer-vorstellungen, da aufpassen, da absichern, wie ging es dem usw. Das läuft als erstes durch.

Dann gibt es normalerweise eine Schlafphase, die ich offenbar gar nicht habe. Einige Leute haben da Alpträume oder so etwas, ich habe wohl in meinem ganzen Leben niemals einen Alptraum gehabt. Die Leute erzählen mir das, ich habe Mitgefühl, aber verstehe es nicht.
Dann gibt es gegen Morgen so Phasen, wo ich die Träume selbst hin- und herblenden kann. Da kann ich dann bestimmen, ah.. jetzt mal das träumen, das wäre spannend! Da habe ich viele Actionfilme, wo ich fliege, springe und solche tollen Sachen mache! Okay, auch ein paar prophetische Träume oder Erinnerungen von flotten Erlebnissen wie der Motorradtour nach Oslo kommen rein: War richtig traumhaft! Die Farben und das Licht, alles hellgrün und ganz viele Birkenbäume.
Dann kommt auch das bewusste Nachschauen in den Träumen. Was gibt es an Zeichen? Will mir einer was sagen? Wenn ich Buddhaaspekte sehe oder Mantras höre, dann ist das ganz besonders. Da bin ich natürlich sehr dankbar!
In dem Moment, wo ich aufwache, habe ich dann die Wahl. Entweder sage ich: Jetzt musst du dich erinnern, dann kann ich das auch. Oder ich sage: Jetzt willst du dich nicht erinnern! Das war eine abgeschlossene Sache und hier warten zwanzig Briefe auf dich und du musst jetzt voll hier sein! Das wähle ich meistens. Nur wenn ich wirklich denke, dass es ein gefährliches Zeichen gab, muss ich mich erinnern!